Die bittere Medienschelte des Ex-Präsidenten

Publishing In einer Rede hat Ex-Bundespräsident Horst Köhler scharfe Kritik an den Medien geübt. Einige Medien würden vom “leichtfertigen Verdacht” und “der entehrenden Unterstellung” leben, sagte er. Es würden “Sensatiönchen und Skandälchen” gepflegt. Köhler ging in seiner Medienschelte zwar nicht direkt auf die Berichte um seinen zurückgetretenen Amtsnachfolger Christian Wulff ein, der Bezug zu dessen Affären und der massiven Berichterstattung darüber war aber überdeutlich.

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Horst Köhler hielt seine Rede bei dem “Wittenberger Gespräch”. Diese Diskussionsveranstaltung findet einmal jährlich auf Initiative der Landesregierung von Sachsen-Anhalt in der Luther-Stadt Wittenberg statt. Neben Köhler sprachen u.a. auch der polnische Botschafter Marek Prawda, der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen und Ex-BASF-Chef Jürgen Strube.

Horst Köhler war vom Amt des Bundespräsidenten zurückgetreten, weil er bei den Medien den nötigen Respekt gegenüber dem Amt vermisste. Hintergrund war eine ungeschickte Aussage des damaligen Bundespräsidenten zum Engagement Deutschlands in Afghanistan, die in der Presse kritisiert wurde.

Köhlers aktuelle Rede in Wittenberg wird in der Berliner Zeitung folgendermaßen zitiert: “Früher hatten die Medien vor allem Spezialisten für das genaue Verständnis, für das Lesen und Verstehen auch zwischen den Zeilen. Heute haben sie immer mehr Spezialisten für das bewusste Missverstehen und die ehrenrührige Schnödigkeit.“

Medien würden sich zu sehr auf “Sensatiönchen und Skandälchen” beschränken und damit Politik und Wirtschaft die Zeit rauben, sich auf wirklich wichtiges zu konzentrieren. Nach der Lesart Ex-Bundespräsidenten fördern die Medien so bei den Eliten des Landes eine gewisse Verlotterung. Würden sich die Medien wieder auf eine seriösere Rolle besinnen, hätte das laut Köhler positive Effekte auf die Gesellschaft: „Dann geraten sie (die Eliten, Anm.Red.) auch weniger in Versuchung, nach dem selben Rezept wie die Medien und in Symbiose mit ihnen um unsere Aufmerksamkeit zu buhlen.“

Namen wurden freilich keine genannt, aber man kann sich ungefähr ausmalen, wen und was Horst Köhler meinte. In erster Linie wohl Boulevard- und Massenmedien, die durch hartnäckige Berichterstattung den Rücktritt seines Amtsnachfolgers Christian Wulff herbeigeführt haben.

Ob Köhler die Berichte über Wulffs Eskapaden nun tatsächlich als “Skandälchen” klassifiziert, liegt freilich im Bereich der Interpretation. Der Ex-Bundespräsident hätte besser daran getan, bei seiner Kritik auf konkrete Ereignisse einzugehen und Namen zu nennen. So ist seine Kritik zu pauschal und ungefähr. Und von seiner Medienschelte bleibt lediglich ein Nachgeschmack von persönlicher Gekränktheit haften.

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