Die Bild-Zeitung schafft das Seite-1-Girl ab

Publishing Am gestrigen Weltfrauentag ließ die Bild-Zeitung als PR-Gag die heutige Ausgabe nur von Männern produzieren. Und die schafften prompt die nackte Mieze auf Seite 1 ab. Das nackte Bild-Girl soll von der Titelseite in den Innenteil der Zeitung wandern, “moderner, besser verpackt”, wie die Bild schreibt. Viele Frauen und Leser-Beiräte hätten sich das immer gewünscht. Für die Boulevardzeitung ist das ein symbolischer Schritt, dass man weg will vom Schmuddel-Image.

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“Es ist vielleicht ein kleiner Schritt aus Sicht der Frauen. Aber es ist ein großer Schritt für Bild und alle Männer in Deutschland”, heißt es in dem Artikel, der die Verbannung der Nackten von der Titelseite begleitet. Hinter der Veränderung dürften auch handfeste wirtschaftliche Interessen stecken. Die Bild-Zeitung ist zwar immer noch der wichtigste Gewinnbringer der Axel Springer AG, aber ein reiner Selbstläufer ist sie nicht mehr. Die Auflage sinkt beständig. Wenn das Blatt langfristig bestehen will, muss es sich wandeln.

Dazu gehört offenbar, dass man sich müht, das Schmuddel-Image vergangener Tage abzustreifen. Die Bild gibt sich nicht mehr ganz so beißend aggressiv wie früher. Das Boulevard-Schlachtross ist plötzlich zum Frauenversteher mutiert. Man will auch so ein bisschen intellektuell sein, bürgerlich und ernst genommen werden. Dazu gehören auch Geschichten wie die Enthüllungen über den Privatkredit von Ex-Bundespräsident Christian Wulff. Für die Story wurde die Bild sogar für den Henri-Nannen-Preis nominiert. Allein die Nominierung ist schon eine kleine Sensation. Das Schmuddelkind wird damit salonfähig.

Die Hoch-Zeiten der Nackten auf Seite 1 sind ohnehin vorbei. Lange ist es her, dass die heutige Ehefrau von Bild-Chef Kai Diekmann, Katja Kessler, die Brüste auf der Seite Eins mit Gaga-Miniaturen betextete, bei der sich die Republik beömmelte. Mittlerweile ist die Barbusige zu einer Art Werbefläche für kostenpflichtige Erotik-Inhalte im Internet verkommen.

Nur Bild-Briefeonkel Franz Josef Wagner windet dem Bild-Girl noch textliche Kränze hinterher: “Wäre ich ein Gärtner, würde ich sagen, Du warst mein Forsythien-Strauch.”  Dass FJW die Verbannung der Nackten für “verrückt” hält, ist wahrscheinlich das sicherste Zeichen, dass es eine gute Idee ist.

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