DLD12: Big Data und Big Business

Publishing EU-Kommissarin Viviane Reding hat bei Burdas Digitalkonferenz DLD eine Grundsatzrede über die Zukunft des Datenschutzes gehalten. Statt 27 einzelner Regelungen der EU-Staaten soll ein einziges Regelwerk gelten. Daten müssten zwischen Ländern fließen können, müssten aber auch sicher sein. "Big Data" ist ein Kernthema bei DLD, doch auch die kleinen Späße zwischendurch machen die Konferenz aus – die Schirmherren Hubert Burda und Yossi Vardi rieben sich die Nasen im Eskimo-Style.

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Redings Rede an die Denker und Lenker der Digitalbranche war recht unternehmerfreundlichund musste niemanden der Anwesenden wirklich zum Zittern bringen, dass funktionierende Geschäftsmodelle von der Politik zerstört werden. Zwar betonte die EU-Kommissarin, dass die Mehrheit der Bürger in Europa auf die Sicherheit ihrer Daten pocht. Aber Reding formulierte auch Sätze wie diesen: "Es ist notwendig, bestehende Grenzen aufzulösen, damit Gründer und Erfinder mit ihren Ideen vorwärts kommen." Schon in den kommenden Tagen soll ein entsprechendes Regelwerk mit einheitlichen Datenschutzbestimmungen verabschiedet werden.

Die Zersplitterung der unterschiedlichen Länderregelungen soll die Industrie im Jahr rund 2,3 Milliarden Euro kosten, sagte Reding, die seit 2005 regelmäßig die DLD-Konferenz besucht und die Unternehmer Burda und Vardi vertrauensvoll beim Vornaman ansprach. Für die Verbraucherseite sagte Reding, Konsumenten müssten jederzeit wissen, welche ihrer Daten verarbeitet würden. Es müsse auch ein "Recht des Vergessens" ("right to be forgotten") geben – falls Bürger darauf bestünden, müssten ihre Daten von Unternehmen gelöscht werden. Auch Ausnahmen sind freilich möglich, wenn eine begehrte Löschung dem Gedanken der Transparenz und der Meinungsfreiheit widerspricht. Inhalte von Zeitungsarchiven beispielsweise dürften natürlich nicht gelöscht werden.

Der Autor Andrew Keen polemisierte später, das Spektrum der Ansichten zum Datenschutz verlaufe zwischen Reding und Facebook. Die Politik hänge den tatsächlichen Entwicklungen der Internetindustrie immer hinterher. Die Gefahr liege darin, dass Menschen sich selber zu Produkten machten, indem sie freiwillig Informationen über sich hergäben. Keen (Buch "The Cult of the Amateur") plädierte dafür, die "radikale Transparenz in der Gesellschaft" zurückzudrängen. Dafür müssten die Menschen sich wieder etwas in ihre Privatheit zurückziehen. Dass sah der Chef des Business-Netzwerkes Xing, Stefan Groß-Selbeck, naturgemäß etwas anders. Die Nutzung von Daten biete mehr Chancen als Gefahren.

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