News-Branche USA: Es geht ums Überleben

Publishing "Die Nachrichtenindustrie ist einem neuen Geschäftsmodell immer noch nicht näher gekommen. Gegenüber ihren Rivalen in der Technologieindustrie hat sie an Boden verloren." Zu diesem nüchternen Fazit kommt die US-Studie "State of the News Media 2012". Die News-Analysten vom renommierten Pew Research Center diagnostizieren: Es gibt zwar mehr Nachrichten denn je auf mehr Kanälen denn je, doch das Geschäft machen andere als klassische Medienunternehmen. Für die gehe es ums Überleben.

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Als Schlüsseltrends haben die Journalismusforscher vom "Project for Excellence in Journalism" fünf wegweisende Entwicklungen ausgemacht:

1. Nutzer mobiler Endgeräte lesen journalistische Inhalte intensiver als auf ihrem Desk- oder Laptop. 27 Prozent der US-Bevölkerung konsumieren Nachrichten schon auf ihren Smartphones und Tablets. Die Bindung an traditionelle Marken wird etwa über Apps eher gestärkt als geschwächt. Mobiler Medienkonsum ersetzt nicht den Konsum anderer Medienkanäle, sondern ergänzt bereits bestehende Formen des Medienkonsums.

2. Soziale Medien(netzwerke) sind wichtig, sind aber keine massiven News-Treiber. Zwar verbringen Facebook-Nutzer in den USA im Durchschnitt 7 Stunden im Monat in dem Netzwerk, während die Nutzer in diesem Zeitraum nur etwa eine halbe Stunde auf News-Webseiten unterwegs sein sollen. Aber nicht mehr als zehn Prozent der digitalen Nachrichtenkonsumenten verfolgen Empfehlungen über Facebook oder Twitter "sehr oft".

3. Die TV-Zuschauerzahlen steigen unerwartet, u.a. legen erstmals seit einem jahrzehnt wieder die Zuschauerzahlen für Nachrichtensendungen von den großen TV-Networks zu. News-Sender wie CNN und MSNBC legten zu, Quoten-Marktführer Fox News verlor dagegen. Dieser Trend könnte sehr kurzlebig sein, vermuten die News-Analysten.

4. Die Mehrheit der Online-Nachrichtenangebote wird 2012 auf digitale Abonnements umsteigen – um zu überleben. Zu den etwa 150 Publikationen, die bereits auf ein bezahlsystem umgeschwenkt sind, kämen in den kommenden Monaten mindestens 100 weitere hinzu, lautet die Prognose. Dies habe nur zum Teil mit dem Erfolg der New York Times und ihrem "metered model" zu tun. Zitat: "Viele Zeitungen verzeichnen solch einen Einbruch ihrer Anzeigenumsätze, dass einige von ihnen phne eine Infusion digitaler Vertriebsumsätze vielleicht nicht überleben." Von allen Mediengattungen verlören Zeitungen am meisten Umsatz.

5. Der Einfluss der Debatte um Datensicherheit auf die Nachrichtenbranche ist ungewiss. Nutzer sind seit einiger Zeit viel aufmerksamer geworden, was die Nutzung ihrer privaten Daten durch Online-Anbieter angeht. Auch die Web-Angebote der Medienunternehmen müssen Nutzerdaten sammeln, um ihre Werbung besser zu platzieren. Damit befinden sie sich potenziell in einem Daten-Dilemma – aber handeln müssen sie in jedem Fall, um den Anschluss nicht zu verpassen.

Den Anschluss nicht verlieren dürfen Medienunternehmen insgesamt nicht – aber vielleicht ist der Vorsprung der Tech-Giganten wie Google, Facebook, Amazon und Co. bereits zu groß. "Die Lücke wird größer", heißt es im Report. Dies spiegelt sich vor allem bei den Werbeumsätzen. 2011 gingen demnach 68 Prozent aller Online-Werbeumsätze in den USA an fünf Tech-Companies. Die Bemühungen, Online-Inhalte zu monetarisieren, seien noch zu verhalten.

Gleichzeitig nähern sich Medienunternehmen und Tech-Companies auch an, haben die Pew-Forscher registriert. So kooperierten Reuters und YouTube, ABC News und Yahoo, AOL habe die Huffington Post gekauft und Facebook biete Social Reader an. Ein Facebook-Mitgründer, Chris Hughes, kaufte unlängst das politische Magazin New Republic. Was nicht unbedingt ein Signal für einen Trend sein muss – aber dann doch bezeichnend für die derzeitige Kräfteverteilung ist.  

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