Dr. Döpfner und die letzte Diva

Publishing Wenn ihn ein Thema besonders packt, dann wird der Vorstandschef der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, wieder zum Journalisten. So verfasste der studierte Musikwissenschaftler Döpfner in der Welt u.a. einen Nachruf auf den verstorbenen Medienzar Leo Kirch und jetzt einen auf Whitney Houston - von einem Piratendorf aus. Auch andere Zeitungen ließen zum Tod der Sängerin ihre Groß-Kritiker antreten. Das Urteil fällt einhellig aus - bei Whitney Houston ist sich die Feuilleton Elite einig wie selten.

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Die letzte Diva” war der Nachruf auf Whitney Houston bei Zeit Online von Kai Müller und Jörg Wunder überschrieben. “Die letzte Diva” lautete auch der Titel des Nachrufs von Edo Reents bei FAZ.Net. Mehr Gleichklang geht nicht. Zu Whitney Houston kann man eigentlich nur einer Meinung sein: Sie war als Sängerin einzigartig und stilbildend. Und ihr Leben war tragisch.

In der Süddeutschen Zeitung verfassten Andrian Kreye und Jörg Häntzschel den Nachruf. Statt von der “letzten Diva” schreiben sie von der “Diva mit der berührenden Stimme”. Und die gedruckte FAZ bietet ihren wortgewaltigen Pop-Kritiker Dietmar Dath auf, der den sprachlich anspruchsvollsten Nachruf-Text fabrizierte. Zitat: „Auf jeweils zwei, drei Gute-Laune-Partybrüller der Gangart „How Will I know“ oder „I Wanna Dance with Somebody (Who Loves Me)“ folgten, man konnte die Uhr danach stellen, elegisch-weitausholende, nicht selten bis kurz vor dem Zerbersten zu Pathostrümmerhaufen angespannte Arien wie „The Greatest Love of All“ oder die kinoleinwandbreite, mit Flutlicht angestrahlte und im Schlusscrescendo jeden Einspruch unter sich begrabende Eis-Skulptur „I Will Always Love You“„.

Und dann natürlich der mittlerweile ins Management gewechselte, promovierte Musikjournalist Mathias Döpfner, der die Diva ein bisschen überspannt zur “Callas des Soul” verklärt, dafür aber den originellsten Einstieg in einen Whitney-Houston-Nachruf zu bieten hat: „Ich sitze im Hafencafé von Mangaratiba, einem ehemaligen Piratendorf in Südbrasilien. Es regnet. Dahinten, in einer Kapelle singen Kinder ein brasilianisches Lied auf die Melodie von "O Tannenbaum". Auf dem Handy lese ich, dass Whitney Houston tot ist.”  Passende Überschrift: "Im Café von Mangaratiba". Eine Szene, die man sofort bildlich vor Augen hat: Mathias Döpfner, wahrscheinlich im aus feinem Leinen maßgeschneiderten Tropen-Anzug, wie er schnell noch den Whitney-Houston-Nachruf in sein iPhone tippt.

Dass etwas Besonderes an dieser Sängerin gewesen sein muss, merkt man nicht zuletzt daran, wie sich die Top-Feuilletonisten förmlich drängeln, etwas zu ihrem Tod schreiben zu dürfen. Nicht wenige Zeitungen drucken mehrere Texte zum Tod der Whitney Houston oder bemühen gleich zwei namhafte Autoren für den Nachruf. Whitney Houston war einer der wenigen Stars, die sich ins Gedächtnis einer Generation eingebrannt haben. Die Schreiber die heute an verantwortlicher Stelle bei Tageszeitungen und Magazinen sitzen, sind mit “How will I know” großgeworden, saßen bei ihrem Olympia-Song „One Moment in Time“ vor dem Fernseher und haben bei “Bodyguard” im Kino gehockt. Die Stimme der Whitney Houston hat etwas an sich, dass sogar die Berufszyniker unter den Medienmenschen ganz weich werden. Bis heute.

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