Die Start-Probleme der Dschungelshow

Fernsehen Geht Ihnen das auch so? Der Funke bei der Dschungelshow “Ich bin ein Star - holt mich hier raus!” will in diesem Jahr (zumindest noch) nicht so recht überspringen. Die Besetzung mit Brigitte Nielsen und Ex-Fußballstar Ailton liest sich auf dem Papier verdammt gut. Aber im Camp ist dafür ziemlich wenig los. Stattdessen wird versucht, die Show mit immer härteren Prüfungen und Sex aufzupeppen. MEEDIA benennt fünf Risikofaktoren, die die Dschungelshow zu Beginn der Staffel plagen.

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1. Die starken Vorjahres-Shows

Das ist, zugegebenermaßen ein Luxusproblem. Die vierte und fünfte Staffel der Dschungelshow mit Ingrid van Bergen und Peer Kusmagk als Sieger waren perfektes Entertainment. Soviel Dramatik, Witz und Ironie gab es selten in einer TV-Show und – ja – das meinen wir durchaus ernst. Aber natürlich wurde durch die starken Vorgänger-Staffeln ein fast unmenschlicher Erwartungsdruck erzeugt. Nach Staffel vier mit der van Bergen dachte man schon, dass sich das nicht mehr toppen lässt. Und dann war die nächste Staffel nochmal besser. Dass eine Show auf diesem hohen Niveau irgendwann ihren Zenit erreicht und überschreitet, liegt in der Natur der Sache.

2. Konzept-Verschleißerscheinungen

Gefühlt hat sich rein gar nichts geändert an der Dschungelshow. Vom Outfit der Moderatoren Dirk Bach und Sonja Zietlow über die Trailer, bis hin zum Camp und den Prüfungen. Schaut man sich im Web Ausschnitte der ersten beiden Staffeln an, dann erkennt man dass sich eben doch etwas geändert hat – allerdings nur im Detail. Das Baumhaus der Moderatoren war in der ersten Staffel viel schlichter ausstaffiert, Dirk Bachs Tropenanzüge vergleichsweise dezent und die Prüfungen simpler gestrickt. In Staffel 1 konnte man noch schocken, indem einfach Kakerlaken über einen Kandidaten geschüttet wurden – das lockt heute keinen mehr hinter dem Ofen hervor. Die Reizschwelle wurde langsam aber konsequent gesteigert. Trotzdem hat die Show das gleiche Problem wie eine TV-Dramaserie, die in die fünfte oder sechste Staffel geht: Irgendwann sind alle Konflikte auserzählt, die Schockmomente zur Gewohnheit geworden.

3. Die Psycho-Gefahr

Mit der immer höher liegenden Reizschwelle kommen auch Gefahren. Die Kakerlakenduschen und Schleimbäder sind in der Dschungelshow inzwischen “normal”. Ebenso das Vertilgen von allerlei unappetitlichem Getier. Die Made, der man den Kopf abbeißt, war in Staffel 2 noch der Final-Schocker. In der aktuellen Staffel wurde das Tierchen schon in Folge eins verheizt. Der neue Kick der Sendung sind die Psycho-Kriege zwischen den Kandidaten. Konflikte ums Essen, um Hygiene, das Klo. Der alltägliche Wahnsinn des menschlichen Zusammenlebens unter einem Brennglas. Das Psycho-Konzept wurde in Staffel 5 mit der narzisstisch-naiven Sarah Knappik bereits an eine Grenze getrieben. Schon damals war man als Zuschauer nicht sicher, ob die Show von der Unterhaltung ins Tragische abgleiten würde. Das Spiel mit der Gefahr und den Emotionen machte einen Reiz aus, der Millionen zum Einschalten trieb. Diesmal ist mit Ramona Leiß wieder jemand im Camp, der offenbar psychische Probleme mit der Situation hat. Ob auch diesmal alles gut geht, man weiß es nicht. Es beschleicht einen beim Zuschauen aber bisweilen das ungute Gefühl, das hier etwas aus der Spur laufen könnte.

4. Die Big-Brother-Sex-Falle

Die Dschungelshow war bisher so etwas wie das bessere “Big Brother”. Man könnte auch sagen: “Big Brother” für Leute mit Verstand. Die witzigen, selbstironischen Moderationen, das Gehabe der Knalltüten im Camp, die überdrehten, Comic-artigen Ekelprüfungen. Die Show war vor allem auch eine sehr gut gemachte Parodie einer Show. Diesmal aber bedienen sich die Macher in der Person des Erotik-Modells Micaela Schäfer erstmals ganz offensiv der Sex-Masche. Während in der vergangenen Staffel die vergleichsweise züchtige Love-Story zwischen Indira und Jay Khan für echte Spannung sorgte, werden diesmal Brüste und Po-Backen satt gezeigt. Unweigerlich denkt man an die berühmten Dusch-Sequenzen bei “Big Brother”. Das ist keine gute Assoziation.

5. Prüfungen werden zum Risiko-Faktor

Um neue Reize zu setzen werden die Dschungelprüfungen immer härter. Bei der Prüfungen in der dritten Folge der aktuellen Staffel  musste Kandidat Daniel Lopes in einem Labyrinth an einem mit dem Schwanz um sich schlagenden Waran und einem Krokodil vorbeikriechen. Dem Krokodil war zwar das Maul zugebunden, das Tier wirkte aber trotzdem noch gefährlich. Dass jemand wie die nervlich merklich angeschlagene Ramona Leiß eine solche Prüfung durchsteht, ist schlicht unvorstellbar. Die Macher der Sendung stecken hier in einer Zwickmühle. Einerseits fordert das schaulustige Publikum immer neue Sensationen. Andererseits darf die Sicherheit der Kandidaten nicht gefährdet werden. Ein Unfall mit einer ernsthaften Verletzung durch ein wildes Tier würde vermutlich das Aus für das Format bedeuten. Der Unfall von Samuel Koch bei “Wetten dass..?” hat gezeigt, wie dicht Unterhaltung und Tragik beieinander liegen können.

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