The Daily – bittersüße Bilanz zum Geburtstag

Publishing Vor rund einem Jahr gab News Corp. Chef Rupert Murdoch den Startschuss zur ersten iPad-only Zeitschrift The Daily. Das Projekt war und ist ambitioniert: 30 Mio. Dollar Start-Investition, rund 150 Mitarbeiter und sehr ungewisse Aussichten, Nach einem Jahr hat The Daily rund 100.000 Abonnenten gesammelt und ist eine der umsatzstärksten Apps in den USA. Trotzdem ist The Daily auch nach einem Jahr noch immer eine gewagte Wette auf die Zukunft des Medien-Business.

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Laut New York Times hat The Daily mittlerweile rund 100.000 Abonnenten. Zahlende Abonnenten wohlgemerkt, denn Rupert Murdoch wollte mit dem Projekt auch ein Gegenmodell zur Kostenlos-Kultur des Internet etablieren. The Daily ist Paid Content – aber billiger Paid Content. Ein Wochenabo des täglich erscheinenden Magazins kostet gerade mal 99 Cent. Oder man greift zum Abo für schmale 39,99 Dollar pro Jahr. Nach Untersuchungen hat The Daily mittlerweile rund 250.000 Leser pro Monat. Innerhalb von fünf Jahren soll der Break even erreicht sein, also der Zeitpunkt, an dem The Daily erstmals operativ Gewinne macht.

Das wäre im Vergleich zu einer neu gestarteten, klassischen Print-Zeitschrift gar nicht mal schlecht. im Jahr 2011 war The Daily im us-amerikanischen App-Store die App, die den dritthöchsten Umsatz erwirtschaftet hat – hinter Angry Birds und Smurf’s Village. Das eine ist das weltweit wohl am meisten verbreitete Casual Game, bei dem mit Vögeln auf Schweine geschossen wird. Das andere ist eine Art Schlumpf-Variante von FarmVille. So sehen heute die Konkurrenten von Medien aus.

The Daily hat die anfänglichen technischen Probleme mittlerweile weitgehend im Griff. Die umfangreichen Ausgaben laden schnell und zuverlässig. Man kann während des Ladens bereits in dem Magazin lesen. Da sind viele Medien-Konkurrenten technisch weitaus schlechter aufgestellt. Interessanterweise sind es gar nicht die jungen, hippen Großstädter, die The Daily abonnieren.

Viele Abonnenten kommen aus Florida, Texas, Michigan, Nashville oder Denver, sagte The-Daily-Chefredakteur Jesse Angelo der New York Times. Die Mehrheit der Abonnenten von The Daily sind zwischen 35 und 50 Jahre alt, 54 Prozent haben Kinder und 89 Prozent sind Haus- oder Wohnungseigentümer mit einem Haushaltseinkommen über 118.000 Dollar. Die Zielgruppe der ersten iPad-Zeitschrift sitzt offenbar nicht in einem schicken Loft in New York oder Silicon Valley, sondern im spießigen Eigenheim in der Provinz.

Die Gretchenfrage für den Erfolg von The Daily wird sein, ob die Leser- und Abonnentenbasis stabil ist und weiter steigt. Laut dem Marktforschungsunternehmen eMarketer hatten 2011 rund 28 Millionen US-Amerikaner Zugriff auf ein iPad. Bis 2014 soll diese Zahl auf 60,8 Millionen anwachsen. NewsCorp. hat außerdem angekündigt, dass The Daily noch im ersten Quartal 2012 auch für Tablets mit Android-Betriebssystem erhältlich sein wird. Eine Version für Smartphones befindet sich ebenfalls in den Startlöchern.

The Daily ist also nicht die alles überragende Erfolgsstory auf dem iPad geworden, die sich manche aus der Verlags- und Medienbranche zum Start vielleicht erhofft hatten. Aber The Daily ist auch alles andere als ein Rohrkrepierer. Das Digital-Magazin findet langsam immer mehr Leser, hat ein tragfähiges Geschäftsmodell (Werbung wird schon heute fleißig gebucht) und kann darauf zählen, dass immer mehr Menschen erreicht werden können, weil die Verbreitung an Tablets und Smartphones immer weiter steigt.

Das sind nicht die schlechtesten Zukunftsaussichten. Dass man sich den mühsam erarbeiteten Ruhm mit bunten Vögel, grünen Schweinen und den Schlümpfen teilen muss, daran werden sich die Medienmacher freilich dauerhaft gewöhnen müssen.

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