Börsengang: Warum Facebook zu teuer ist

Mark Zuckerberg hat es getan: Die Zulassung für einen Gang an die Wall Street wurde gestern beantragt. Mit im 200 Seiten starken Dokument dabei: Die offizielle Geschäftsbilanz für die vergangenen Jahre, über die seit Jahren spekuliert wurde. Und sie hält gleich einen Dämpfer für zeichnungswillige Anleger bereit: Facebooks Unternehmensbilanz 2011 fällt nämlich schwächer aus als erwartet. Das weltgrößte Social Network verdiente "nur" eine Milliarde Dollar, strebt aber dennoch eine Maximalbewertung von 100 Milliarden an.

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Mark Zuckerberg hat es getan: Die Zulassung für einen Gang an die Wall Street wurde gestern beantragt. Mit im 200 Seiten starken Dokument dabei: Die offizielle Geschäftsbilanz für die vergangenen Jahre, über die seit Jahren spekuliert wurde. Und sie hält gleich einen Dämpfer für zeichnungswillige Anleger bereit: Facebooks Unternehmensbilanz 2011 fällt nämlich schwächer aus als erwartet. Das weltgrößte Social Network verdiente "nur" eine Milliarde Dollar, strebt aber dennoch eine Maximalbewertung von 100 Milliarden an. 

Es kam wie erwartet: Facebook reichte gestern wie erwartet seinen Antrag auf Listing an der New Yorker Börse ein. Bis zu 100 Milliarden Dollar könnte Facebook wert sein, fünf Milliarden will das Social Network erlösen. So weit, so absehbar.

Zumindest eine Überraschung hielt der 200 Seiten starke Zulassungsantrag dann aber doch bereit. Und die fand nach dem Komma statt: Gerade mal 1,002 Milliarden Dollar blieben im Geschäftsjahr 2011 bei Umsätzen von 3,71 Milliarden Dollar unterm Strich. Mit 27 Prozent ist das keinesfalls eine schlechte Gewinnmarge. Das Problem ist der Gewinn an sich. 

Facebook verdient im Jahr soviel wie  Apple pro Woche
Zumal es gerade mal ein paar Tage her ist, dass CNBC-Reporterin Julia Boorstin noch eine Summe von 1,5 Milliarden Dollar kursieren ließ. Vor rund einem halben Jahr wurden gar Jahresgewinne von zwei Milliarden gehandelt. Nun also 50 Prozent weniger. Im Vergleich zum Vorjahr kann das Social Network immer noch eine ordentliche Steigerung vorweisen. Aus 606 Millionen wurde eine Milliarde Dollar – ein Zuwachs von 66 Prozent.

Aber reichen 66 Prozent Gewinnwachstum, um die enorme Maximalbewertung von 100 Milliarden Dollar zu rechtfertigen? Ein Blick auf die an der Börse maßgebliche Kennzahl des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) wirft ernsthaft Fragen auf. Denn tatsächlich käme Facebook mit den Gewinnen aus dem vergangenen Jahr auf die happige Multiple eines KGVs von 100. Mit Ausnahme von Amazon, dessen KGV aufgrund der aktuell hohen Investitionen in die Höhe schießt, wird kein anderes Unternehmen auf der Welt in dieser Bewertungsregion zu solchen Premiumaufschlägen gehandelt.

Gewinnwachstum von 66 Prozent zu wenig für 100 Milliarden-Bewertung
Warum ist der Unterschied zwischen einer Milliarde und 1,5 Milliarden nun so gravierend? Weil er Facebook mit einem KGV 100 in Dimensionen vorstoßen lässt, die an Börsen bei einer Neuemission kaum bezahlt werden – und zwar erst recht nicht bei einem schwächer als erwarteten Gewinnwachstum.

Bei einem Gewinn von 1,5 Milliarden Dollar wäre Facebook mit einem KGV zwischen 50 und 66 gehandelt worden, was bei einem Gewinnwachstum von dann über 150 Prozent vielleicht gerade noch in den Bereich der Schmerzgrenze gefallen wäre. Bei einer Milliarde Dollar fällt die Rechnung indes ganz anders aus: Warum ein KGV von 100 für nur 66 Prozent Gewinnwachstum bezahlen? Das dürfte fraglos zu viel sein.

Facebook verdient im Jahr soviel wie Apple pro Woche
Erst recht, wenn man Facebook mit anderen Schwergewichten der Internet- und Technologieszene vergleicht. Etwa mit dem wertvollsten Unternehmen der Welt, das zufällig aus derselben Branche kommt. Der Vergleich hinkt schwer: Facebook verdiente in einem Jahr, was Apple zuletzt in einer Woche verdiente. Trotzdem strebt Facebook eine Bewertung von knapp einem Viertel Apples an.

Gleiches gilt auch für den großen Internet-Rivalen Google, der aktuell mit knapp 190 Milliarden Dollar bewertet wird. Leistet Facebook aktuell denn aber auch fast halb soviel wie Google? Keineswegs: Mit 37,9 Milliarden Dollar erlöste der wertvollste Internetkonzern der Welt im Gesamtjahr 2011 mehr als das Zehnfache von Facebook – und verdiente mit knapp zehn Milliarden auch das Zehnfache von Facebook! Bei Apple war es gar das 26-Fache. Offenkundig wird: Bewertung und Geschäftsentwicklung von Facebook passen gegenwärtig (noch) nicht wirklich zusammen.
Extrem heiße Wette auf 2012
Nun wird an der Börse stets die Zukunft gehandelt. Das bedeutet, dass Investoren bei einem mutmaßlichen Listing im Mai nicht mehr nur auf die Jahresbilanz 2011 schauen, sondern auf das, was in diesem Jahr passiert. Analysten und Anleger versuchen also das erwartete KGV zu ermitteln.

Hier nun wird aber Facebooks Gewinndynamik zum Problem: Nach nur 66 Prozent Wachstum dürften sich die Gewinne 2012, im Jahr des Börsengangs, der durch Aufwendungen fürs Listing zusätzliche Kosten verschlingt, nicht unbedingt dynamischer entwickeln. Steigen Facebooks Gewinne etwa um 50 Prozent, würde das Geschäftsjahr 2012 eben bei jenen 1,5 Milliarden Dollar enden, die bereits für 2011 erwartet worden waren. Eine Diskussion über die Höhe eines KGVs von 60 und mehr erscheint da absehbar.

Treibt die Angebotsverknappung den Kurs?
Und PR in eigener Sache kann Facebook derzeit auch nicht betreiben. Mit dem Zulassungsantrag tritt das Internet-Unternehmen in die sogenannte "Quiet Period" ein, in der keine neue Nachrichten lanciert werden dürfen – also zunächst auch keine neuen Geschäftsergebnisse.

So strebt Facebook dann mit einer extrem sportlicher Bewertung an die Börse. Um die Nachfrage anzuheizen, hat sich das acht Jahre alte Internet-Unternehmen nun des Tricks der extremen Aktien-Verknappung bedient – nur fünf Prozent des Unternehmens könnten an die Börse gelangen. Solche Kunstgriffe treiben – wie bei LinkedIn zu beobachten – die Kurse in die Höhe. Die Erstnotiz also dürfte nicht Facebooks Problem sein. 
Die eigentlich spannende Phase beginnt, nachdem Facebook-Aktien den Handel aufgenommen haben. Eine Fortsetzung der exzeptionellen Erfolgsstory, die Facebook in den vergangenen acht Jahren im Internet gelungen ist, erscheint an der Börse nach der Veröffentlichung der Geschäftszahlen keinesfalls mehr garantiert.

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