Das Wunder von Braunschweig geht weiter

Publishing Nächstes Kapitel im Spenden-Märchen von Braunschweig: Seit Monaten beschenkt ein anonymer Wohltäter bedürftige Menschen oder Einrichtungen, nachdem zuvor die Braunschweiger Zeitung über diese berichtet hatte. Einige Zeit hatte der Unbekannte das Spenden eingestellt. Jetzt wurde wieder ein Geld-Umschlag inklusive Zeitungsausriss hinterlegt – an die Opferhilfe und einen argentinischen Jungen. Damit summieren sich die eingegangenen mysteriösen Geldgeschenke auf 200.000 Euro.

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Der elfjährige Pablo hatte auf der Webseite der Regional-Zeitung über das Schicksal seiner Familie berichtet. Und spätestens das neueste Kapitel in der Geschichte des Wunders von Braunschweig hat alles, was ein modernes Märchen braucht. In Argentinien hatte der Junge Pablo in einer TV-Reportage von dem Wohltäter aus dem fernen Deutschland gehört. Daraufhin setzte er sich vor einen Computer, suchte mit Hilfe eines Übersetzungsprogramms nach weiteren Berichten und schilderte schließlich auf der Homepage des WAZ-Blattes seine Notlage. Die Braunschweiger Zeitung zitierte in einem Artikel vom 10. März dann aus dem Text von Pablo, in dem er schreibt, dass seine Familie von Obdachlosigkeit bedroht sei: „Herr anonymer Wohltäter. Ich habe 11 Jahre und lebe in Buernos Aires“.

Der 11-Jährige Pablo schickte ein Bild von sich und seiner Familie an die Braunschweiger Zeitung
Wenige Tage später, lag im Briefkasten der Braunschweiger Opferhilfe ein Umschlag. Diesmal mit 10.000 Euro für die soziale Einrichtung und einem Ausriss des Artikels, in dem Pablo vorkommt. Sein Zitat war unterstrichen. Zudem hatte der Spender an die Zeitungsseite 2.000 Euro geheftet.
Damit verlassen die Spenden zum ersten Mal Umgebung von Braunschweig. Wenige Wochen vor Weihnachten begann das moderne Märchen. Die Zeitung hatte über das traumatisierte Opfer eines Handtaschenraubs berichtet. „Unmittelbar danach erhielt die Opferhilfe 10.000 Euro“, sagt Henning Noske, Lokalchef der Braunschweiger Zeitung. Zusammen mit dem Geld lag in dem Umschlag auch noch eine Ausriss mit der Story aus dem Regionalblatt.

Seitdem wiederholte sich dieses Muster mit Spenden für eine Suppenküche, für einen behinderter Jungen, für die Sternsinger, eine Kirchengemeinde und Kindergärten. Mittlerweile verteilte der anonyme Wohltäter rund 200.000 Euro. Dabei geht er so geschickt vor, dass den Beschenkten auch keine Nachteile aus den Hilfsumschlägen erwachsen. So liegen die Präsente immer unterhalb der steuerpflichtigen Grenze von 20.000 Euro und auch die Polizei sieht keinen "Ansatz für eine kriminelle Handlung". Das Geld scheint sauber zu sein.
Wie der Text vom 10. März zeigt, in dem die Redaktion über das Posting des Elfjährigen berichtet, ist sich die Braunschweiger Zeitung mittlerweile sehr genau bewusst darüber ist, dass sie Einfluss auf die Spenden des Wohltäters hat – eine höchst ungewöhnliche Lage für die Zeitungsmacher.

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