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Google+ – eine „virtuelle Geisterstadt“

Es sah zunächst so gut aus: Mit einem regelrechten Traumstart ging Google+ vor inzwischen acht Monaten an den Start – Vorstandschef Larry Page war mächtig stolz auf den Facebook-Herausforderer. Doch seitdem hat sich das Momentum verlangsamt. Das Wall Street Journal rechnet ab: Google+ sei zur virtuellen Geisterstadt verkommen, prangert das Murdoch-Blatt an. Neuste Nutzungszahlen scheinen die These zu untermauern: Es tut sich einfach zu wenig auf Google+.

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Drei Minuten sind schlicht zu wenig. Das nämlich ist die ganze Verweildauer, die ein Nutzer auf Google+ verbringt, hat das US-Marktforschungsunternehmen comScore ermittelt – und zwar drei ganze Minuten im Monat, wie das Wall Street Journal berichtet. Für ein Social Network, das wenige Tage nach seinem Launch im vergangenen Sommer noch zum Facebook-Rivalen hochgejazzt wurde, erscheint das als ein ziemliches Armutszeugnis – 90 Millionen registrierte Nutzer hin oder her.
Vor allem im Vergleich zu anderen Social Networks fällt Google+ damit dramatisch ab: Sogar MySpace-User verbringen mit acht Minuten im Monat 250 Prozent länger in der Community. Gegenüber den Platzhirschen der Social Media-Szene erscheint Google+ sogar wie ein Winzling: 90 Minuten werden beim Blog-Dienst Tumblr verbracht – mehr als sieben Stunden sogar bei der unangefochtenen Nummer eins der digitalen Dampfplauderei: Facebook. 
Pinterest läuft Google+ schon den Rang ab
Den Grund für die Google+-Abstinenz sehen Branchenkenner auch in der Art und Weise, wie der wertvollste Internetkonzern der Welt sein Angebot positioniert: "Google hat den Mehrwert des Angebots bislang schlecht kommuniziert", erklärt der Social Media-Experte Brian Solis und ergänzt: "Niemand braucht im Moment ein weiteres soziales Netzwerk."
Es sei denn, es kommt mit einem ganz anderen Ansatz daher – wie zuletzt Pinterest. Der aktuelle Internet-Überflieger scheint Google+ nach dem jüngsten Hype bereits hinter sich gelassen zu haben. So saugte die digitale Pinnwand Ende Dezember bereits 2,5 Prozent des Referral Traffics auf, wie der Marktforscher Shareaholic ermittelt hat – Google+ kam mit 0,24 Prozent nur auf ein Zehntel davon.

Intel: "Nutzer-Aktivität bei Google+nicht so groß, wie wir es uns erhofft haben"
Der wertvollste Internetkonzern der Welt selbst wollte keine Angaben zur Nutzung machen, ließ aber durchblicken, dass er mit den comScore-Daten so nicht übereinstimmt. Die Erhebung des Marktforschers sei "dramatisch niedriger" als die eigenen Daten, erklärte eine Google-Sprecherin gegenüber dem WSJ. Bradley Horowitz, Vizepräsident des Produktmanagements, erklärte zudem, Google+ wachse nach jeder Messung, "die uns wichtig ist".
Doch Vorbehalte bleiben. Und das auch aus der Industrie: So erklärte etwa der weltgrößte Chiphersteller Intel, dessen Google+-Brandpage bislang mehr als 360.000 Plusser angezogen hat, die Aktivität sei "nicht so groß wie wir es erhofft haben".

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Ein ähnliches Echo kommt vom Social Games-Anbieter Zynga, dessen Online-Spiele auch bei Google+ zu finden sind. "Google+ ist eine schöne Plattform, aber das Userwachstum ist ziemlich langsam", hieß es seitens Zyngas. Es ist etwas einsamer geworden um Googles Social Network.

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