Tele5-Medienformat gewinnt Grimme-Preis

Fernsehen Kein Preis für Kulturpessimisten, denn die Jury war in diesem Jahr begeistert – zumindest von den Gewinnern der 48. Grimme-Preise. Neben Serien-Sieger Dominik Graf (diesmal für "Dreileben") konnte auch erwartungsgemäß der Fernsehpreis-Gewinner "Homevideo" eine der begehrten Trophäen abstauben. Überraschungen gab in der Kategorie Unterhaltung. Hier wurden die NDR-Produktion "Der Tatortreiniger" und die fernsehkritische Tele5-Reihe "Walulis sieht fern" ausgezeichnet.

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Für Uwe Kammann, den Direktor des Grimme-Institutes prägen "eindrucksvolle, zupackende und nachdrückliche Dokumentationen, herausragende Fernsehfilme mit einem großen Themenspektrum und originelle Unterhaltungsformate den Grimme-Preisjahrgang 2012." Insgesamt werden zwölf Produktionen in den drei Wettbewerbskategorien Fiktion, Information & Kultur sowie Unterhaltung ausgezeichnet.

Kategorie Fiktion:
"Homevideo" (Regisseur: Kilian Riedhof, Produktion: Arte/NDR/BR)
Jurybegründung: "’Homevideo‘ greift mit Cybermobbing ein aktuelles und wichtiges Thema auf. Die Freiheit des Internet, gut und schön. (…) Den Film kann man als aufrüttelnde Mahnung sehen, auch als Film über die gestörte Kommunikation in einer Ehe und zwischen."
"Liebesjahre" (Produktion: ZDF)
Jurybegründung: "Ein klassisches Kammerspiel. Man könnte es auch auf die Bühne bringen."
"Die Hebamme – Auf Leben und Tod" (Regisseur: Dagmar Hirtz, Produktion: ZDF/ORF)
Jurybegründung: "’Die Hebamme‘ ragt in jeder Hinsicht aus dem Jahresprogramm des ZDF heraus: Dieser Film hat nichts zu tun mit der üblichen Ästhetik eines Montagsfilms des Zweiten."
"Ein guter Sommer" (Regisseur: Edward Berger, Produktion: ARD/HR)
Jurybegründung: "Ein feiner Hauch von ‚Jules & Jim‘ liegt über dieser anmutigen Tragikomödie. Federleicht hat Edward Berger sie inszeniert, auf zart dahingetupften, lebensklugen Dialogen lässt das Drehbuch von Berger und Michael Schenk sie schweben"
"Dreileben" (Regisseure: Dominik Graf, Christian Petzold und Christoph Hochhäusler, Produktion: (ARD/BR/Degeto/WDR)
Jurybegründung: "’Dreileben‘: das ist ein erfundenes Städtchen mitten in Deutschland, vom Wald eingeschlossen, im Thüringer Wintersportgebiet. Die Filme spielen im Sommer, einem unspektakulären, frei von Politik oder Weltsportereignissen, so dass vermischte Nachrichten die Menschen in Atem halten."
Kategorie Unterhaltung:
"Der Tatortreiniger" (Regisseur: Arne Feldhusen, Produktion: NDR)
Jurybegründung: "Aus der kleinen, feinen Idee, einen Tatortreiniger bei der Arbeit zu begleiten, hat Autorin Mizzi Meyer ein Kammerspiel der besonderen Art entwickelt."
"Walulis sieht fern" (Produktion: Tele5)
Jurybegründung: "In den (Un-)Tiefen des Programmangebots – beim Kleinsender Tele 5 nach Mitternacht – verborgen, findet sich eine der vergnüglichsten Entdeckungen des TV-Jahres. „Walulis sieht fern“ amüsiert den Normalzuschauer und lässt den professionellen Fernsehbeobachter geradezu diebische Freude empfinden"
Kategorie Information & Unterhaltung
