Jetzt offiziell: Weltbild steigt bei Pubbles ein

Publishing Der Marktführer im deutschen Buchhandel, der Augsburger Weltbild-Konzern, übernimmt 50 Prozent am Digitalkiosk Pubbles. Die bisherigen Gesellschafter, Bertelsmann Club Geschäfte und der Deutsche Presse Vertrieb (DPV) von Gruner+Jahr, halten seit dem Jahresanfang jeweils ein Viertel der Anteile. Pubbles solle nun zur "zentralen Plattform für digitales Lesen" werden. Das Ziel hatten die Gesellschafter auch schon vorher, nur wird sich der Akzent vermutlich künftig noch mehr in Richtung Bücher verschieben.

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Mehr als ein Jahr hatten die Gründungsgesellschafter um Investoren geworben. Beide gehören zum Medienkonzern Bertelsmann, beide wollten andere Inhalteproduzenten als Mitgesellschafter für Pubbles an Bord holen. Doch große wie kleine Verlage zeigten sich zurückhaltend. Hochrangige Manager, darunter Gruner+Jahr-Boss Bernd Buchholz, hatten offensiv für Pubbles getrommelt.

Nun hat, wie bereits im November vermutet, der katholische Weltbild-Konzern zugeschlagen und die Hälfte der Pubbles-Anteile übernommen. Zum Konzern gehören u.a. die Ketten Weltbild, Hugendubel und Jokers. Neuer Co-Geschäftsführer wird Maximilian Hugendubel, der die DBH leitet, in der das stationäre Buchhandelsgeschäft des Weltbild-Konzerns gebündelt ist. DPV-Chef Olaf Conrad zieht ebenso in die Geschäftsführung ein wie Bernd Schröder, Geschäftsführer der Direct Group Germany. Bernhard Mischke als einer der zwei bisherigen Chefs vervollständigt die Riege. Sein bisheriger Kompagnon Thomas Feinen hat den Digitalkiosk zum Jahresende verlassen.

In diesem Jahr wird der Unternehmensstandort von Hamburg nach München verlegt. Die Allianz sei "ein wichtiger Baustein in unserer digitalen Zukunftsstrategie", sagte Maximilian Hugendubel. Pubbles sei eine "ideale Vertriebsplattform". Bertelsmann und DPV sind in dieser Allianz die Techniker und Verlagsexperten, Weltbild soll die Handelsexpertise und "Verkaufsorientierung" einbringen.

Die Idee hinter Pubbles: Eine digitale Bibilothek für alle Leser von Zeitungen, Zeitschriften und Büchern. Einmal anmelden, dann aus einem großen Fundus Einzelausgaben kaufen, Abonnements von Zeitschriften abschließen, Bücher herunterladen. Lesen über alle verfügbaren Endgeräte, vom stationären PC über das Smartphone bis hin zum Tablet oder E-Reader. Verfügbar als App oder über eine Website. 
In der Theorie klang und klingt das gut, nur in der Praxis fehlt es bisher an Inhalten – weniger an Büchern, mehr an Zeitungen und Zeitschriften. Einen Run von Verlagen, die ihre Medien im Kiosk anbieten wollen, hat es nicht gegeben. Das mag verschiedene Gründe haben. Die Mehrzahl der in Pubbles angebotenen Zeitungen und Zeitschriften sind PDF-Versionen. Perspektivisch sollen auch mehr "native" Apps im Laden angeboten werden, also Digital-Versionen von Zeitungen und Zeitschriften mit speziellen multimedialen Features. Bisher haben die Betreiber keine konkreten Angaben zu den Nutzerzahlen gemacht.

Beim Verkauf von Digitalmedien gibt es nach wie vor große Unsicherheiten, was etwa die Bepreisung angeht. Neben Pubbles gibt es den Onlinekiosk PagePlace der Telekom und den iKiosk der Axel Springer AG. Alle stehen ebenfalls im Wettbewerb mit dem Newsstand von Apple – und natürlich letztlich auch mit iTunes selbst. Die Mehrzahl der Digitalausgaben lässt sich alternativ auch über eigene Angebote der jeweiligen Verlage beziehen, etwa über Apps. Im Fall von Pubbles hat sich gezeigt, dass sich die Buchbranche im Augenblick größere Chancen ausrechnet, einen Digital-Kiosk zum Fliegen zu bringen. Die Zeitungs- und Zeitschriftenverleger schauen größtenteils lieber zu, was im Markt passiert.

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