WAZ: Der Verkauf ist erst der Anfang

Publishing Zum 85. Geburtstag von WAZ-Patriarch Günther Grotkamp haben sich der Verlagsmanager und seine Frau Petra ein Geschenk gemacht: Am Freitag, den 20. Januar, wird die WAZ-Gesellschafterin aller Voraussicht nach die Unterschrift unter einen lange ausgehandelten Kaufvertrag setzen, der ihnen weitere 50 Prozent am Medienkonzern sichert. Doch das ist erst der eigentliche Startschuss zu einer nötigen Umstrukturierung der WAZ-Gruppe. Gerettet hat den Deal Martin Brost, der Sohn des WAZ-Mitgründers Erich Brost.

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Nachdem Peter Heinemann, der Testamentsvollstrecker des Familienstammes Brost, grünes Licht für den Verkauf an die Gesellschafterin Petra Grotkamp gegeben hatte, begannen die Verhandlungen mit Banken. Nun steht offenbar fest, dass neben erheblichen eigenen Reserven der Grotkamps in Höhe von 270 Millionen Euro von Banken rund 170 Millionen Euro beigesteuert werden. Einen Kredit über 60 Millionen Euro gewährt Martin Brost, der Sohn des WAZ-Mitgründers Erich Brost (diese Zahlen nennt das Manager Magazin). Brost ließ sich bereits 1978 auszahlen und ward fortan nicht mehr in der Essener Zentrale gesehen. Macht zusammen die hübsche Summe von einer halben Milliarde Euro für die Hälfte an einem der größten Zeitungskonzerne Deutschlands und Europas.

Hätte Brost sich nicht zu diesem Schritt durchgerungen, hätten die Banken mehr zuschießen müssen. Offensichtlich wäre eine Variante denkbar gewesen, dass die bisherigen Anteile von Frau Grotkamp an der WAZ-Gruppe als Sicherheit bei den Banken hinterlegt werden. Dazu hätte die Vinkulierung der Anteile (bedeutet, dass ein Verkauf nur mit Zustimmung aller Gesellschafter möglich ist) aufgehoben werden müssen. Doch dazu war nach Informationen von MEEDIA die Familie Schubries als Mitgesellschafterin der Funke-Seite nicht bereit. Dem Vernehmen nach ist im Kaufvertrag eine Besserungsklausel enthalten. Die sorgt dafür, dass die Brost-Erben im Falle eines Weiterverkaufs ihrer Anteil durch Frau Grotkamp zusätzlich Geld bekommen – wenn unterm Strich ein Mehrpreis erzielt wird.

Der Verkauf ist aber eigentlich erst der Startschuss zur überfälligen Neuordnung der WAZ-Gruppe. Seit Jahren werden von Gesellschaftern Reformen vorgeschlagen, zum Beispiel die Umfirmierung der Gruppe in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien. Bisher sperrte sich vor allem die Familie Grotkamp gegen Reformen der Unternehmensstruktur. Lange Zeit wollte sie sogar innerhalb der Funke Familiengesellschaft darauf pochen, dass Entscheidungen nur mit Zustimmung aller drei Gesellschafter im Stamm getroffen werden können. Doch jetzt ändern sich die Machtverhältnisse – und damit die Strategien.

Zwar hält Frau Grotkamp nun mathematisch gesehen die absolute Mehrheit mit etwa 67 Prozent am Konzern. Durch die Teilung in zwei Stämme, die jeweils 50 Prozent besitzen, die sich ihrerseits bei Entscheidungen verständigen müssen, wird es etwas komplizierter. Denn innerhalb des Funke-Stamms besitzt Frau Grotkamp weiterhin nicht die Mehrheit. Die Mitgesellschafter Schubries und Holthoff haben ebenfalls ein erhebliches Wort bei Entscheidungen mitzureden. Sie könnten theoretisch wichtige Entscheidungen mit ihren beiden Gegenstimmen verhindern oder blockieren. Beide Familien gehören aber eher zu den Reformkräften im Konzern.

Die großen Fragen, die nun anstehen, lauten: Welche Unternehmensstruktur bekommt die WAZ-Gruppe? Braucht es noch die 2-Stamm-Struktur? Welche Unternehmensform wird gewählt? Wird es einen Geschäftsführer geben oder zwei – also einen von jedem Stamm wie bisher? Fest steht offenbar nur, dass Bodo Hombach, der bisherige Geschäftsführer der Brost-Seite, die WAZ verlässt. Christian Nienhaus bleibt und ist ein Anwärter auf den möglichen neuen Posten des Ober-Geschäftsführers. Doch auch Manfred Braun, der u.a. das Zeitschriftengeschäft leitet, wird für eine Top-Position gehandelt. Klar sei aber auch, heißt es intern der WAZ, dass beide zusammen die Geschicke der Gruppe nicht werden leiten können – die Chemie zwischen ihnen soll angeblich nicht stimmen. So verhielt es sich aber auch schon zwischen Hombach und Nienhaus.

Weitere Fragen: Wie werden die Stimmquoten aussehen? Wie kommen Mehrheiten zustande, wenn das bisherige Prinzip der Simultaneität zwischen den beiden Stämmen beendet wird? Gibt es für die beiden anderen Gesellschafter einen Minderheitenschutz, also z.B. die Möglichkeit, bei Entscheidungen ein Veto einzulegen? Undsoweiter undsofort. Die WAZ-Gruppe wird die Medienbranche also noch etwas länger beschäftigen. Doch nach Jahren der Blockade zwischen Gesellschaftern und Familienstämmen scheint sich angesichts der neuen Machtverhältnisse nun abzuzeichnen, dass Reformen schnell auf den Weg gebracht werden können. Für den Konzern aus Essen ein ganz neues Lebensgefühl. 

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