Bezahlmodelle: Symbole statt Kohle

Publishing Anfang der Woche verkündete der Braunschweiger Zeitungsverlag, noch in diesem Jahr werde man Nutzer der Website zur Kasse bitten (MEEDIA berichtete). "Viele Verlage sind aktuell dabei, ihre Content-Strategie über alle Plattformen neu zu planen", sagt Holger Kansky, Multimedia-Referent beim BDZV. Sieben Zeitungsangebote haben laut Kansky bereits die Umstellung gewagt, darunter die Eßlinger Zeitung. Die Bilanz in Schwaben fällt positiv aus – auch wenn kaum Geld übrig bleibt.

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"Zusätzliche Umsätze sind nicht das Hauptziel unserer Aktivitäten", sagt Nicole Rabus, die Online-Projektleiterin der Eßlinger Zeitung. Das Ziel sei vielmehr, "bisher anonyme User für unser Marketing adressierbar machen". Rabus fügt an: "Wir sind überzeugt, dass wir Nutzer so mittelfristig an unsere Marke binden und sich daraus neue Geschäftsmodelle entwickeln." Rund 7.000 Nutzer hätten sich seit Mitte vergangenen Jahres registriert, etwa ein Drittel davon sind Abonnenten der gedruckten Zeitung, die eine verkaufte Auflage von 43.539 Exemplaren hat. Diese Abonnenten bekommen für 26,70 Euro im Monat das komplette Paket – inklusive Nutzung des E-Papers, der stationären und der mobilen Website und der App. 

Ein reines Online-Abo kostet 7,90 Euro im Monat, in Kombination mit einem E-Paper-Zugang werden 18 Euro fällig. Einzelartikel werden mit 30 Cent berechnet, Nutzer können Guthaben für Einzelabrufe kaufen. Einem Großteil der registrierten Nutzer, die kein Druck-Abo besitzen, genügt es derweil offenbar, die kostenfreien Inhalte zu nutzen, u.a. den Polizeireport oder Kurznachrichten. Das Signal an die Leser, die Kernkompetenz nicht zu verschenken, wie es Rabus formuliert, sei dem Verlag Bechtle die Umstellung wert gewesen. Es zählt gewissermaßen die Symbolik, nicht die Kohle. Noch. 

Die Mehrheit der lokalen Nachrichten auf der Website der Eßlinger Zeitung sind kostenpflichtig. Berichte zu Stuttgart21 waren und sind hingegen in der Regel gratis, weil sie auch außerhalb des Verbreitungsgebietes auf großes Interesse stoßen. News zum VfB Stuttgart sind ebenfalls offen lesbar – weil hier die Konkurrenz in der Berichterstattung groß ist. Nach der Umstellung sei die Reichweite bei Visits und Page Impressions um etwa 10 bis 20 Prozent gefallen, sagt Rabus. Gerechnet habe der Verlag mit 30 Prozent. Entscheidend sei "die Mischung aus offenen und geschlossenen Inhalten". Kritik an der Bezahlstrategie habe es kaum gegeben, sagt Rabus: "Vielmehr haben uns viele Abonnenten gelobt. Denn die hatten ja bis dahin indirekt die kostenlose Webseite mit finanziert."

Neben der Eßlinger Zeitung gibt es laut Holger Kansky vom BDZV sechs weitere Zeitungstitel, die bereits Geld von ihren Nutzern nehmen: Hamburger Abendblatt und Berliner Morgenpost (beide Axel Springer AG), Nürtinger Zeitung, Böhme-Zeitung, Kreiszeitung Böblinger Bote und das Darmstädter Echo. Die Mehrheit der Titel setzt ihre lokalen Inhalte hinter eine Schranke. Das Echo in Darmstadt hat ein Metered Model eingeführt, das auch in Braunschweig favorisiert wird. Ab einer festgelegten Zahl von Artikel-Abrufen muss der Nutzer für die weitere Nutzung zahlen. Dieses Modell wendet u.a. die New York Times an, laut eigener Aussage offenbar mit Erfolg. Das Verlagshaus Madsack (u.a. Hannoversche Allgemeine, Leipziger Volkszeitung) hat die Einführung eines Bezahlmodells für ihre Titel für März avisiert.

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