SXSW: Wer braucht Early Adopters?

Publishing Das Berliner Start-up Tape.tv ist mit von der Partei beim legendären Festival South by Southwest (SXSW). Die Großveranstaltung in Austin, Texas ist zwar vor allem als Musikfestival bekannt, in der digitalen Szene gilt das SXSW aber als Mekka der Start-ups. Für MEEDIA berichtet Fabian Heuser von Tape.tv aus Austin. In der zweiten Folge über Pinterest-CEO Ben Silbermann, Männer gegen Maschinen und ein giftgrünes Spotify-Haus.

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Einer der Männer der Stunde, Ben Silbermann, CEO von Pinterest, saß auf dem großen Panel im Austin Convention Center. Warum habe er eigentlich nicht auf das von Eric Reis beschworene "Minimum Viable Product" gesetzt, sondern habe Pinterest von Anfang an erst als ein ziemlich ordentlich designtes Produkt gestartet? Seine Antwort: Es sei nie das Ziel gewesen, die Qualität zu opfern, nur um schnell am Markt zu sein: "Der Punkt ist, man weiß einfach nicht, was minimum was viable ist, sagte Silbermann.

Seiner Meinung nach müssen sich Entrepreneurs schon lange nicht mehr zwanghaft an die "early adopters" richten, die viel Geld für einen technologischen Informationsvorsprung ausgeben. Heute habe jeder ein Smartphone. Es reiche vollkommen aus, sich auf Leute mit einem Hobby oder einer Berufung zu konzentrieren.

Das Spotify-Haus in Austin (Foto: Fabian Heuser)

Noch eine Entwicklung, die in Austin deutlich wird: Das Budget-Monopol der TV-Werbung bröckelt an allen Ecken und Enden. Die letzte Bastion zentral gesteuerter und monodirektionaler Informations- und Unterhaltungsdistribution wankt – HBO liefert alle Serien nur noch mit Realworld / Social Media Verknüpfung und eröffnet mehr und mehr Absatzkanäle, wie zum Beispiel Merchandising

Auf einem Panel saß auch Philipp Eibach vom Berliner Start-up wahwah.fm. Symbolträchtiger Titel: "Men vs. Machine". Im Gespräch erklärte Eibach, dass seine App gut ankomme. Vor kurzem war wahwah.fm bei Apple sogar App der Woche. Gutes Timing: Geotagging ist immer noch eines der großen Themen hier. Warum das nicht auch mit Entertainment verknüpfen?!

Die Berliner Interactive-Szene, die in Austin mit einem eigenem Stand vertreten ist, kommt, das lässt sich sagen, sehr gut an. Die Bilanz eines Tages von Debug-Verleger Klaus Gropper: "Gestern wurden der Berliner Delegation die ersten 500 Info-Taschen in gerade mal drei Stunden aus den Händen gerissen. Eine Tasche mit einer bedruckten Frontfläche von 40x40cm macht damit in ihrer Summe 800qm Werbefläche für unser Anliegen". Auch die vier Kilogramm verzehrte Gummibärchen würden "das große Interesse an Berlin und seinen Firmen" beweisen.

Einen besonderen Eindruck hat das Spotify House gemacht. Ein bisschen außerhalb des Zentrums gelegen, hat Spotify ein kleines Haus giftgrün angemalt und viele verrückte Menschen in den Vorgarten gestellt. Es funktioniert ausgezeichnet!

Bleibt die Frage, warum Europa kein Festival wie das SXSW hat, auf dem Interactives, Musik und Film aufeinander treffen. Zwar hört man überall, dass das SXSW – oder zumindest der Interactive-Teil – seinen Hippie-Charme ein wenig verloren hat. Aber der wilde Strudel, zu dem die 6th Street jeden Abend wird, ist besser als jede Messehalle und jeder Kongress.

Tape.tv ist interaktives Musikfernsehen im Netz. Das Start-up aus Berlin ist Teil der Berliner Delegation der Berlin Music Commission.

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