Amazon-Bilanz: Der Preis der Expansion

Publishing Der Einsatz ist hoch: Um weiter kräftig zu wachsen und neue Märkte zu besetzen, tätigt der weltgrößte Online-Einzelhändler Amazon aggressive Investitionen - wie aktuell in das Tablet Kindle Fire. Wie hoch der Preis der Expansion tatsächlich ausfällt, wurde nach Handelsschluss bei Vorlage der Quartalsbilanz deutlich, die wieder einmal enttäuschte. Die Gewinne schmolzen um 58 Prozent zusammen, die Umsätze wuchsen nicht so stark wie erhofft. Börsianer strafen die Amazon-Aktie hart ab.

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Man muss sich Jeff Bezos nicht gerade als Anlegerfreund vorstellen. Seit Jahren zieht der frühere Investmentbanker seine aggressive Wette auf die Zukunft durch – und scheint sich dabei nicht mit der Gegenwart aufzuhalten. Die holt den Gründer des weltgrößten Online-Kaufhauses dann gern bei Veröffentlichung seiner Geschäftszahlen ein.

So auch nach Handelsschluss: Wie wegen hoher Investitionen erwartet, gingen die Gewinne im Weihnachtsquartal zurück. Nach 91 Cent je Aktie im Vorjahr verdiente Amazon nur noch 38 Cent je Anteilsschein. Das entsprach einem Nettogewinn von 177 Millionen Dollar. Vor einem Jahr waren es noch 416 Millionen Dollar.

Käuferzurückhaltung: Umsatzverfehlung wiegt schwer

Während der Gewinnrückgang im vorigen Quartal angedeutet worden war und keine wirklich Überraschung darstellt, verwundert die enttäuschende Umsatzentwicklung umso mehr. Der Internet-Pionier erlöste im Schlussquartal 2011 17,4 Milliarden Dollar, was einem Zuwachs von lediglich 35 Prozent entsprach. Der Durchschnitt der befragten Analysten hatte mit Erlösen von 18,3 Milliarden Dollar gerechnet.

Konzernchef Jeff Bezos führte als Erklärung für die schwächeren Absätze eine steigende Käuferzurückhaltung in den USA an. Besonders bei Videospielen fielen die Erlöse schwächer aus.

Kindle-Sparte mit Plus von 177 Prozent

Die Abverkäufe des E-Readers Kindle legten unterdessen im Dreimonatszeitraum zwischen Oktober und Dezember um 177 Prozent im gesamten Segment zu. Einzelverkäufe des iPad-Konkurrenten Kindle Fire wurden nicht einzeln ausgewiesen. Branchenexperten gehen davon aus, dass Amazon mit seinem Tablet im ersten Quartal der Einführung etwa 5 Dollar pro Gerät verliert.

Auch der Ausblick auf das laufende Quartal geriet zur Enttäuschung. So erwartet das nach Google zweitwertvollste Internet-Unternehmen im aktuellen Dreimonatszeitraum Erlöse zwischen 12 und 13,4 Milliarden – Analysten hatten aber durchschnittlich mit 13,4 Milliarden Dollar gerechnet. Das Konzernergebnis könnte ebenfalls enttäuschen: Amazon rechnet als Nettoergebnis mit einem Wert zwischen Minus 200 Millionen Dollar und Plus 100 Millionen Dollar.

Für Anleger war das zuviel: Amazon-Aktionäre straften die Papiere nach Handelsschluss schwer ab. Es fiel ein Minus von 17 Dollar oder 9 Prozent auf 177,50 Dollar an. 

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