„Jopie schien irgendwie unsterblich“

Der Boulevard und das Feuilleton trauern um Johannes "Jopie" Heesters. Für Bild-Kolumnist Norbert Körzdörfer war er "die letzte 'Rampensau' mit Zylinder und Seidenschal". Am Heiligabend starb der Schauspieler, Entertainer und Tänzer im Alter von 108 Jahren. "In seinen letzten Lebensjahren war Johannes Heesters für die meisten Menschen allerdings nur der drolligste Methusalem, der dienstälteste Bühnenkünstler der Welt“, schreibt Christian Buß bei Spiegel Online.

Anzeige

Christian Buß, Spiegel Online: "So sehr Heesters von den einen weggestoßen wurde, so sehr umarmten ihn die anderen. Ob das ein Trost für den ehemaligen Großunterhalter war? Die letzten zwei Jahrzehnte spielte er jedenfalls für sein treues deutsches Publikum die Rolle des Musical-Methusalems. Ein bisschen sonderbar mutete diese Greisenbesichtigung schon an. Vor allem, als man 2007 auf der vom Burda-Verlag ausgerichteten Bambi-Preisverleihung bekanntgab, dass man dem Künstler nun jedes Jahr ein Reh verleihen werde. Quasi als Ehrung fürs Weiterleben. Manchmal wusste man nicht genau, wer es böser mit Heesters meinte, seine Fans oder seine Kritiker."

Dieter Bartetzko, FAZ.net: "Seine letzten Auftritte ließen schaudern. Nicht, weil ein zerbrechlicher Hundertjähriger sich tastend auf der Bühne bewegte. Schaudern machte die Würde dieses Greises, die Entrücktheit eines Mannes, der eine versunkene Welt verkörperte. Was spielte es da für eine Rolle, dass Johannes Heesters ein ehrfurchtgebietender Teiresias schien, man ihn aber meistens nur als Franz Josef aus der Plüschkiste einsetzte? Sein Erscheinen löschte alle Rollenspiele aus und setzte die Schicksale unserer Eltern, Groß- und Urgroßeltern an ihre Stelle. Ein Zeitalter sandte den letzten Zeugen."

Norbert Körzdörfer, Bild: "Sein letzter Vorhang ist sanft gefallen (…). Johannes Heesters war gerade 108 geworden. Er war der Jahrhundert-Mann unserer Herzen. Er hatte keine Angst vor dem Tod​ Der Tod kam als Freund: „Ich habe keine Angst vor ihm“, sagte Jopie einmal. „Wenn er kommt, dann kommt er“.​ Er kam an Heiligabend."

Christine Dössel, Sueddeutsche.de: "Jetzt hat der Tod ihn doch eingeholt. Am Ende ist er ja immer der Sieger. Aber selten hat ihm einer derart fidel getrotzt wie Johannes Heesters, dieses Urviech von einem Strahlemann, der die Freude am Leben lehrte.

Die  Art, wie er daran festhielt, hatte zuletzt etwas geradezu Sportives. ‚Ich schaffe die 108!’, ließ ‚Jopie’, wie ihn alle nannten, siegessicher via Bild verkünden, als er wegen eines Schwächeanfalls Ende November ins Krankenhaus kam. Und das klang, als biege er keuchend, unter Aufbietung seiner letzten Kräfte in die Zielgerade ein – vor sich: die Wimpel für seinen 108. Geburtstag -,  um ihn wieder einmal im ewigen Wettlauf zu schlagen: den schnittigen Sensenmann mit seinen oft so unfairen Methoden."
Volker Schmidt, Zeit Online: "Mit einem Witz fängt man keinen Nachruf an. Außer wenn es um einen Entertainer geht, der dem schwarzen Humor nicht abgeneigt war. Über Johannes Heesters kursiert folgende Geschichte: Es klingelt bei Familie Heesters. Jopie öffnet. Draußen steht ein Skelett mit Stundenglas und Sense. Ruft Johannes nach drinnen: "Simone, für Dich."

Torsten Thissen, Welt Online: "Heesters war spätestens seit den 50er Jahren ein Relikt. Zu der Zeit als Elvis sexy, James Dean draufgängerisch und Horst Buchholz wütend wurden, war Heesters immer noch galant. Er tanzte, er sang und machte sich keine Sorgen. Er war erfolgreich damit, auch weil es ihm immer mehr darum ging, was das Publikum wollte, als darum, was er wollte."
"Heesters: verehrt und angespuckt", schreibt die niederländische Nachrichtenagentur ANP. Eine Überblick über die niederländischen Nachrufe gibt es bei Zeit Online.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige