Magazine auf dem iPad: Tops und Flops

In der zweiten Folge unseres großen App-Vergleichstests befassen wir uns mit iPad-Apps von General-Interest-Magazinen und Wochenzeitungen. Wieder haben wir zehn Medien-Apps, von FAS, Spiegel, Stern bis zu Gala, Zeit und Geo Selection ausführlich unter verschiedenen Aspekten getestet und verglichen. Wie bei den Tageszeitungen sind auch hier die Qualitätsunterschiede enorm. Besonders gut haben uns die Apps vom Stern und Rolling Stone gefallen. Schlechte Noten gab es für die Gala und Geo.

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Vorab: Wie bei dem Vergleichstest der Tageszeitungs-Apps haben wir uns auch diesmal auf iPad-Apps beschränkt. Weil das iPad der Marktführer bei Tablet-Computern ist und wir eine einheitliche Vergleichsbasis haben wollten. Außerdem testeten wir Apps, die Digital-Versionen einer Print-Ausgabe sind. Mit einer Ausnahme: Die GQ-App bietet eine Mischung aus Print- und Web-Inhalten, ist aber so magazinig aufgemacht, dass wir sie als Lifestyle-Titel mit in den Vergleich genommen haben.

Generell haben wir wieder darauf geachtet, mit der Auswahl eine gewisse Bandbreite abzudecken: Von Titeln, die sich mehr oder minder darauf beschränken, das Print-Heft auf dem iPad abzubilden (Beispiel: Cicero) bis hin zu aufwändig produzierten Digital-Ausgaben mit reichlich Mehrwert (Stern, Rolling Stone). Am Ende jeder Kategorie vergeben wir maximal 5 Punkte. 5/5 bedeutet fünf von fünf möglichen Punkten und somit die Höchstwertung.


Der Spiegel

Interaktivität
Hier und da sind Links zum Forum bei Spiegel Online gesetzt. Das war es auch schon. 1/5

Multimedia
Man darf Foto-Galerien durchblättern und Videos angucken. Immerhin hat man die Option, die Videos auch aufs iPad runterzuladen. Dann kann man sie auch offline schauen. Meistens handelt es sich um Spiegel-TV-Filme. Das Runterladen der Videos dauert allerdings ziemlich lange. Wer eine Online-Verbindung hat, kann die Videos auch direkt aus dem Internet anschauen. Außerdem gibt es recht schicke 360-Grad-Fotos – zum Beispiel vom Europapark in Rust. 3/5

Optik
Die Digital-Ausgabe entspricht in Optik und Anmutung dem gedruckten Spiegel. Man kann das iPad horizontal oder vertikal halten, das Layout passt sich an. Es gibt ein Inhaltsverzeichnis, das stets eingeblendet werden kann und auf dem Artikel für späteres Lesen auch markiert werden können. Steigt man in eine Digital-Ausgabe ein, werden die wichtigsten Themen der Ausgabe größer präsentiert. 3/5

Nutzerfreundlichkeit
Alles in allem findet man sich im Digital-Spiegel schnell zurecht. Das Navigieren mit dem Inhaltsverzeichnis funktioniert gut. Bei Artikeln steht meist ein Verweis “Mehr zum Thema”, der ins Web zu Spiegel Online oder zu anderen Ausgaben der Ausgabe führt. Seit kurzem werden Links auch mal direkt in den Text platziert. Seit dem jüngsten Update der App wurde auch die Zuverlässigkeit des Ladevorgangs nochmal verbessert. Ohne Videos lädt der Spiegel recht schnell im Hintergrund. 4/5

Inhalt
Der Spiegel ist der Spiegel – auch auf dem iPad. Man erhält mit der Digital-Ausgabe im Prinzip das gleiche Paket wie das Print-Heft mit ein bisschen Multimedia-Gedöns und ein paar Links obendrauf. Um den Spiegel unkompliziert unterwegs zu lesen, ist die Digital-Ausgabe aber ideal. 4/5

Preis/Leistung
Eine Ausgabe des iPad-Spiegel kostet 3,99 Euro (Print: 4 Euro). Wenn man ein digitales Jahresabo abschließt, ist er etwas billiger und kommt auf 3,80 Euro. Abonnenten des Print-Spiegel werden zusätzlich gemolken und müssen pro Ausgabe 50 Cent für die Digital-Ausgabe extra zahlen – eine Unsitte von der auch der Spiegel nicht lassen will. 3/5

