Wegen Thommy hängt der Haussegen schief

Publishing Die zweite Woche mit "Gottschalk Live" geht zu Ende und die Gottschalk-Guckerei sorgt im Medienfuzzi-Haushalt für schief hängenden Haussegen. Gottschalk selbst nutzt die Bild, um sich für seine Sendung zu rechtfertigen. Die IVW will jetzt auch E-Paper bei der verkauften Auflage dazuzählen - wenn‘s die Statistik ein bisschen hübscher macht. Das Hamburger Abendblatt hat sich einen singenden Blattkritiker ins Haus geholt, und das Medienhaus Burda hat eine mysteriöse Pressemitteilung verschickt.

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Das wirklich, wirklich beunruhigende Zeichen, dass mit “Gottschalk Live” etwas ganz und gar nicht stimmt, ist die Reaktion der Familie. Meine Mutter mag es nicht schauen (zu viel Gelaber, zu wenig Eisbär-Baby) und Frau und Kind nölen auch schon rum, wenn sie ins Wohnzimmer kommen und – rein beruflich! – “Gottschalk Live” läuft. “Mach das aus!” “Schon wieder!” “Muss das sein?” Das sind dann so die Kommentare. Dass die Show derzeit Mist ist, weiß Gottschalk vermutlich selbst am besten. Aber was tut er dagegen? Er schreibt die Bild-Zeitung voll! Mittlerweile ist schon der dritte Artikel aus der Feder Gottschalks erschienen, in dem er sich für seine Sendung rechtfertigt. Mit seinen Wortbeiträgen in der Bild erkauft er sich zumindest von dieser Seite ein bisschen Frieden. Er quatscht nicht nur seine Gäste zu, sondern auch die Bild. Dass Gottschalk in dem Bild-Text herumfabuliert, wenn ihn der ZDF-Programmdirektor denn nach der miesen Quote angerufen hätte, ober sich das mit "Wetten dass..?" nochmal überlegen wolle, dann hätte ihn das womöglich wackeln lassen. Aber er habe ja nicht angerufen und und er, Gottschalk, habe nicht gewackelt und sei jetzt wieder auf dem Boden der Tatsachen usw. Da machten diverse Onlinemedien dann gleich fleißig Überschriften, die suggerierten, dass Gottschalk ernsthaft daran denke, wieder "Wetten dass..?" zu übernehmen. Muss das sein? War denn sonst so wenig los, liebe Kollegen?

Die Auflagen-Kontrolleure von der IVW haben beschlossen, das E-Paper aufzuwerten. Künftig dürfen E-Paper-Ausgaben in die verkaufte Auflage eingerechnet werden (es wird aber ausgewiesen, wieviel von der Auflage auf E-Paper entfällt). Den Verlagen dürfte es gelegen kommen, dass man die im Sinkflug befindlichen Print-Auflagen nun mit ein bisschen Digital-Kosmetik aufhübschen kann. Dann sehen die Minuszahlen nicht mehr gar so garstig aus. Das ändert freilich nichts daran, dass das so genannte E-Paper eigentlich ein Quatsch-Format ist. Die originalgetreue Darstellung der Print-Seiten auf einem Bildschirm ist nicht optimal. Besser wäre es, man bereitet die Inhalte intelligent fürs Web auf und/oder hat eine ordentliche App. Aber das hilft halt nicht der Auflagen-Statistik.

Stefan Gwildis – der singende Abendblattkritiker
Das Hamburger Abendblatt hat die singende Blattkritik als neues Mittel des internen Qualitätsmanagements entdeckt. Der Hamburger Barde Stefan Gwildis durfte im Newsroom der Zeitung eine Blattkritik trällern. Mit dem Reimen hatte er es dann aber nicht so:  "Mit der Heimat im Herzen, da wünsch ich mir mehr, noch mehr in die Stadtteile. Als Mittler zwischen den Welten." Aha. Mehr Stadtteil-Berichterstattung wünscht sich also, der singende Blattkritiker Gwildis. Das Abendblatt selbst schreibt zu dem Happening: “Ein Redaktionskonzert? Nachrichten und Soul? Warum auch nicht!” Andererseits könnte man aber auch fragen: Warum?

Aus dem Hause Burda erreichte uns in dieser Woche eine mysteriöse Pressemitteilung. “Wachstum durch intermediale Angebote”, stand drüber. Und Burda-Vorstand Philipp Welte wurde wurde mit folgenden Worten zitiert: "Wir fassen die Kompetenz unserer Verlage in der technologieneutralen  Produktion von journalistischen Inhalten unter einem gemeinsamen Dach zusammen, um das Potenzial dieser Märkte effektiver ausschöpfen zu können.” Die spontane Reaktion: Hä? Die Gründung des neuen Dach-Dingsbums Burda Intermedia Publishing ist übrigens Bestandteil des Verlagsprogramms S.P.E.E.D. Ein irres Akronym: “P” für “Performance” – yeah! “E” für Excellence – hui! “E” für Efficiency – aah! Und “D” für, klar, Diversification – cool! Und wollen Sie jetzt wirklich noch wissen, für was das “S” in S.P.E.E.D. steht? Na? Es steht für – Tusch, Applaus – “Speed”. W.O.W!

Schönes Wochenende!

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