„Unser Blatt ist intelligent, nicht intellektuell“

Publishing "Der große Wissenstest" titelt der Focus an diesem Montag und begibt sich auf eine Zeitreise auch in eigener Sache. Grund ist das Erscheinen der 1000. Ausgabe des Münchner Fakten-Magazins, das die Redaktion mit einem großen Leser-Quiz mit 1000 Gewinnen im Wert von 300.000 Euro begleitet. Im Editorial erklärt Chefredakteur Chefredakteur Uli Baur mit bayerischem Understatement, man sei auf das Jubiläum "ein bisschen stolz" und sieht den Focus für die Zukunft bestens gerüstet.

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Nach den Turbulenzen des vergangenen Jahres, als der erst 2010 verpflichtete Chefredakteur Wolfram Weimer nach Auseinandersetzungen über die Blattstrategie frühzeitig seinen Schreibtisch räumen musste, sieht Baur den Titel heute deutlich stärker aufgestellt als zuvor. Im Interview mit dem Mediendienst new business verrät der 56-Jährige zudem, er habe nach dem Amtsantritt Weimers "sehr schnell" geahnt, dass er einmal alleiniger Chef sein würde: "Wir hatten zu unterschiedliche Vorstellungen über die Zukunft des Magazins." Dabei sei die Zeit der Doppelspitze überhaupt "sehr kurz" gewesen und habe "in der Focus-Geschichte keine überragende Bedeutung". Deutlich wird, dass der Gründungs-Vize und langjährige Vertraute von Focus-Erfinder Helmut Markwort für sich und sein Team in Anspruch nimmt, das Heft nach den Querelen der Vergangenheit neu geerdet zu haben. Sein Blatt-Motto: "Unser Magazin ist intelligent, nicht intellektuell."
In der Jubiläumsausgabe können Leser ihr Faktenwissen aus 19 Jahren Zeitgeschichte unter Beweis stellen und Fragen aus Politik ("Wer war Vorgänger von Bill Clinton als US-Präsident?"), Sport ("Wer war Bundestrainer bei der Fußball WM 2002?") oder Allgemeinwissen ("Warum schockten die Pisa-Ergebnisse 2001 die Republik?"). Teilnehmern am Gewinnspiel winken Preise vom Auto über Design-Möbel oder Wellness-Wochenenden bis zum Hightech-Staubsauger. Auch für Business-Kunden hat der Focus ein Gewinnspiel am Start.
Entscheidender als die PR in eigener Sache ist für den Chefredakteur allerdings die Tatsache, dass das Magazin überhaupt eine so lange Geschichte geschrieben hat – schließlich waren die Erfolgsprognosen beim Start 1993 alles andere als positiv. So schwelgt Baur ausgiebig in alten Zeiten. Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa sagt er über die Gesamtleistung: "Wir haben viel bewegt am Markt und zunächst mal Demokratie am Kiosk hergestellt, da gibt es jetzt gleich montags zwei Meinungen." Der Focus" habe im Hinblick auf die grafische Präsentation der Heftinhalte sogar eine "Kulturrevolution" bewirkt: "Von Anfang an haben wir eine andere Form des Lesens installiert, eine die linke und rechte Gehirnhälfte vernetzende." Entscheidend für die Positionierung sei auch gewesen: "Wir verfolgen eine konstruktive, optimistische Richtung – wir machen ein Blatt für Leute, die anpacken."   
Die digitale Umwälzung sieht er in dem Interview nicht als Gefahr für sein gedrucktes Magazin: "Ich freue mich über jede neue Milliarde an Seiten im Internet, denn sie bedürfen einer Einordnung. Die Welt wird unübersichtlicher, deshalb wird ein Magazin, das ja schon per Definition etwas Einordnendes ist, immer wichtiger." Noch in diesem Jahr werde der Focus zudem eine Tablet-App anbieten, das generelle Ziel bleibe aber ganz einfach, "ein gutes Nachrichtenmagazin mit Wissenswert und Nutzwert" zu machen, mit "Qualität und echter Exklusivität".
Eine große Feier ist mit Blick auf das nahende 20-jährige Jubiläum nicht geplant, allerdings laden Baur sowie Geschäftsführer Burkhard Graßmann und Vorstand Philipp Welte die Mitarbeiter zu einem internen Focus-Fest.

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