Wer ist „Peter Voss“ von der Neuen Welt?

Publishing Die Redaktion der Neuen Welt hat sich für die peinliche Panne mit dem falschen Schweden-Baby entschuldigt. Allerdings hat nicht Chefredakteur Kai Winckler den Kotau vor den Lesern gemacht, sondern ein gewisser Peter Voss, der noch nicht einmal im Impressum steht. Wer das ist? Der Verlag hüllt sich in Schweigen. Und sonst: Liebesglück und Liebesleid bei der People-Presse, die “Tagesschau” macht Rock’n’Roll und Leistungsschutz war in Verlagen nicht immer ein Topthema.

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Wie Geschichten geschnitzt werden, das weiß man bei der People-Presse. Lustig war diese Woche die unterschiedliche Interpretation des Liebeslebens von US-Schauspielerin Jennifer Aniston durch Gala und In (beide Gruner + Jahr). Während Gala aus einer US-Zeitschrift abgepinselt hat und über das Liebesglück von Frau Aniston mit Justin Theroux schwadronierte, verwies In auf einen Bekannten von eben jenem Justin Theroux, der berichtet, Frau Aniston habe ihn beim Kiffen erwischt. “Knallhart” recherchiert. Witzig auch, dass beide Blätter für ihre Stories ganz ähnliche Bilder von ein und demselben Event auf den Titel genommen haben. Liebes-Aus und Liebes-Glück liegen in der Regenbogen-Presse sehr nah beieinander.

Zum Glück bleibt wenigstens unsere “Tagesschau” topseriös. Naja, obwohl … Deutschlands quasi amtliche Nachrichtensendung will jetzt auch ein ganz, ganz kleines bisschen lockerer werden. Die Sprecher der 20-Uhr-Ausgabe dürfen, jetzt halten Sie sich bitte fest, die Zuschauer ab dieser Woche sogar begrüßen. Irre! Jan Hofer sagt dann etwa: “Ich begrüße Sie zur ‘Tagesschau’.” Und ganz am Ende darf er dann noch ein bisschen Eigenwerbung für die “Tagesthemen” machen und “einen schönen Abend“ wünschen. Für die “Tagesschau” ist das purer Rock’nRoll.

Es soll also kommen, das Leistungsschutzgesetz. Das haben sich große Verlage wie die Axel Springer AG so sehr gewünscht. Anfang der Woche wurde bekanntgegeben, dass das Gesetz tatsächlich auf den Weg gebracht werden soll. Wie genau, das steht freilich noch nicht fest. Irgendwie sollen die Verlage dann für Zitate und/oder Ausschnitte, die zum Beispiel von Google News verwendet werden, entlohnt werden. Da hängen bei der praktischen Ausgestaltung des Gesetzestextes noch viele Fragezeichen in der Luft. Die Großverlage sind ja sehr dahinter her, dass die Verbreitung ihrer wertvollen Inhalte auch entsprechend entlohnt wird. Dass dieser teure Premium-Content einfach so herumgeistert und keiner zahlt dafür – schreckliche Vorstellung. Früher, als alles anders war, und ich für den gedruckten Medien-Branchendienst kressreport arbeitete, lebte diese kleine Zeitschrift davon, dass Verlage Abos der Zeitschrift kaufen. In Zeiten klammer werdender Kassen bei den Verlagen hatte sich dann irgendwann die Unsitte verbreitet, dass der eine oder andere Großverlag nur noch sehr sehr wenige Abos kaufte. Die wenigen käuflich erworbenen Exemplare wurden dann eifrig kopiert und großzügig im Hause verteilt. Das war gerade auch in einigen jener Häuser gängige Praxis, die heute zu den glühendsten Vorkämpfern für das Leistungsschutzrecht gehören. Was haben sich die Zeiten doch geändert.
Die Neue Welt hat sich für die peinliche Panne mit dem falschen Schweden-Baby entschuldigt. Spiegel-Autor und Medienblogger Stefan Niggemeier hat dankenswerter Weise die Entschuldigung der Neuen-Welt für das Baby-Malheur veröffentlicht. Sie erinnern sich: Die Neue Welt hatte aus dem neugeborenen Mädchen der schwedischen Kronprinzessin Victoria einen Jungen gemacht. Eine “enge Verwandte” des Schweden-Königs himself habe der Redaktion den Floh mit dem Jungen ins Ohr gesetzt. Na sowas aber auch! Künftig wolle man bei der Neuen Welt Informationen darum “noch sorgfältiger überprüfen”. Die Schweden-Könige dürften aufatmen. Nur: Warum hat sich Neue-Welt-Chefredakteur Kai Winckler nicht selbst bei seinen Lesern für die Panne entschuldigt, sondern die undankbare Aufgabe einem gewissen Peter Voss überlassen? Und wer ist dieser Peter Voss überhaupt? Stefan Niggemeier hat bei WAZ-Sprecher Paul Binder gefragt, wer der Neue-Welt-Qualitäts-Garant Peter Voss ist (im Impressum der Neuen Welt taucht sein Name nicht auf) und keine Antwort erhalten. Auch wir wollten das gerne wissen. Der WAZ-Sprecher teilte mit, dass man das Thema nicht weiter kommentieren wolle. Ein Anruf bei der Neuen Welt half auch nicht. Die freundliche Dame am Telefon versprach, Chefredakteur Winckler die Bitte um Rückruf zu übermitteln. Aber der hat bisher, leider, leider, noch keine Zeit gefunden. Einen möglichen Fingerzeig aber gibt es. "Peter Voss" ist ein alter Bekannter für treue Neue-Welt-Leser, ein altgedientes Pseudonym bei der WAZ-Zeitschrift. In der Neuen Welt am Sonnabend schrieb in den 60er Jahren der damalige Neue-Welt-Chef Jürgen Köpke unter dem Pseudonym "Peter Voss" allerhand krudes Zeug und lobte sich selbst, also "Peter Voss", al den "mutigsten Leitartikler Deutschlands". Sollte man bei der Neuen Welt dieser, doch auch unrühmlichen Tradition des Hauses treu geblieben sein? Wir wissen es nicht, können und wollen das aber nicht glauben.  Denn "Peter Voss" und die Neue Welt stehen nach eigenen Angaben für "ungetrübten Lesespaß, ganz ohne böse Überraschungen". Ja, das wollen wir glauben! Ganz fest.

Schönes Wochenende!

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