Gottschalk: Der Journalist ehrenhalber

Publishing Der Entertainer Thomas Gottschalk in einem Raum mit rund hundert "Journalisten des Jahres" - geht das? Es geht. Am Montagabend verlieh das Medium Magazin in Berlin die Preise für die besten journalistischen Leistungen des vergangenen Jahres. Die 64-köpfige Jury hatte Gottschalk zum "Unterhaltungsjournalist des Jahres" gekürt. Der Moderator zeigte sich angetan: "Man kann einiges lernen bei euch", rief er den Kollegen zu. Als Journalist sieht sich Gottschalk dennoch nicht.

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"Ich will auch Menschen verändern", verglich Gottschalk seine Aufgabe als TV-Moderator mit der eines klassischen Journalisten. Der er nach eigener Aussage ja gar nicht sei. Aber einen miesepetrigen Menschen, der auf dem Sofa sitze und seine Sendung schaue, dann doch zum Lachen zu bringen, das gefalle ihm. Gottschalk kündigte an, er werde die Auszeichnung – eine gerahmte Urkunde – in seinem Fernsehstudio "Gottschalk Live" aufhängen. "Dort sieht sie eh keiner." Die Sendung läuft seit einer guten Woche im Vorabendprogramm der ARD. Nach einem erwartet zuschauerstarken Start sanken die Quoten deutlich. Die bisherigen Kritiken der Sendung schwanken zwischen Skepsis und Bestürzung.

Einblicke ganz anderer Art gewährten Vertreter der "Redaktion des Jahres" von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Rainer Hank, der Wirtschaftschef des Blattes, erinnerte sich an ein Gespräch mit seinem ehemaligen Chef Giovanni di Lorenzo, damals noch Chefredakteur beim Tagesspiegel. Das mit der FAS könne nicht klappen, habe di Lorenzo gemeint, das sehe auch Stefan Aust (ehemaliger Spiegel-Chef) so. Denn das Blatt habe ja keinen Chefredakteur, sondern nur Herausgeber. Hanks Kollege Claudius Seidl wollte gar "den Herrn preisen, den wir nicht haben – den Chefredakteur". Darum sei die Redaktion darauf angewiesen, miteinander zu sprechen.  

Die Guttenberg-Biografen Eckart Lohse und Markus Wehner von der FAS ("Journalisten des Jahres") übten sich in Selbstkritik – Politiker würden von den Medien allzu schnell charakterisiert und oft unverdient hochgeschrieben: "Das Gros der Porträts ist oberflächlich-positiv." Medienkritik übte die freie Journalistin Andrea Röpke ("Politikjournalistin des Jahres"). Artikel über die rechtsextreme Szene seien vor den Enthüllungen über die Zwickauer Zelle schwer zu verkaufen gewesen. Reportagen ohne Bildmaterial seien kaum vermittelbar. Die Frage laute stets: "Haben Sie den Hitlergruß auf Foto, haben Sie Waffen im Bild?"

Alle weiteren Preisträger stehen hier (MEEDIA-Meldung) und hier (Webseite Medium Magazin).

Hinweis: Der Autor war Jury-Mitglied der "Journalisten des Jahres"

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