„Aggregierte Inhalte haben großen Wert“

Publishing Das US-Nachrichtenportal Huffington Post, 2005 von Arianna Huffington gegründet, ist auf Expansionskurs. Am 23. Januar wird ein französischer Ableger in Kooperation mit Le Monde online gehen, weitere Angebote starten in diesem Jahr in Italien (mit L´Espresso) und Spanien (mit El Pais). In Deutschland verhandelt die HuffPost-Frontfrau noch mit mindestens zwei Medienunternehmen über eine Kooperation. Gegenüber MEEDIA sagt Huffington, die Website könne für ihre Partner ein "Laboratorium" sein.

Werbeanzeige

Nach MEEDIA-Informationen wurden Gespräche u.a. mit dem Spiegel-Verlag geführt, aber relativ rasch noch vor Weihnachten wieder beendet. Offenbar sieht der Verlag keinen Vorteil darin, sich mit einer deutschen HuffPost einen möglichen Konkurrenten heranzuziehen. Für Verlage, dessen eigene Nachrichtenportale noch Nachholbedarf an Reichweite haben, könnte sich eine Kooperation vielleicht schon eher lohnen.

Es gibt aber auch Medienunternehmen, die eine Kooperation mit der HuffPost aus prinzipiellen Gründen ablehnen. Dazu zählt etwa die Axel Springer AG (u.a. Bild, Welt). Dort kritisiert man den "Aggregator" HuffPost, der Werbeerlöse mit der Arbeit von Journalisten anderer Angebote erziele.

Anfang vergangenen Jahres übernahm der Internet-Konzern AOL die Huffington Post für 315 Millionen Dollar und machte die Journalistin zur Chefin der Huffington Post Media Group, zu der u.a auch das Tech-Blog Engadget gehört. Arianna Huffington ist am 24. Januar Gast bei Burdas Digitalkonferenz DLD. MEEDIA hat vorab bei der Journalistin nachgefragt. Das Interview wurde über E-Mail geführt.

Warum sollte die HuffingtonPost das Zeug zu einer weltweiten Medienmarke haben?

Es liegt in der DNA der HuffPost, Debatten zu starten und Engagement zu zeigen. Dies ist in einer Welt, in der der Zugang zu und die Verbreitung von Informationen neu definiert wird, zunehmend wichtig. Wir haben zuletzt reichlich Beispiele für diese Entwicklung gesehen, nehmen Sie nur die Geschehnisse auf dem Tahrir-Platz. Das Modell, das der HuffPost in den USA zum Erfolg verholfen hat, erweist sich darum als international anwendbar. Das Bedürfnis, sich zu vernetzen, ist einfach grenzüberschreitend. Überall wollen Menschen eine aktivere Rolle in ihrer Lebenswelt übernehmen. Und da spielt es auch eine Rolle, wie sie künftig Nachrichten konsumieren wollen.

Ist der Erfolg der HuffPost in einem Land davon abhängig, wie stark die Medien in diesem Land sind, wie gut diese bisher die Informationsbedürfnisse der Menschen abdecken?
Wir starten die HuffPost in Ländern, die bereits starke und diversifizierte Medienlandschaften haben. Ein Beispiel: Wir haben die HuffPost in Großbritannien gestartet, als der Abhörskandal der NewsCorp. ein großes Thema war. Eine wesentliche Leistung von uns war, dass wir unsere Leser über die besten Stories informiert haben, die es zu diesem Thema gab, beispielsweise die großartige Berichterstattung im Guardian. Entscheidend für unseren Erfolg ist aber die Kombination von Aggregation von Inhalten, exklusiven Geschichten und einer sehr aktiven Community. In England erreichen wir im Monat etwa 3,5 Millionen Unique Views. Also: Mit den jeweils bestehenden Medienlandschaften wird der Erfolg unserer internationalen Ausgaben weniger zu tun haben, stattdessen mehr mit dem Appetit der Menschen auf eine Website, deren Macher verstanden haben, dass passiver Nachrichtenkonsum sich zu einer aktiven Teilhabe verschiebt – von der Couchkartoffel zur Selbstdarstellung.

Welche Rolle soll die HuffPost in den neuen Märkten spielen?
Dieselbe Rolle, die wir bereits 2005 definiert haben. Die Idee der Huffington Post war von Beginn an, die Debatten und Diskussionen, die an den Wasserspendern in der Firma oder am Esstisch geführt werden – über Politik, Kunst, Bücher, Essen, Sex – ins Internet zu bringen. Jeder sollte an ihnen teilhaben können. Wir wollten den Menschen zeigen, dass Nachrichten wechselseitig ausgetauscht werden können und sich auf diesem Wege Gemeinschaften bilden und vergrößern. Das ist in jedem Land, in dem wir starten, unser Ziel.

Das Geschäftsmodell der HuffPost hängt allein an Werbeerlösen. Wird das immer so bleiben?
Ja, unser Geschäftsmodell basiert allein auf Werbeerlösen, das stimmt.

Es gibt Medienunternehmen in Deutschland, die der HuffPost vorwerfen, einzig und allein Geschäfte mit den Inhalten anderer zu machen. Was entgegnen Sie diesen Kritikern?
Die Huffington Post Media Group hat eine Redaktion mit 320 Journalisten, die wir bezahlen. Mehr als 60 von denen schreiben originär recherchierte Geschichten, täglich. Ihre Arbeit wird auch von anderen Medien aufgegriffen und zitiert. Noch bevor die HuffPost mit AOL fusionierte, hatten wir 148 Vollzeitredakteure, Autoren und Reporter, die seriöses, klassisches Journalistenhandwerk betrieben. Der Punkt ist aber: Selbst wenn ich ein unbegrenztes Budget hätte, um unendlich viele originäre Geschichten zu produzieren, würde ich immer noch andere Inhalte aggregieren. Denn es gibt ja großartige Geschichten überall. Unser Ziel ist es, unseren Lesern den Zugang zu den besten Inhalten zu verschaffen. Und es ist doch tatsächlich so, dass es keine großen Medien mehr gibt, die nicht in dieser oder jener Form aggregierte Inhalte anbieten. Die bieten sie aus demselben Grund an wie wir auch: für den Leser haben diese Angebote einen großen Wert.

Welches deutsche Medienuntermehmen wäre denn ein guter Partner für eine deutsche Ausgabe?

Ein guter Partner ist eine Medienmarke, die im deutschen Markt etabliert ist und der Leser vertrauen. Wir fänden es gut, wenn unser künftiger Partner eine deutsche Huffington Post als eine Art Laboratorium begreifen würde. In dem können sie experimentieren und gute Ideen und Innovationen nachher auch auf ihren eigenen Seiten umsetzen. 

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige