Fall Wulff: Recherche-Vorwürfe gegen Bild

Publishing Film-Finanzier David Groenewold wehrt sich: Bild hatte berichtet, dass der Freund des Bundespräsidenten versucht habe, Belege über einen gemeinsamen Sylt-Urlaub mit Wulff zu vertuschen. In einer Pressemitteilung kündigte der Anwalt von Groenewold, Christian-Oliver Moser, an, gegen die Bild juristisch vorgehen. Er will die „üblichen presserechtlichen Ansprüche wie Gegendarstellung und Unterlassung“ geltend machen, sich aber auch beim Presserat über die Recherchemethoden der Bild beschweren.

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Konkret hatte die Bild berichtet, dass Wulff und der Film-Finanzier vom 31. Oktober bis 3. November 2007 auf Sylt im Hotel Stadt Hamburg gemeinsam Urlaub gemacht haben sollen. In der Bild-Story, die unter anderem aus der Feder von Reporter Martin Heidemanns stimmt, heißt es: „Nach Bild-Recherchen hatte David Groenewold seinen und Wulffs Sylt-Aufenthalt beim VIP-Service von Airtours gebucht und vor Reiseantritt mit seiner Platinum-Kreditkarte von American Express bezahlt. Jetzt steht der Wulff-Freund im Verdacht, diesen Vorgang vier Jahre später vertuschen zu wollen.“

Als Beweise präsentiert die Zeitung mehrere Notizen des Hotels. In einer heißt es beispielsweise: „Hr. David Groenewold hat gestern angerufen, wir sollen keinerlei Infos über ihn rausgeben! Er war 2007 mit Hr. Wulff im HSH und hat den gesamten Aufenthalt übernommen. Falls also Bild oder Spiegel anruft, wir wissen von nichts!“
Zudem schreiben die Berliner, dass Groenewold am Morgen des 20. Januar Mitarbeiter des Hotels aufgefordert haben soll, ihm relevante Rechnungen und Belege aus dem gemeinsamen Kurzurlaub mit dem Ehepaar Wulff aus dem Jahr 2007 auszuhändigen.

Der Anwalt des Film-Finanziers argumentiert nun, dass das Hotel in einer schriftlichen Stellungnahme bestätigt hätte, dass dieser zu keinem Zeitpunkt darum gebeten hatte, die Unterlagen zum Aufenthalt im Oktober 2007 zu "vernichten oder zu manipulieren". Der entscheidende Satz lautet: „Dieses Schreiben lag dem für die Berichterstattung mitverantwortlichen Bild-Journalisten Martin Heidemanns zur Kenntnis vor."
Allerdings: Die schriftliche Erklärung, mit denen die Anwälte Groenewold die Darstellung der Bild widerlegen wollen, ist im Kern kein Dementi der fraglichen Passage im Artikel. Schließlich bestreitet das Hotel, Unterlagen "vernichtet oder zu manipuliert" zu haben, die Bild hatte von "aushändigen" berichtet. Springer will sich zu den Vorwürfen nicht äußern, weil es sich um schwebendes juristisches Verfahren handelt.

Nach Meinung von Moser entbehre damit der durch das Boulevard-Blatt vermittelte Verdacht, „dass unser Mandant versucht habe, Unterlagen bezüglich eines gemeinsamen Sylt-Aufenthaltes mit Familie Wulff verschwinden zu lassen oder Informationen hierüber zu vertuschen, jeder Grundlage“. Der Jurist hält den Vorwurf der Vertuschung deshalb für „konstruiert“.

Gegenüber MEEDIA präzisiert der Moser seine Argumentation noch einmal. "Tatsächlich hat sich mein Mandant in Sylt Kopien seiner Unterlagen aushändigen lassen, um mit ihrer Hilfe die damaligen Presseanfragen noch genauer beantworten zu können.“ Das heißt: Nach Darstellung von Moser, ließ sich Gronewold nur deshalb Kopien seiner Rechnungen "aushändigen", um die Presseanfragen besser beantworten zu können. Das würde die Vertuschungs-Theorie tatsächlich auf den Kopf stellen. Gestützt wird diese Theorie von der schriftlichen Stellungnahme des Hotels, die MEEDIA vorliegt. 
Neben der Medien-Hintergrund-Geschichte behalten die Bild-Recherchen weiterhin auch immense politische Brisanz. Denn in der Story geht es vor allem wieder um einen Hotelaufenthalt, der wieder von Filmfondsmanager David Groenewold erst einmal bezahlt wurde und dem Wulff wiederum beim Auschecken erst dessen Unkosten in Bar erstattet haben will. Eine Folge der Bild-Story ist, dass inzwischen die Staatsanwaltschaft Hannover die Vorgänge prüft.

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