‚Tödliche Häppchen‘ mit fadem Beigeschmack

Fernsehen Der neue Lena-Odenthal-“Tatort” mit dem Titel “Tödliche Häppchen” ist ein klassischer “Tatort” mit allen Stärken und Schwächen der ARD-Vorzeigeserie. Man muss es dem SWR ja zu Gute halten, dass die Krimis mit dem nach wie vor sympathischen Gespann Odenthal/Kopper nicht mit Bedeutung und Pseudo-Anspruch überfrachtet werden. Der Film im Milieu einer Fleischfabrik ist solide Krimikost. Nicht weniger. Aber leider auch nicht mehr.

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Die Fleischerei-Arbeiterin Steffi Pietsch wird tot unter einer Autobrücke gefunden. Schnell wird klar, dass sie nicht nur die Mutter des Mädchens ist, das – oh Zufall –  Odenthal und Kopper am Abend zuvor vors Auto gelaufen ist. Der Todesfall war offenbar Mord. Schnell geraten die fiesen Kolleginnen aus der Massen-Fleischerei unter Verdacht, die Steffi Pietsch gemobbt haben. Dann haben wir noch den mit Meckerlachen ausgestatteten, Kaugummi-kauenden Fabrikboss, den trauernden Ex-Mann und seine Freundin, die Tanzlehrerin sowie die ängstliche Freundin der Toten, die ebenfalls in der Fleischfabrik arbeitet, und einen seltsamen Psychiater.

So dreht sich die Handlung in mehr oder minder vorhersehbaren Bahnen. Dass der Film nicht gar so ungenießbar wie eine Frikadelle Ekelfleisch geworden ist, liegt vor allem an den beiden Hauptdarstellern. Ulrike Folkerts als Lena Odenthal und Andreas Hoppe als Mario Kopper sind perfekt aufeinander eingespielt. Ein charakterstarkes Ermittlerduo mit subtilem Witz und netten Schrullen.

Der Film hat seine kleinen, feinen Höhepunkte, wenn der bärbeißige Kopper Tanzstunden nimmt oder Lena ihm ein Salat-Brötchen von der Tanke mitbringt. Die “Tatort”-übliche Sozialkritik zielt diesmal auf die Fleischindustrie mit ihren bekannten Schattenseiten. Die Tote wollte offenbar enthüllende Videos aus dem Betrieb ins Internet stellen und schließlich brechen Odenthal und Kopper sogar ganz PETA-mäßig ins Kühlhaus ein.

Dem Zuschauer wird freilich nicht viel zugemutet. Außer ein paar Kübeln Schlachtabfälle gibt es nichts schwer Verdauliches zu sehen. Wenn es ernst wird mit der Massenschlachtung, guckt die Kamera stets gnädig weg. Das Thema hätte (mal wieder) mehr hergegeben, wenn man es weniger klischeehaft und oberflächlich behandelt hätte. Am Ende bekommen die Macher immerhin eine halbwegs plausible Auflösung des Kriminalfalls zustande – auch nicht immer eine Selbstverständlichkeit beim "Tatort". Aber dann, ganz am Schluss, wird die gefühlige Schlussszene so hastig abgeblendet, dass man denken könnte, die Crew wäre vom Ablauf der 90-Minuten-Frist kalt erwischt worden. Das Kriminalisten-Duo Odenthal/Kopper hätten eine sorgfältigere Regie- und Drehbucharbeit verdient – dann wären die “Tatort”-Krimis aus Ludwigshafen echte Highlights. So reicht es leider nur zur Durchschnittskost mit fadem Beigeschmack.

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