Stern
Interaktivität
Der Stern hat relativ lange gebraucht, bis eine digitale Ausgabe den Wegs aufs iPad fand, dafür hat man dann auch viel investiert. Der Stern bietet als E-Magazin alles, was man heutzutage von der Digital-Ausgabe einer Zeitschrift erwartet. es gibt zahlreiche klickbare Infografiken und nette kleine Gimmicks. So kann man bei den Sprechblasen, die Politikern in den Mund geschoben werden, jede Blase einzeln aufrufen. Sogar das Lösungswort für die Rebusrätsel auf der Cartoon-Seite kann man via Klick einblenden. Auf Übersichtskarten lassen sich kleine Text-Happen aufrufen usw. Werden Bücher vorgestellt, kann man diese via Link direkt aus der App heraus online bestellen. Nicht fehlen dürfen auch zahlreiche Verweise auf die Website stern.de und sogar die Facebook-Seite des Stern ist in die Magazin-App eingebunden. Abgerundet wird die Interaktivität durch Sudoku und Kreuzworträtsel, die man aber nur lösen kann, wenn das iPad eine Online-Verbindung hat. Vorbildlich. 5/5

Multimedia
Hier punkten der digitale Stern mit zahlreichen Videos, u.a. mit der Video-Version von Hans-Ulrich Jörges "Zwischenruf" Kommentar. Ein Roundtable-Gespräch wird hier nicht nur gedruckt, sondern auch als professionell produziertes Video gezeigt. Das hat in der Tat echten Mehrwert. Bei den Kinostarts der Woche sind stets die Trailer eingebunden, bei den CDs der Woche gibt es Links zu iTunes zum Probehören. Außerdem sind die Bilder der Woche natürlich prädestiniert für eine schöne Foto-Galerie, die technisch perfekt umgesetzt ist. Mit "Inside Stern" gibt zudem jede Woche ein kleines Making-of-Video zur aktuellen Ausgabe. Mehr geht nicht. 5/5

Optik
Das E-Magazin des Stern orientiert sich an dem mittlerweile gelernten Standard für iPad-Magazine. Artikel kann man von oben nach unten lesen. Kippt man das iPad in die Horizontale wechselt die App in einen anderen Layout-Modus. Bei der Optik lässt der Stern seine Muskeln spielen. Bildauswahl, Layout alles sieht sehr, sehr gut aus und funktionierte in unserem Test einwandfrei. 5/5

Nutzerfreundlichkeit
Man findet sich in der App sehr gut zurecht. Kleine graue Info-Kästen geben dezent Hinweise, wo etwas zum Klicken ist oder was man an dieser oder jenen Stelle mit dem iPad tun muss. Ist das iPad offline und es werden bestimmte Inhalte, wie das Sudoku oder eine Anzeige, nicht geladen, bekommt man auch dies mitgeteilt. Mit einem Klick auf den unteren Rand lässt sich jederzeit eine Navigation aufrufen. Man bekommt auch stets mitgeteilt, wenn Links “nach draußen” ins Web führen. Es gibt nix zu meckern. 5/5

Inhalt
Man bekommt alles aus der aktuellen Stern-Ausgabe und noch einiges mehr dazu. Vor allem die zahlreichen, professionell produzierten Videos machen die E-Ausgabe des Stern sehenswert. Das Magazin wirkt in der Tat als sei es wie fürs iPad gemacht. 5/5

Preis/Leistung
Eine Stern E-Ausgabe kostet 2,99 Euro und ist damit deutlich günstiger als das Heft mit 3,40 Euro. Im Jahresabo kostet die einzelne E-Ausgabe sogar nur 1,90 Euro. Als Print-Abonnent kann man 13 Euro zuzahlen und erhält dann 26 E-Ausgaben. Gegen das Pricing des digitalen Stern ist (fast) nichts einzuwenden. Betrachtet man nur die E-Ausgaben ist der Preis sogar sehr günstig. Dass Print-Abonnenten zusätzlich zahlen müssen, ist ein Wermutstropfen, der sich in diesem speziellen Fall aber verschmerzen lässt, da die E-Ausgabe tatsächlich viel Mehrwert im Vergleich zum Print-Stern bietet, so dass sich der Aufpreis hier rechtfertigen lässt. 4/5

RP+

Interaktivität
Da lässt sich eines Klicken bei RP+, der App der Sonntagsausgabe der Rheinischen Post. Es gibt großformatige, interaktive Grafiken, immer mal wieder Bilder-Galerien, die als Klick-Grafik aufgemacht sind und fast zu jedem Artikel werden die Fotos in Form einer Bilder-Galerie-Leiste angezeigt. Die Bilder-Galerie ist das Medium der Wahl der RP-Macher. 3/5

