Drastischer Werbeeinbruch bei US-Zeitungen

Publishing Der Abgesang ist oft genug geschrieben worden: Das gedruckte Wort wird sterben, der Siegeszug der digitalen Medien ist nicht aufzuhalten. Der Prozess erscheint so schleichend wie absehbar. Wie dramatisch fortgeschritten der Paradigmenwechsel inzwischen jedoch längst ist, untermauern die jüngsten Daten der Werbeerlöse, die der US-Zeitungsverband Newspaper Association of America vorlegte. Die Anzeigenumsätze sind auf einem 60-Jahrestief gefallen – zwei Drittel der Buchungen gingen seit 2000 verloren.

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Im Grunde ist alles wie früher: Auf dem Weg zur Arbeit steht auch im frühesten Morgengrauen der Zeitungsverkäufer am Bahnhof, der die druckfrische Tageszeitung anbietet – alles wie gehabt. Doch das Bild aus trauten Zeiten täuscht darüber hinweg, wie dramatisch der Paradigmenwechsel zwischen Print und den digitalen Medien binnen eines Jahrzehnts vorangeschritten ist.
Wie der US-Zeitungsverband Newspaper Association of America mitteilte, lagen die durch Anzeigen in US-Zeitungen erzielten Erlöse 2011 nach Schätzungen bei nur noch 20,7 Milliarden Dollar. Wirklich erschreckend erscheint diese Summe im Vergleich zur jüngeren Vergangenheit. Anfang des neuen Jahrtausends erlösten amerikanische Zeitungen nämlich noch mehr als drei Dreifache durch Werbung – nämlich mehr als 64 Milliarden Dollar! 
Ein Niedergang ohnegleichen: In 11 Jahren Wachstum von 60 Jahren pulverisiert
Noch schockierender aber ist die Beschleunigung des Niedergangs in den vergangenen Jahren: 2007 noch betrugen die Anzeigenerlöse 46Milliarden Dollar  – und damit mehr als das Doppelte! 
Die Finanzkrise (2008/09) und das Aufkommen neuer digitaler Medien (iPad ab 2010) haben der Printbranche einen so drastischen Schlag versetzt, dass die Werbe-Umsätze binnen nur elf Jahren auf ein 60-Jahrestief gefallen sind. Tatsächlich: 1951 wurde zuletzt weniger Geld durch Printanzeigen in amerikanischen Zeitungen erlöst (19,5 Milliarden Dollar), wie US-Professor Mark J. Perry herausgearbeitet hat
Kreative Zerstörung 2.0: Onlinewerbung kann Printeinbruch nicht auffangen
Besorgniserregend: Die Print-Verluste wurden jedoch keinesfalls von den neuen Werbeformen in den digitalen Medien ausgeglichen. Die Umsätze durch Onlinewerbung hinzugerechnet, kämen US-Medien 2011 auch nur auf Erlöse in Höhe von 22,6 Milliarden Dollar. 
In anderen Worten: Internet-Werbung ist für US-Medienbranche zwar auch längst ein Milliardengeschäft – im Vergleich zum wegbrechenden Printgeschäft werden im Web indes in diesen Tagen doch nur die viel zitierten "lousy pennies" erlöst.  "Ökonomische  Lektion", folgert Professor Perry: "Ein weiteres Beispiel für Schumpeters Wirbelwinde kreativer Zerstörung".

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