Stern.de startet Social Reader für Facebook

Publishing Als erste deutsche Medienmarke hat das Nachrichtenportal Stern.de einen Social Reader für Facebook gebastelt. Die Anwendung ist ab sofort freigeschaltet. Große Medienmarken wie das Wall Street Journal und der britische Guardian haben bereits solche Apps für das weltweit größte soziale Netzwerk entwickelt. Im Gespräch mit MEEDIA erklärt Christian Hasselbring, der Geschäftsführer von Stern.de, was die Anwendung bringen soll - den Nutzern und dem Stern.

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"Wir setzen uns ja schon seit langem intensiv mit der Entwicklung sozialer Netzwerke auseinander", sagt Hasselbring über die Crew von Stern.de, die von Chefredakteur Frank Thomsen geleitet wird. Auf dem Konto stehen beispielsweise etwas über 61.000 Freunde auf Facebook und 115.000 Follower über Twitter. Nun soll der Social Reader (hier geht es zu der Seite) auf Facebook die Präsenz der Hamburger Illustrierten im Netz beflügeln. Themen sollen auf der Facebook-Seite so "zugespitzt" werden, dass ein Dialog mit den Lesern entsteht. 

Installiert ein Nutzer eine solche Anwendung, sieht er bei Aufruf der Unterseite ein für Facebook ausgewähltes und speziell gestaltetes Nachrichtenangebot. Liest er dann darüber einen Artikel – Facebook wird dazu nicht verlassen – werden seine Netzwerk-Freunde darüber informiert. Die Einstellungen, wer aus dem Freundeskreis die Lektüre-Empfehlungen bekommt, können verändert werden. Eine Konsequenz des Social Reader: Der "Like"-Button wird damit überflüssig.

Ein Artikel im Social Reader von Stern.de 

"Von einer Social Reader App auf Facebook versprechen wir uns, etwas über unsere User und iher Verhalten auf Facebook zu erfahren, wie wir es auf der Website so nicht erfahren können. Unsere wichtigste Frage lautet: Was wollen die Menschen da von uns?" Intensiv habe man sich mit der Guardian-Crew ausgetauscht: "Die Learnings der Kollegen: Die technische Umsetzung macht manchmal Probleme, weil Facebook sich selbst ständig verändert." Die Nutzerzahlen beim Guardian seien "deutlich" gestiegen. Außerdem habe sich die Interaktion der Guardian-Redakteure mit ihren Lesern beschleunigt. Eine "Linkschleuder" sei ein Social Reader nicht.

Und wie steht´s mit Facebooks Datenschutz-Bestimmungen, die aus deutscher Sicht noch den ein oder anderen Wunsch offenlassen? Hasselbring: "Unbehagen wie gegenüber der Abhängigkeit von Facebook gibt es natürlich immer, wenn sich Strukturen verändern." Dieses Unbehagen gälte es "in einen selbstbewussten und kritischen Umgang mit Facebook" zu übersetzen. Aber: "Der gelingt nicht, wenn man vor der geschlossenen Tür stehenbleibt." 
Immerhin hat ja auch der Stern etwas von der App, außer möglichst vielen neuen dialogwütigen Nutzern. Der App-Betreiber erhält wie Facebook Zugriff auf zahlreiche Daten seiner Nutzer. Dazu sagt Hasselbring, man verwende vier "Grundinformationen" der Nutzer – nach Einwilligung. Die User-ID, um gelesene Artikel abspeichern zu können. Name und Profilbild des Nutzers – um Freunden anzuzeigen, dass ein Nutzer einen bestimmten Artikel gelesen hat. Und die Liste der Freunde, um umgekehrt zu zeigen, welche Artikel von den Freunden des Nutzers gelesen wurden. Nicht abgespeichert würden Informationen über Alter, Ort und andere Netzwerke. 

Interessant sind solche Apps für Medienmarken fraglos, denn sie bauen ihre Präsenz dort auf, wo viele Nutzer sich täglich bewegen. Die Mechanik des vernetzten Lesens, dass also Freunde über die Lektüre eines Nutzers informiert werden, ist in der Theorie bestechend. Zudem lassen sich über die App weitere Werbeplätze vermarkten.

Ob die Anwendungen dann aber tatsächlich dazu führen, dass Nutzer über ihre Freunde auf Artikel aufmerksam werden, die sie sonst nicht gelesen hätten, wird wohl jeder Nutzer für sich ausprobieren müssen. Bisher erfüllt Twitter diesen Zweck ganz gut – die Anwendung hat für Medienmarken nur den Nachteil, dass sie dort keine eigene Präsenz haben. Wie auch immer: Der Webseite Stern.de, die im Moment laut Agof auf 5,72 Millionen Unique User im Monat kommt, kann ein wenig Rückenwind durch den Social Reader sicherlich nicht schaden. Stern.de hatte bereits einmal die Nase technologisch weit vorn – die iPhone-App des Nachrichtenportals war lange vor vielen anderen ähnlichen Anwendungen in Apples App Store verfügbar.

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