Multimedia
Scrollt man das Cover einer RP+-Ausgabe nach unten bekommt man ein optisch sehr hübsch aufgemachtes, grafisches Inhaltsverzeichnis. Ansonsten gibt es Bilder-Galerien satt. Einmal, mit einer schicken Animation bei normalen Artikeln, dann in Form von interaktiven Grafiken oder gar Bilder-Galerie pur, was dann wiederum Foto-Story genannt wird. Es gibt aber auch einige Videos und es wird auch schon mal ein Trailer zu einem Film direkt in den Text eingebunden. Multimedia-Highlight in der getesteten Ausgabe ist ein Stück mit zwei 360-Grad Ansichten aus einer Tierklinik gewesen. Hätten aber noch ein, zwei Motive mehr sein können. 3/5

Optik
Schick sieht sie aus, die RP+. Vom Cover über das grafische Inhaltsverzeichnis bis hin zum schlichten, aber lesefreundlichen Aufbau der Artikel. Das Layout ist insgesamt ein wenig schematisch, das stört aber nicht weiter. Eine dezente aber gefällige Optik. 4/5

Nutzerfreundlichkeit
Die Navigation unterscheidet sich ein wenig von Stern, Spiegel und Co. Die Fotos zu einem Artikel werden in der Regel als Bilder-Galerie präsentiert. Der Artikel selbst besteht dann nur aus Text und kann nach unten gescrollt werden. Das versteht man intuitiv und es gibt keine Bedienungsprobleme. Wenn man sich in der App verläuft, lässt sich jederzeit ein Inhaltsverzeichnis einblenden. Einzig die herausgehobenen Multimedia-Elemente wie “Foto-Stories” oder interaktive Grafiken sorgen hier und da für Missverständnisse. Man klickt sich in die Story rein und um wieder in die “normale” Navigation zu gelangen muss erst ein “Zurück”-Button betätigt werden. Aber das ist nun wirklich eine Petitesse bei einer ansonsten rundum gelungenen Navigation.

Inhalt
RP+ bietet viel Inhalt und vor allem auch viel Lokales aus Düsseldorf und Regionales aus NRW in einer ansprechenden iPad-Aufbereitung. Die Videos und Multimedia-Elemente kommen zu den gut aufbereiteten Inhalten der Print-Ausgabe noch dazu. Außerdem eingebunden ist ein Newsticker, der sich über Knopfdruck aufrufen lässt und aktuelle Artikel aus RP Online speziell aufbereitet innerhalb der App anzeigt. Insgesamt ein rundes Angebot. 4/5

Preis/Leistung
Eine Ausgabe von RP+ kostet vergleichsweise schmale 1,59 Euro. Ein Jahresabo schlägt mit 49,99 Euro zu buche, das wäre dann unter einem Euro pro Ausgabe. Print-Abonnenten der Rheinischen Post, die auch die E-Paper-Ausgabe abonniert haben, erhalten RP+ ohne Mehrkosten. Das E-Paper kostet freilich, wie so oft leider, 5 Euro zusätzlich pro Monat. 4/5
Die Zeit
Interaktivität
Mit der Interaktivität hat die Zeit es nicht so. Da gibt es eine Geschichte um den syrischen Arzt Ibrahim Othman der Regimegegner behandelte und sein Engagement mit dem Leben bezahlte. Die Fotos des Arztes stammen, wie die Zeit selbst ausweist, von dessen Facebook-Seite. Der Facebook-Link ist sogar als Foto-Nachweis da, aber nicht verlinkt. Warum? Generell sind gar keine Links verlinkt, die aus der gedruckten Zeit übernommen wurden. Egal ob Mailadressen abgedruckt oder Webseiten empfohlen werden – es wird nicht verlinkt. Das ist, gelinde gesagt, Mist.

