„Gute Adaptionen besser als halbgare Ideen“

Fernsehen Die deutschen TV-Zuschauer lieben das Dschungelcamp. Dabei ist die Show eine englische Idee. MEEDIA hat vier TV-Experten, u.a. Borris Brandt von AIDA und Oliver Fuchs von Eyeworks gefragt, ob die einheimischen Sender nicht lieber kreativer sein sollten und mehr eigene neue Formate entwickeln müssten. Die Experten waren sich einig: auf den richtigen Mix kommt es an. Allerdings gilt auch: "Gut gemachte Adaptionen internationaler Erfolgsformate sind immer besser als halbgare Eigenideen oder gar schlechte Kopien."

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Frage: Seit dem 13. Januar 2012 läuft die sechste Staffel von ‚Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!‘ Die Dschungel-Show war ein englisches Erfolgsformat, bevor es das restliche Europa erreichte. Sind Sie der Meinung, deutsche TV-Sender sollten kreativer werden und mehr eigene neue Formate entwickeln, oder ist es der bessere und sichere Weg, quotengeprüfte internationale für den deutschen Markt zu adaptieren? Und wären Prominente aus der zweiten Reihe auch Erfolgsgaranten für andere und für welche Formate?"

Markus Küttner, Bereichsleiter Comedy & Real Life bei RTL. Er verantwortet u.a. auch „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“
"Es genügt nicht, ein internationales Erfolgsformat einfach zu adaptieren. Unsere Version von ‚Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!‘ unterscheidet sich sehr von ihren internationalen Vorbildern, und es steckt intensive redaktionelle Arbeit darin, sie auf den deutschen Markt abzustimmen, ihr ein eigenes Gesicht zu geben und sie von Staffel zu Staffel weiterzuentwickeln. Gleichwohl bringt ein internationales Format oft wertvolle Erfahrungswerte und logistisches Know How mit sich. Nicht umsonst ist das Dschungelcamp mit einem perfekt eingespielten Team und Sendungskonzept auch in der deutschen Version erfolgreich. ‚Die ultimative Chart Show‘ oder ‚Raus aus den Schulden‘ zeigen aber, dass auch Eigenentwicklungen sehr erfolgreich sein können."

Oliver Fuchs, CEO, Eyeworks Germany GmbH
"Es funktioniert beides, Adaption und Neuentwicklung, es gibt ja für beides Für und Wider. Kauft man ein Format von außen, bedeutet das Risikominimierung, man kann davon ausgehen, dass die Fehler bereits gemacht wurden, und gleichzeitig gibt es Benchmarks, an denen man die Prozesse, Erfolg und Misserfolg messen kann. Die Kennzahlen kann man ja abgleichen. Man darf dabei nicht außer Acht lassen, dass die Adaption auch ein kreativer Prozess ist, Formate wie "Das perfekte Dinner" oder "Rach,  der Restauranttester", die ja zuerst im Ausland gezeigt wurden, wurden erst durch die Adaption im deutschen Markt international erfolgreich.
Für Formatadaptionen ist der deutsche Markt international sehr wichtig, da wir hier ein vergleichsweise hohes Productions-Value haben, die Formate handwerklich höchstwertig sind und so als Vorlage für den internationalen Vertrieb dienen.
"Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" ist für sogenannte Prominente oft die letzte Möglichkeit, mit Fernsehen Geld zu verdienen. Viele haben Schulden. Was sie für die zwei Wochen Dschungel bekommen, ist ja eher überschaubar."


Axel Kühn, Geschäftsführer SHINE Germany Film- und Fernsehproduktion GmbH
"Das Thema Formatrechte treibt uns Produzenten und insbesondere die Produzentenallianz ja schon lange um. Auf jeden Fall wäre es überaus wünschenswert, wenn die deutschen Produzenten mehr eigenentwickelte Formate bei den Sendern platzieren könnten. Die damit verbundene Möglichkeit, einen Rechtestock aufzubauen, würde den Produzenten mehr finanzielle Sicherheit geben und damit die Möglichkeit, das Risiko neuer Entwicklungen zu tragen. Also für Produzenten wie Zuschauer definitiv ein Gewinn. Wichtige Schritte die hierzu aber noch nötig sind, sind die Schaffung der nötigen Rechtssicherheit, der angemessenen Entlohnung der kreativen Leistung sowie des Rechterückflusses.Eins ist aber auch klar: Ein paar B-Promis machen aus einem schwachen Konzept auch keinen Hit."

Borris Brandt, Managing Director / Geschäftsführer AIDA Entertainment GmbH
"Nein. Gut gemachte Adaptionen internationaler Erfolgsformate sind immer besser als halbgare Eigenideen oder gar schlechte Kopien. Das haben die Fernsehmacher in den letzten jahren glücklicherweise gelernt. Und in Deutschland schaltet kein Mensch wegen jemanden den Fernseher ein. Selbst ein Paket aus Ferres, Ferch, Berben etc. in einem sicheren Genre wie Romantic Comedy funktioniert nicht sicher. Promis, Namen – egal aus welcher Reihe – sind hier keine Quotenoder Erfolgsgaranten."

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