"Geschlossene Gesellschaft – Der Missbrauch an der Odenwaldschule" (Buch und Regie: Luzia Schmid und Regina Schilling, Produktion: ARD/SWR/HR)
Jurybegründung: "Ganz ohne marktschreierische Schuldzuweisungen zeigen Schmid und Schilling Lehrer, die sich ihrer Mitverantwortung stellen, ihrer Blindheit, ihrer Feigheit, bereit sind (…) der Schule und der eigenen Rolle zu revidieren."
"Alarm am Hauptbahnhof – Auf den Straßen von Stuttgart 21" (Buch und Regie: Wiltrud Baier und Sigrun Köhler, Produktion: ARD/SWR)
Jurybegründung: " ‚Alarm am Hauptbahnhof‘ ist ein Film, der von der Dramatik des Konflikts und von den Mühen der Demokratie auf leichte Weise erzählt. Das Komische kommt in die Szenen nicht zur Extra-Belustigung, sondern weil das Leben sowieso komisch ist, schon gar, wenn das schwäbische Bürgertum den Aufstand probt."
"Die Jungs vom Bahnhof Zoo" (Autor und Regisseur: Rosa von Praunheim, Produktion: rbb/NDR)
Jurybegründung: "In ‚Die Jungs vom Bahnhof Zoo‘ portraitiert er (Praunheim) auf sensible Weise und dennoch knallhart realistisch fünf ehemalige Strichjungen vom Berliner Bahnhof Zoo. Über Interviews und Beobachtungen verfolgt er ihren Weg zurück, der sie seinerzeit in der Stricher-Szene landen ließ."
"The Other Chelsea" (Autor und Regisseur: Jakob Preuss, Produktion: ZDF)
Jurybegründung: "Preuss macht keinen Fußballfilm, der Autor hat gar keine Bilderrechte. Also behilft er sich mit Knetmasse und Animation, mit Spielfotos und Spielfreude. Putzig wirkt das nicht, so wenig wie das übrige Arrangement der Themen und Figuren. Preuss‘ Introspektion der Oben-und-unten-Strukturen kommt leichtfüßig daher. Der Zuschauer wird informiert, und er wird unterhalten."
"Meine Leben – Die Fotografin Sybille Bergemann" (Regisseur: Sabine Michel, Produktion: Arte/ZDF) (Der Film erhält außerdem den Sonderpreis Publikumspreis der Marler Gruppe.)
Jurybegründung: "Überhaupt scheint der Film schlichter, als er ist. Tatsächlich ist er auf höhere Weise einfach. Er tut dramaturgisch wie filmästhetisch Notwendiges und verzichtet auf Brimborium, wo er kann. Es sieht aus, als ob die Filmemacherinnen sich die Maxime der Fotografin zu Eigen gemacht hätten."
Sonderpreis Kultur des Landes Nordrhein-Westfalen:
"Du bist kein Werwolf – Über Leben in der Pubertät" (Produktion: Ki.KA/WDR)
Jurybegründung: "Schon der Titel ist brillant. Wie auch der Vorspann — eine unschuldige Kugel verwandelt sich in einen haarigen Würfel. Erwachsene vergessen das gern, aber es ist ja nicht leicht, jung zu sein. Und das keineswegs bloß, weil mit der Kindheit auch die Zeit der Unbeschwertheit endet: Der Körper verändert sich, die Stimme auch, überall wachsen Haare. Aber deshalb ist man trotzdem noch lange kein Werwolf."
Sonderpreis Eberhard-Fechner-Förderstipendium der VG Bild-Kunst:
"Der Brand" (Produktion: SWR)
Jurybegründung: "Mit dem Eberhard-Fechner-Förderpreis will die Jury Brigitte Maria Bertele, die in Ludwigsburg Dokumentarfilmregie studiert hat und Autorin mehrerer Dokumentationen ist, ausdrücklich ermutigen, ihre Arbeit auch mit fiktionalen Stoffen fortzusetzen."

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