Ansonsten wartet das Zeit Magazin noch mit der seltsamen Funktion auf, dass die beiden Autoren Gil Bachrach und Olga Mannheimer Artikel kommentieren. Manchmal tauchen am Rand kleine Kopf-Symbole auf. Wenn man draufklickt, bekommt man einen Kommentar oder kleinen Dialog der beiden zum Artikel zu lesen. Naja. Immerhin lassen sich die Spiele aus dem Zeit Magazin (Rätsel!) ohne Probleme mit der App spielen. Internet-Verbindung vorausgesetzt. 2/5

Multimedia
Wer lange sucht, findet auch in der Zeit-App eine Bilder-Galerie. Leider sind die Bildunterschriften mitten im Foto eingeblendet. Videos haben wir im Test keine gefunden. Sogar die Filmbesprechung zum neuen Mission-Impossible-Film musste gänzlich ohne Bewegtbild auskommen. Wenigstens den Trailer hätte man einbinden können. Aber angeblich sind ab und zu Videos da. Fotos lassen sich in der Regel nicht groß ziehen. In Texten stehen oft viele Fotos sehr klein am Rand. Das nutzt die Möglichkeiten des iPad nur unzureichend. Man kann sich Artikel vorlesen lassen und für die Rubrik “Ich habe einen Traum”, lesen sogar die träumenden Promis selbst. 3/5

Optik
Es ist alles sehr gediegen bei der Zeit App. Im Zeit Magazin geht es auch in der App etwas lockerer und optisch großzügiger zu. Bei der Zeit beschränkt man sich darauf, Layout und die Anmutung der Print-Zeit auf dem iPad nachzuahmen. Mit den Original-Optiken und einem leicht graustichigen Bild-Hintergrund. Das Zeit-Magazin setzt eher auf iPad-typische großzügige Optik mit Bildern, die den iPad-Bildschirm komplett ausfüllen.

Nutzerfreundlichkeit
Man findet sich einigermaßen zurecht aber die Zeit hier eigene Wege in Sachen Nutzerführung. Das Inhaltsverzeichnis besteht aus den Ressortüberschriften, zu denen sich die einzelnen Artikel einblenden lassen. Ein Inhaltsverzeichnis, das sich über einen Artikel legt, wie bei vielen anderen Medien-Apps, gibt es hier nicht. Es ist zudem gewöhnungsbedürfitg, dass das Zeit Magazin und die Zeit selbst in der App komplett unterschiedliche Nutzerführungen und Aufmachungen gewählt haben. Das soll wohl den eigenständigen Charakter des Zeit Magazins betonen, nervt aber auch ein wenig. Man kann Lesezeichen setzen und sich so eine Artikel-Sammlung anlegen und die Zeit und das Zeit Magazin durchsuchen. Beim “Umblättern” vergehen immer ein paar Sekunden, bevor ein neuer Artikel angezeigt wird. Ein kleines Detail, das mit der Zeit aber immer mehr nervt. 3/5

Inhalt
Man bekommt mit der Zeit App das ganze Paket, das man auch gedruckt am Kiosk kaufen kann. Das war es im wesentlichen. Harald Martenstein liest in der App seine Kolumne, man hat spärlich gesäte Bilder-Galerien und vielleicht auch irgendwann ein Video – aber das entscheidende sind hier eindeutig die Artikel. Die Zeit bleibt als App die Zeit – nicht mehr und nicht weniger. 4/5

Preis/Leistung
Eine Einzelausgabe der Zeit App kostet mit 3,99 Euro fast dasselbe wie die Print-Zeit (4 Euro). Ein Jahresabo digital ist dafür mit 149,99 günstiger zu haben (Jahresabo Print ohne Prämien-Subvention ca. 187 Euro). Print-Abonnenten können die Digital-Ausgabe für 40 Cent mehr zusätzlich erwerben. Da die Digitale Zeit nur relativ geringen Mehrwert bietet, ist der Aufpreis für Bezieher des teuren Print-Abos nicht nachzuvollziehen. 3/5

FAS
Interaktivität
Viel tun kann der Leser bei der App der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung nicht. Außer lesen. Man darf direkt aus der App eine Leserbrief-Mail schreiben und man kann bei einigen Rubriken und Meldungen die Häppchen einzeln anwählen sowie bei ein paar Grafiken einige Features hinzu oder wegklicken. Konsequenterweise hat man die interaktiven Features der gedruckten Zeitung, wie Rätsel, gleich ganz weggelassen. 2/5

Multimedia
Hier und da kann man ein Bild größer klicken oder es gibt ein eher unscheinbares Video. Werden Bücher vorgestellt, kann man manchmal eine Leseprobe öffnen und bei Musik-Besprechungen gibt es auch Audio-Beispiele. Bei einigen Rubriken ist die Logo-Grafik ein bisschen animiert. Aber alles sehr, sehr dezent. 2/5

Optik
Die FAS sieht wie ihr Print-Vorbild vor allem edel aus. Es gibt eine eigenständige App-Titelseite, die auf dem iPad sehr schick wirkt. Die Artikel sind gut lesbar zurückhaltend gestaltet. Alles wirkt hochwertig, ohne altbacken daherzukommen. 4/5

