„Wulff hat es selbst vermasselt“

Publishing Für die Süddeutsche.de ist es der „Fall eines längst Gefallenen“ und nach Meinung von Spiegel Online hat es Christian Wulff „selbst vermasselt“: Bei der Bewertung des Rücktritts des Bundespräsidenten sind fast alle Kommentatoren einig. Zur Medienkritik des scheidenden Politikers notiert Berthold Kohler für FAZ.net: „Bemerkenswerterweise kannten oft gerade jene, die der Presse den Verlust aller Maßstäbe vorwarfen, selbst kein Maß mehr bei ihrer Kritik.“

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Thorsten Denkler, Süddeutsche.de
"Wäre er (Wulff) ‚immer aufrichtig’ gewesen, er hätte von Anfang an gesagt, dass er einen Privatkredit der Unternehmer-Familie Geerkens angenommen hat. Dass er auf Kosten reicher Freunde Urlaub gemacht hat, sich Hotelrechnungen und Flüge bezahlen ließ. Dass er Bild-Chef Diekmann gedrängt hat, seine Berichterstattung zurückzuziehen.“ Weiter heißt es: „Jetzt ist klar: Wulff hätte nie Präsident werden dürfen. Wer genauer hingeschaut hätte, der hätte das sehen können. Wer sich mit umstrittenen Leuten umgibt wie dem Finanzjongleur Carsten Maschmeyer, der kann vieles werden. Bundespräsident eher nicht."
Berthold Kohler, faz.net
"Wulffs Glaubwürdigkeit war am Schluss so beschädigt, seine Möglichkeiten zur Einwirkung auf den Diskurs in Politik und Gesellschaft so zusammengeschrumpft, dass er trotz gegenteiliger Absichtsbekundungen nur noch zurücktreten konnte. Über Johannes Rau hatte Wulff einst gesagt, er, Wulff, „leide physisch darunter, dass wir keinen unbefangenen Bundespräsidenten haben“. Das muss ihm jetzt wieder so gegangen sein."
Roland Nelles, Spiegel Online
"Wulff hat es selbst vermasselt. Es bleibt das Bild eines Gernegroß, der zu klein war für das Amt, dem letztlich seine Mittelmäßigkeit zum Verhängnis wurde. Es ist unerheblich, ob er "stets rechtlich korrekt" gehandelt hat, wie er selbst sagt. Sein Versagen liegt in der Art, wie er mit der endlosen Reihe an kleinen und großen Vorwürfen umgegangen ist.“
Ludwig Greven, Zeit Online
"Die Tragik des Christian Wulff ist aber auch, dass in seinem Unvermögen, als Bundespräsident Vorbild zu sein, offenbar wird, wie über die Maßen dieses Amt inzwischen mit Erwartungen aufgeladen ist. Womöglich müssen wir uns von dem Gedanken lösen, dass ein Staatsoberhaupt heute noch geistig und moralisch führen sollte. Allerdings: Aufrechter und integrer als der bisherige Bundespräsident sollte sein Nachfolger schon sein. Das zumindest."
Ulrike Herrmann, taz
"Die Deutschen tolerieren keine Korruption mehr. Dies ist die eigentliche Nachricht der Affäre Wulff. Sozial war der Bundespräsident längst erledigt, bevor die Justiz jetzt eingriff. Die Deutschen konnten nicht verzeihen, dass Wulff seine Ämter missbraucht hatte, um sich als Schnäppchenjäger zu betätigen."
Hanno Terbuyken, Evangelisch.de
"Die Rücktrittserklärung von Christian Wulff war eine Unverschämtheit. Wie schon im Fernsehinterview mit ARD und ZDF, in dem sich Wulff gegen alle Vorwürfe verteidigen wollte, hat der Ex-Bundespräsident keine Reue und kein Bewusstsein für seine Verfehlungen erkennen lassen. Zwar kam die obligatorische Floskel, er habe "Fehler gemacht", aber zugleich blaffte Wulff im Schloss Bellevue ins Mikrofon: "Ich habe mich in meinen Ämtern immer rechtlich korrekt verhalten."
Christian Bommarius, Frankfurter Rundschau
"Christian Wulff war der Bundespräsident der Kanzlerin – doch er war der falsche Mann für dieses Amt. Nicht sein Versagen ist ihr Problem, sondern die Tatsache, dass Merkel nun bereits den dritten Präsidenten ihrer Amtszeit aufzubieten hat."

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