Nachrichten aus dem Wulff-Universum

Publishing Berichte über immer neue angebliche Mini-Skandale aus dem Umfeld des Bundespräsidenten Christian Wulff sind zu einer neuen Stilform des Journalismus geworden. Es ist mittlerweile eine Art Sport, welches Medium die nächste Wulff-Sauerei ausgräbt. Stern, Spiegel und Bild übertrumpfen sich mit immer neuen Details aus dem Vorleben des Bundespräsidenten. Jüngster Fall: Die Bild gräbt einen dilettantischen Vertuschungsversuch aus. Mal wieder geht es um einen Urlaub.

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Der Name Wulff steht in den Medien mittlerweile für eine eigene Kategorie von Affäre: Immer geht es um vergleichsweise kleine Verfehlungen, nicht unbedingt illegal aber stets mit Geschmäckle. Und jedes Mal fragt man sich, wie jemand so blöd sein kann/konnte wegen solcher Kleinigkeiten seinen guten Ruf zu verspielen. Der aktuelle Fall, den mal wieder die Bild ausgebuddelt hat (zuletzt waren Stern und Spiegel dran) ist erneut typisch Wulff: Da hat der frühere niedersächsische Ministerpräsident in dem Sylter Hotel Stadt Hamburg genächtigt. Bezahlt (oder in Wulff-Anwalt-Sprech: „verauslagt“) hat alles der Filmfonds-Manager David Groenewold, der in der Vergangenheit auch schon mal dadurch aufgefallen war, dass er Geld für ein freundliches Wulff-Buch gegeben hatte.

Der Übernachtungspreis in der “Suite” des “Luxushotels”: 258 Euro inklusive Frühstück. Und später wies Wulff-Gönner Groenewold das Hotelpersonal an, nichts über die Finanzierung des Wulff-Aufenthalts zu verraten. Später tauchte er laut Bild sogar persönlich auf, um alle Quittungen einzusammeln. Voilà alle Zutaten einer typischen Wulff-Affäre sind beisammen:

1. reicher Freund

2. Urlaub oder Party

3. vergleichsweise mickrige Summe

4. stümperhafte Vertuschungsversuche

5. dilettantisches Krisenmanagement

Zu Punkt 5.: Wulffs Anwalt hat gegenüber der Bild tatsächlich behauptet, Wulff habe das Geld für die Hotelübernachtung 2008 auf dem Oktoberfest (!) in München in bar (!) beglichen. Praktisch, denn da gibt es ja keine Belege. Wie darf man sich das vorstellen: Zwischen Zwei Maß und einem Hendl blättert Christian Wulff seinem reichen Freund ein paar Geldscheine auf den Biertisch? Oder hatte er das Geld vielleicht in einer Plastiktüte dabei? Die Grenze zum unfreiwillig Komischen ist bei diesen Präsidenten-Kabinettstückchen längst überschritten.

Vor diesem jüngsten Bericht gab es mannigfaltige weitere Nachrichten aus dem Wulff-Universum. Der Stern enthüllte unter dem hübschen Schlagwort “Schnulligate”, dass der mittlerweile bundesweit bekannte Party-Organisator Manfred Schmidt eine Feier zu Wulffs Präsidentenwahl schmiss. Die Frankfurter Rundschau/Berliner Zeitung berichtete, dass Wulffs Frau Bettina angeblich einen Audi zu Sonderkonditionen zur Verfügung gestellt bekam (was dementiert wurde). Gleich danach berichtete der Spiegel, dass Wulff einen Skoda-Geländewagen zu Sonderkonditionen leaste. Die tschechische Billigmarke Skoda passt natürlich auch viel besser zum restlichen Klein-Affären-Schema.

Und die Verstrickungen von Wulffs engem Vertrauten und langjährigen Pressesprecher Olaf Glaesecker mit Manfred “Schnulli” Schmidt haben sich für die Medien einen lukrativen Neben-Schauplatz eröffnet. Es scheint so, würde uns der Strom an immer neuen Mini-Affären aus dem Wulff-Kosmos das ganze Jahr hindurch begleiten. Als feste Rubrik bei Stern, Spiegel und Bild sowie bei der „Harald Schmidt Show“.

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