Nutzerfreundlichkeit
Man findet sich gut zurecht in der FAS auf dem iPad. Auch oder sogar weil die App ausschließlich funktioniert, wenn man das iPad horizontal hält. Man wischt die Artikel immer nach unten weiter. Mit Links- und Rechtsbewegungen springt man von Artikel zu Artikel. Bei Ressort-Aufmacherseiten gibt es oben eine Inhalts-Leiste. Man kann außerdem komplette Übersichten einblenden. Die Funktion, Lesezeichen zu setzen und Artikel zu archivieren, fehlt.

Inhalt
Es gibt (fast) den gleichen Inhalt wie gedruckt. Punkt. Die Mini-Videos, die wir zumindest bei unserem Test vorfanden, waren der Rede nicht weiter wert. Die Bücher Rhein Main sowie Beruf & Chance fehlen unverständlicherweise. Aber die sonstigen Inhalte der Print-FAS sind hier zumindest lesefreundlich und ansprechend auf dem iPad umgesetzt. 3/5

Preis/Leistung
Eine Einzelausgabe der FAS ist mit 2,99 Euro auf dem iPad etwas günstiger als am Kiosk (3,20 Euro). Ein Jahresabo der digitalen FAS kostet 124,99. Gedruckt werden 214,80 Euro aufgerufen. Ein Kombi-Abo Print/Digital ist seltsamerweise nicht vorgesehen. 2,99 Euro für das umfangreiche Textangebot der FAS geht in Ordnung. Dass man den Print-Abonnenten die iPad-Ausgabe aber nicht ohne Mehrkosten anbietet, ist geizig. 3/5

GQ

Interaktivität
Man kann Artikel in einer Art Favoritenliste speichern und die App nach Stichworten durchsuchen. Außerdem bieten die einzelnen Artikel die Möglichkeit, einen Link auf Facebook zu setzen oder sie in einer Mail zu versenden. Das war’s dann auch 2/5

Multimedia
Die GQ App wartet mit vielen Videos auf, die in einer eigenen Video-Rubrik gesammelt werden. Wie die anderen Inhalte auch, werden die Videos direkt aus dem Netz geladen, eine Online-Verbindung ist also notwendig. Fotos kann man generell größer klicken und es gibt auch Bilder-Galerien. 3/5

Optik
Die GQ App hat eine außergewöhnliche Rolle bei den hier vorgestellten Apps. Es handelt sich um einen Mix aus Inhalten der gedruckten GQ und der Website, neu aufbereitet fürs iPad. Die GQ App funktioniert auch nicht in “Ausgaben”, sondern wird täglich aktualisiert. Es gibt eine große Aufmacher-Story und darunter sind weitere Artikel oder Videos gruppiert. Die Artikel sind immer gleich aufgebaut mit großem Aufmacherfoto und Text, der nach unten scrollt. Alles wenig spektakulär, aber funktionell. 3/5

Nutzerfreundlichkeit
Man findet sich schnell zurecht. Artikel und Inhalte können über die Startseite, die Ressorts oder die Suche angesteuert werden. Zu einem aufgerufenen Artikel kann man sich ähnliche Artikel anzeigen lassen. Einfach aber effektiv. 4/5

Inhalt
Man erhält eine Mischung aus Inhalten der Print-GQ und der Website. Zusammengerührt wird daraus ein umfangreiches iPad-Männer-Lifestyle-Magazin. Die “Sahnestückchen” des Magazins, wie etwa ein Thomas-Gottschalk-Interview, bleiben freilich der Print-Ausgabe vorbehalten. In der App gibt es da nur die Kurzfassung aus dem Web. Die GQ-App “fühlt” sich wegen dieser Machart nicht wie eine abgeschlossene Ausgabe eines Magazins an. Das Nutzen der App setzt eine permanente Online-Verbindung voraus. 3/5

Preis/Leistung
Noch kostet die GQ App gar nichts. Bis zur Einführung eines Abo-Modells sei sie kostenfrei, heißt es bereits seit geraumer Zeit auf der Seite der App. Als Gratis-Angebot ist die GQ App auf jeden Fall einen Blick wert. Sollte Condé Nast auf die Idee kommen, dafür Geld zu verlangen, müsste man wohl das Konzept überdenken. Keine Wertung, da Gratis-Angebot

