„Der teuerste Satz aller Zeiten“

Publishing Die Familie des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch darf auf viel Geld hoffen. Denn nach Informationen des Manager-Magazins hat sich die Deutsche Bank auf einen Vergleich in Höhe von 800 Millionen Euro geeinigt. Der Geldsegen würde vor allem den Kirch-Erben zugute kommen. In den Kommentaren ist sich die Presse einig: Nach zehn Jahren vor deutschen Gerichten geht die Aussage von Ex-Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer als der teuerste Satz aller Zeiten in die Geschichte ein.

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Bernd Salzmann, Frankfurter Rundschau: Deutschlands größtes Geldhaus will sich nun wieder ausschließlich aufs Geschäft konzentrieren. Der Kirch-Vergleich ist aber nur ein − wenngleich wichtiger − Schritt dahin. (…) Ruhe scheint in der schwierigen personellen Übergangsphase von Ackermann auf seine Nachfolger Anshu Jain und Jürgen Fitschen in der Deutschen Bank das oberste Gebot zu sein.

Sebastian Jost, Welt: Vor einer schallenden Niederlage steht dagegen sein Vorgänger Rolf Breuer. Mit dem Vergleich würde amtlich, dass seine öffentlichen Zweifel an Kirchs Bonität die teuersten Worte waren, die je ein Banker von sich gegeben hat. Wenn der Satz, wie die Deutsche Bank stets versichert, versehentlich fiel, so war das der wohl desaströseste Fehltritt der Managementgeschichte. Einem Bankchef, der gut dafür bezahlt wird, viel Verantwortung zu tragen, darf ein solcher Lapsus nicht passieren.

Hans-Jürgen Jakobs, Sueddeutsche.de
: Ein Vergleich nutzt vor allem Kirchs Erben. Sein langjähriger Vize Dieter Hahn mag sich ausrechnen, wie er mit dem vielen Geld in die aktuellen Verhandlungen um TV-Rechte der Fußball-Bundesliga einsteigt, doch noch gibt es viele andere, die sich für die Millionen der generösen Bank interessieren – der bayerische Staat etwa, der Steuernachzahlungen erwartet, sowie die vielen Kirch-Gläubiger, darunter Hollywood-Studios und einige deutsche Banken. Sie alle bekommen noch viel Geld. Sie alle werden Ackermann danken.

Carsten Knop, Faz.net
: Nun kommt es ganz offensichtlich zu einem Vergleich. Die Münchner Justiz ist auf einen Schlag viele lästige Rechtsfälle los, und die Lehrlinge der Deutschen Bank wissen, was passieren kann, wenn man zu viel über Kunden redet.

Axel Höpner, Handelsblatt: So ist nur zu bedauern, dass  die Einigung nicht früher gelang. Die verbissen geführte Auseinandersetzung war ein Beschäftigungsprogramm für Juristen. Und sie wurde mit teils zweifelhaften Methoden ausgetragen: Die Nadelstich-Taktik der Kirch-Seite auf den Hauptversammlungen der Deutschen Bank ist nur ein Beispiel dafür.

Ein wenig schade ist, dass Leo Kirch die Genugtuung nicht mehr erleben durfte. Doch auch seine Erben und die Gläubiger der zusammengebrochenen Mediengruppe werden sich über den Geldsegen freuen.

Georg Winters, Rheinische Post: Die Börse hat die Nachricht von der offensichtlichen Einigung gestern kalt gelassen. Die Aktie der Deutschen Bank legte bis gestern Nachmittag fast ein Prozent zu. "Alles schon eingepreist", lautete die Weisheit der Börsianer.

Bernd Wittkowski, Börsen-Zeitung
: Ein Vergleich in der Größenordnung von 800 Mill. Euro mit den Erben des Medienunternehmers ist offenbar konkret im Gespräch. Doch sollte sich niemand zu früh freuen: Noch ist nichts in trockenen Tüchern, und sollte noch etwas dazwischenkommen, wäre es in der vor zehn Jahren und zehn Tagen mit einem Interview des Ackermann-Vorgängers Rolf Breuer losgetretenen Auseinandersetzung nicht der erste gescheiterte Vergleichsversuch.

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