Couch: Gruners Deko-Mode-Beauty-Cocktail

Publishing Auf den richtigen Mix kommt es an: Das gilt für die Einrichtung der eigenen Wohnung wie die thematische Abmischung neuer Print-Produkte. Für sein neues junges Wohnmagazin Couch testet Gruner + Jahr nun eine frische Rezeptur aus Wohn-, Mode- und Beauty-Magazin. Gereicht wird das neue Produkt im Pocketformat, das besonders Frauen zwischen 20 und 34 Jahren ansprechen soll. Mit farbenfrohem Layout, vielen Produktbildern und Häppchentexten erinnert Couch ein wenig an Burdas One-Shot Hollyhome.

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Genau genommen ist Couch eine komprimierte Service-Bombe des G+J-Klassikers Schöner Wohnen. Und wohl weil das Heft im Handtaschenformat voller Tipps und Produkte ist, scheint es die Redaktion um Blattmacher Stephan Schäfer, der auch Chefredakteur von Schöner Wohnen ist, mit den vielen Bildern und kleinen Texten ein wenig zu übertreiben. Längere Erzählstücke gibt es nicht, und so schwinden an einigen Stellen die Unterschiede zwischen einem Produktkatalog und einem redaktionell betreuten Magazin. Offensichtlich standen Bits-and-Pieces-Erfolgshefte wie Glamour Pate für das Konzept. Aber selbst das Mode- und Frauen-Heft von Condé Nast beruhigt ab und an das Layout durch ein paar Seiten mit einem höheren Textanteil.

Ansonsten kommt Couch als positives, farbenfrohes Livestyle-Produkt daher, das Frau allerdings eher in der U-Bahn  als auf dem heimischen Sofa lesen dürfte – trotz des Titels. Klarer Vorteil: Zum nächsten Shopping-Tempel ist es da auch nicht so weit.

Die strategischen Entscheidungen hinter der Test-Ausgabe: Gruner + Jahr will nach den anhaltenden Erfolg von Schöner Wohnen in den letzten beiden Jahren – sowohl in der Auflage als auch bei den Anzeigenkunden – nun auch jüngere Zielgruppen ansprechen. Diese könnten über Couch entweder an Schöner Wohnen herangeführt oder aber generell über das neue Magazin bedient werden. Vor allem im Segment der 20- bis 34-Jährigen Frauen, fanden die Verlagsmanager mit dem Pocket-Magazin eine Lücke zwischen den klassischen Wohn- und Lifestyle-Magazinen.

Geordnet ist Couch in die Rubriken "Living", "Homestorys", "Fashion & Beauty", "Trend" und "Shopping" und "Selfmade". Die Ressort zeigen gleich: Das Heft setzt schon auf den Faktor "von jedem etwas". Allerdings sind die Storys aus den einzelnen Ressorts bunt gemischt. So steht die Homestory über große Lösungen in kleinen Räumen, die verschiedene kleine Wohnungen zeigt, vor der passenden Shopping-Geschichte über „Raumwunder“, mit denen man Mini-Apartments besser nutzen könnte. Da schadet es sicher nichts, wenn genau dieses Thema auch den aktuellen Ikea-Katalog dominiert. Auch bei Schöner Wohnen entdeckt man die Möglichkeiten…

Der umfassende Themen-Mix deutet sich schon auf dem Umschlag an. Dem Versprechen "Das erste Wohn & Fashion-Magazin" lässt das Titelbild gleich Taten folgen. So werden Jeans-, Makeup und Wohn-Storys nebeneinander angeteasert. Das spricht fürs Konzept, nicht unbedingt fürs Cover: Das wirkt reichlich vollgestellt und ist vom Teaser-Versprechen "GOODBYE CHAOS. Ordnung schaffen in 24 Stunden" weit entfernt. Auch die Schriften wirken reichlich retro – aber Vorsicht, das könnte auch Absicht sein. Und wenn Frau am Kiosk noch zaudert, soll sie die überdimensionierte "Couch Shopping-Card" vom Kauf überzeugen. Die verspricht "50 % Rabatt auf die Home-Kollektion" von H&M – freilich einmalig für maximal einen Artikel.
Randvoll mit Anzeigen ist das Magazin auf jeden Fall. Neben den üblichen Verdächtigen aus der Möbel-, Mode- und Kosmetik-Branche sind hier sogar Autohersteller (Smart, BMW) vertreten. Aus Sicht des Verlags neu ist sicherlich, dass Couch sich trotz der "vollen Packung" mit weniger begnügt, als man von Gruner + Jahr gewohnt ist – zumindest, was den Anspruch angeht. Dafür erhält die Käuferin einen weitgehend unverstellten und von keinerlei Gewissensbissen belasteten Blick aufs pralle (Konsum-)Leben. Und das ist ja im Segment nicht unbedint ein schlechter Kaufanreiz.
Festzuhalten bleibt: Couch ist kein Magazin, das die Welt verändern wollte, und es kommt sympathischer Weise nicht so daher. Ebenso wenig finden sich im Heft besonders innovative Seiten; innovativ ist die Abmischung der Themen insgesamt. Und weil all das sauber und routiniert präsentiert wird, lautet das Fazit, dass dieser Titel am prall gefüllten Markt durchaus Chancen hat.

Couch hat einen Umfang von 228 Seiten, kostet zwei Euro und ist ab Mittwoch, den 11. Januar, im Handel erhältlich.

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