‚Scherbenhaufen‘: Ermittler im Porzellanladen

Fernsehen Am Sonntag packen die Stuttgarter Kommissarre Thorsten Lannert alias Richy Müller und Felix Klare als Sebastian Bootz ihren zehnten gemeinsamen Fall aus unterschiedlichen Perspektiven an. In “Tatort: Scherbenhaufen” beleuchtet das Ermittlerduo einen Mordfall, der in Zusammenhang mit einem Machtkampf einer alteingesessenen Stuttgarter Porzellanfirma stehen soll. Der SWR-Krimi startet spannend und endet im Kugelhagel. Allerdings ist der Rest austauschbar und langweilig.

Werbeanzeige

Der Fall scheint klar: Unternehmer Otto Imberg entgeht nur knapp einem Anschlag, sein Chauffeur wird von einer Kugel tödlich getroffen. Alles sieht nach einem internen Machtkampf der Söhne aus, die den Vater aus dem Geschäft drängen wollen – falls nötig auch mit tödlichem Ende. Wäre da nicht der desillusionierte Produktionsleiter, der den Umstrukturierungen im Unternehmen zum Opfer fiel.

Grund genug für die Stuttgarter Kommissare, zweigleisig zu ermitteln. Prompt schleust sich Bootz als Chauffeur und Bodyguard des undurchsichtigen Partriarchen Imberger ein, der sein Unternehmen vor der Pleite bewahren will. Was viel Potenzial für einen spannenden “Tatort” birgt, verkommt allerdings recht schnell zur Provinzposse. Plump wie ein Elefant in Porzellanladen ermittelt sich Richy Müller durchs Ländle, während sein Partner mehr mit seiner eigenen Frau zu kämpfen hat als mit der schiesswütigen Stuttgarter Unternehmerfamilie.

Mit all den Intrigen innerhalb der Imbergschen Porzellandynastie gleicht “Scherbenhaufen” eher einem Rosamunde-Pilcher-Roman als einem "Tatort". Ein wenig mehr Spannung hätte man dem Drehbuchautoren-Duo Eva und Volker Zahn (“Soko Leipzig”, “Bella Block”, “Ein starkes Team”) schon abverlangen können.

Auch die schönen Landschaftsaufnahmen und das durchaus charmante Schwäbeln der Charaktere können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Regisseur Johannes Grieser mit seinem zweiten “Tatort” aus Stuttgart Häppchenkost, aber keinen Krimi-Leckerbissen gelungen ist: ein wenig Heimatfilm, ein bisschen Krimi, ein Hauch Undercover und eine Prise familiäre Intrigen.

So endet der Stuttgarter “Tatort” wie er beginnt: spannend und im Kugelhagel. Es hätte ein guter “Tatort” sein können. Und das bleibt er auch: Wenn Sie die ersten fünf Minuten verfolgen und gegen 21.30 Uhr wieder einschalten.

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige