Warum die Deister-Leine-Zeitung stirbt

Publishing Vor 14 Monaten erst feierte sie noch ihr 125-jähriges Bestehen, nun ist Schluss mit Party: Am 29. Februar stellt die Deister-Leine-Zeitung (DLZ) aus Barsinghausen ihr Erscheinen ein. Stetig sinkende Auflagen und zurückgehende Anzeigeneinnahmen hätten die Schließung notwendig gemacht, sagte Helena Tölcke, Geschäftsführerin des herausgebenden Verlags Philipp August Weinaug. "Die DLZ hat sich einfach nicht mehr gerechnet." Die verkaufte Auflage betrug zuletzt 4504 Exemplare.

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Dem Blatt geht es wie vielen: Auch die kleine Barsinghauser Lokalzeitung wollen immer weniger Menschen lesen. Vor zehn Jahren wurden noch 6200 Exemplare verkauft, seither ist die Auflage um mehr als 27 Prozent eingebrochen. Der Druck auf die Auflage entstehe weniger durch die Hannoversche Allgemeinen Zeitung, den wichtigsten Konkurrenten, sondern durch die kostenlosen Wochenblätter, von denen es im Bereich der DLZ gleich zwei gäbe, so Tölcke. Die lokale Zeitung werde zudem immer weniger gebraucht. "Früher wurden die Abos vererbt, heute werden die Abos abbestellt."

Das Zeitunglesen scheint mittlerweile so sexy wie eine Gebissreinigung. Denn die Lektüre spricht in ganz Deutschland vor allem ältere Menschen an. Von den 14- bis 19-Jährigen werden heute nur noch 31 Prozent mit Lokalzeitungen erreicht. Vor zehn Jahren war es noch knapp jeder zweite. Ihre jüngsten Leser seien inzwischen 50 Jahre alt, sagt DLZ-Geschäftsführerin, junge Leser fehlten. An dieser Überalterung könnten auch Aktionen wie "Zeitung in der Schule" nichts ändern, mit denen Lesernachwuchs angefixt werden soll. "Das bringt alles nichts."

Junge Leute nutzten online- und andere neue Medien, so die Managerin. Zeitungen gehörten nicht dazu. Da ist es offenbar auch egal, wenn die Inhalte in modernem Gewand angeboten werden. Ganze 17 E-Papers der Deister-Leine-Zeitung werden derzeit verkauft, ein nennenswerter Beitrag zum Überleben ist das nicht.

Auch der Anzeigenmarkt sei immer schwieriger geworden, beschreibt Tölcke das Dilemma der Lokalzeitungen. Selbst in kleineren Städten wie in Barsinghausen gebe es immer weniger selbstständige Geschäftsinhaber, die noch in einer Zeitung inserieren könnten. Die Ladenketten, die sich stattdessen überall ausbreiteten, würden aber einen Bogen um diese Form der Printwerbung machen. Aber auch große Lebensmittelketten wie Aldi oder Lidl würden nicht mehr inserieren. Statt in Zeitungsanzeigen fließen deren Werbegelder bundesweit mehr und mehr in Postwurfsendungen, Handzettel oder in Smartphone-Apps.

So geht es mit den Zeitungen insgesamt drastisch bergab. Die Zeitungsverkäufe sind bundesweit rückläufig. Wurden im Jahr 2000 noch 16,6 Millionen Lokal- und Regionalblätter verkauft, waren es zehn Jahre später mit 13,8 Millionen 20 Prozent weniger, so der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger.

Für die DLZ habe es vor diesem Hintergrund eine zu schlechte Zukunftsprognose gegeben, um das Blatt weiterführen zu können. Doch die Verlagsgeschäftsführerin sieht nicht nur für die eigene Zeitung, sondern für ihre ganze Branche keine Zukunft. "Das Modell der kleinen Heimatzeitung hat sich überlebt", sagt sie. Und bestätigt damit die Wirtschaftsberatungsgesellschaft A.T. Kearney. Die erwartet, dass bis zum Jahr 2025 etwa jeder vierte Zeitungsverleger vom Markt verschwinden wird. Die Analysten sehen ein "Newspaper Endgame" voraus.

Bei der Deister-Leine-Zeitung sind von der Schließung 15 fest angestellte Beschäftigte betroffen, darunter vier Journalisten. Die Mitarbeiter sollen andere Aufgaben in der Verlagsgruppe bekommen. Die DLZ gehört zur Deister- und Weserzeitung Verlagsgesellschaft ("Deister- und Weserzeitung", Hameln), die auch die "Schaumburger Zeitung" aus Rinteln und die "Schaumburg-Lippische Landes-Zeitung" aus Bückeburg verlegt. Für die vier hauptberuflichen freien Mitarbeiter der Redaktion sei die "berufliche Zukunft ungewiss".

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