Journalist nach Mohammed-Tweets inhaftiert

Publishing Dem saudi-arabischen Blogger und Journalisten Hamza Kashgari wird vorgeworfen, den Propheten Mohammed via Twitter beleidigt zu haben. In einer Facebook-Gruppe fordern deshalb mehr als 26.000 Mitglieder öffentlich Bestrafung und Vergeltung für sein Handeln. Mittlerweile sitzt der 23-Jährige wegen des Verdachts auf Blasphemie im Gefängnis - im schlimmsten Fall droht im die Todesstrafe. Denn der "Abfall vom Islam" gilt in dem streng gläubigen Königreich als Todessünde. Erste Proteste formieren sich im Web.

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Wegen drei islamkritischer Tweets am 4. Februar, die sich um den Propheten Mohammed drehen, fordern Tausende öffentlich in der Facebook-Gruppe "Das saudische Volk fordert die Exekution von Hamza Kashgari" die Todesstrafe für Kashgari. Der Blogger und Journalist hatte kurz vor dem Maulid an-Nabi, einem islamischen Feiertag zu Ehren des Geburtstags Mohammeds drei Kurznachrichten abgesetzt, in denen er sich mit dem Propheten gleichstellte und zugab nicht für ihn zu beten.

Außerdem schrieb Kashgari: "An deinem Geburtstag werde ich mich nicht vor dir verbeugen und nicht deine Hand küssen". "Stattdessen werde ich sie schütteln, wie Gleichgesinnte es tun." Es gebe bestimmte Aspekte am Propheten, die der Blogger an ihm hasse, und andere, die er an ihm liebe und die ihn inspirieren, übersetzte die amerikanische Nachrichtenseite The Daily Beast.
Sich mit dem Propheten gleichzustellen oder nicht mehr für ihn beten zu wollen, wird im Königreich Saudi-Arabien jedoch als "Abfall vom Islam" gewertet. Damit ist es das schlimmste Verbrechen, das ein Mensch überhaupt begehen kann und wird mit der Todesstrafe geahndet.
Eine Welle voller Empörung und Hass folgte auf Kashgaris Tweets. Mehr als 30.000 User antworteten seinen Äußerungen innerhalb kürzester Zeit. Viele warfen dem 23-Jährigen Blasphemie vor und forderten seinen Tod. Daraufhin löschte der Beschuldigte seine Tweets, entschuldigte sich für die Aussagen und floh nach Malaysia. Doch auf Drängen religiöser Führer des Landes wurde ein Haftbefehl gegen Kashgari erlassen.
Am 9. Februar wurde er am Flughafen der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur festgenommen und nach Saudi-Arabien abgeschoben. Bei seiner Ankunft in Riad nahmen die Behörden ihn in Gewahrsam.
Kashgari galt schon länger als kritischer Journalist und war einer, "der die politischen Umbrüche in der arabischen Welt auch in Saudi-Arabien für denkbar hielt", will "ZDF heute" in Erfahrung gebracht haben. Kashgari hatte bei der saudi-arabischen Tageszeitung al-Bilad unter anderem als Kolumnist gearbeitet. Weil manche seiner Ansichten jedoch nicht die Ausrichtung der Zeitung widerspiegelten, wurde er entlassen.

Mittlerweile gibt es eine deutsch- und eine englischsprachige Facebook-Gruppe, die sich für die Freilassung und Unversehrtheit Kashgaris einsetzt. Die englische Gruppe "Save Hamza Kashgari" hat rund 8000 Anhänger und fordert seine Anhänger auf, eine Online-Petition für den Saudi zu unterzeichnen. Bislang haben über 22.000 Aktivisten diese Petition unterschrieben, meldet thepetitionsite.com.
Die deutsche Facebook-Page "AnonOP: Gegen die Hinrichtung von Kamza Kashgari" hat etwas mehr als 1.700 Mitglieder und beschreibt sich selbst so: "Für was treten wir ein? Wir treten ein für die uneingeschränkten und unveräußerlichen Menschenrechte, die in der Charta der Vereinten Nationen verbrieft sind. Wir treten daher aus unserer tiefen Überzeugung ein für das Leben und das Recht auf freie Meinungsäußerung eines Journalisten, der aufgrund seiner Äußerungen inhaftiert ist und dem dafür möglicherweise sogar die Todesstrafe droht. Alle freiheitsliebenden Menschen, alle die Menschenrechte achtenden Regierungen, Institutionen und Organisationen sind hiermit aufgerufen, sich für das Leben und die Unversehrtheit von Hamza Kashgari einzusetzen!" Für den kommenden Freitag ruft die Gruppe zu einer Kundgebung in Berlin vor der saudi-arabischen Botschaft auf.

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