Rolling Stone

Interaktivität
Es gibt reihenweise klickbare Elemente, die neue Text-Häppchen freigeben. Man kann zu jedem Artikel über eine Funktion seine Meinung an die Redaktion schreiben, man kann Lesezeichen setzen und es gibt ein lustiges Musik-Quiz. Bei dem Musikkritiken gibt es Hörproben und man kann die Musik via Link gleich bei iTunes kaufen. 4/5

Multimedia
In Sachen Multimedia brennt der Rolling Stone auf dem iPad ein echtes Feuerwerk ab. Es wimmelt von Videos und Audio-Elementen. Teils aufwändig selbst produziert, teils kurze Ausschnitte, teils “Abfallprodukte” von Interviews. So lassen sich beispielsweise von dem telefonisch geführten Interview mit Kate Bush, einige Sätze auch als Audio-Datei abrufen. Und: Die Heft-CD kann man auch mit der App hören, leider aber nicht seiner iTunes-Sammlung einverleiben. Bilder kann man generell größer-klicken und es gibt zahlreiche optische Spielereien und Galerien. Mehr geht nicht. 5/5

Optik
Ein wertiges, lesefreundliche Layout mit großzügiger Optik. Horizontal gehalten sieht man einen optisch schön gestalteten Layout-Modus mit großen Fotos (die man alle auf bildschirmfüllende Größe klicken kann), typografischen Spielereien und vielen Zusatz-Elementen. Vertikal gehalten wechselt die App in einen Text-Modus, in dem man mit zwei Fingern die Schriftgröße stufenlos verstellen kann. Alles in alles sieht die App super aus. 5/5

Nutzerfreundlichkeit
Trotz der Überfülle an Funktionen, findet man sich einigermaßen gut zurecht. Man kann zwei Leisten einblenden, die immer zum Inhaltsverzeichnis, zur Leseleiste oder zum Titel zurückführen. Die Video- und Audio-Elemente werden beim Download gleich mitgeladen. Das hat Vor- und Nachteile. Vorteil: Einmal geladen kann man alles ohne Zeitverzögerung auch offline anschauen. Nachteil: Der Download einer Ausgabe dauert sehr, sehr lange und bricht ab, wenn das iPad in Ruhemodus geht. Das nervt ziemlich. 3/5

Inhalt
Lange Interviews mit Musikern, Musik-, Buch- und Filmkritiken, Hintergrundberichte. Der digitale Rolling Stone bietet die Themen der gedruckten Ausgabe plus einem echten Füllhorn an Zusatzmaterial und einem Link zu den Web-Inhalten, die auch innerhalb der App angezeigt werden können. 5/5

Preis/Leistung
Eine Einzelausgabe kostet derzeit 2,99 Euro (soll später auf 4,99 Euro erhöht werden), Ein Jahresabo der App gibt es für 35,99 Euro (später 59,99 Euro). Gedruckt kostet das Jahresabo 65 Euro und ein Einzelheft gedruckt kostet derzeit 5,90 Euro. Zum aktuellen, reduzierten Preis hat der Rolling Stone als App auf jeden Fall ein hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis. 5/5

Gala
Interaktivität
Man kann aus der App heraus eine Mail mit einem Screenshot der gerade betrachteten Gala-Seite schicken. Eine obskure und leicht hirnrissige Funktion, die bei unserem Test zudem ständig zum Absturz der App führte. Facebook- und Twitter-Symbole sorge nicht etwa dafür, dass ein bestimmter Artikel verlinkt wird, sondern führen lediglich auf die Facebook- und Twitter-Seite der Gala. 1/5

Multimedia
Fehlanzeige. 0/5

Optik
Man erhält ein nicht korrekt für das iPad aufbereitetes PDF. Man hat sich noch nicht einmal die Mühe gemacht, das PDF in einer Auflösung anzubieten, die eine problemlose Bild-Vergrößerung ermöglicht. Vergrößert man einen Bereich einer Seite via Doppelklick werden die Bilder unscharf. Das ist schlicht unprofessionell. 0/5

Nutzerfreundlichkeit
Es hat schon eine Weile gedauert, bis es uns dämmerte, dass man das iPad in die Horizontale kippen muss, damit man ein hässlich gestaltetes Menü am oberen Bildrand aufrufen kann. Da gibt es eine hanebüchene Suche (spuckt als Ergebnis nur die Seiten aus, auf denen sich der Suchbegriff befindet), die erwähnten Links zu Facebook, Twitter und Links zur Gala-Website. Außerdem kann man in einen Lese-Modus wechseln, der den Artikel in einer Nur-Text-Variante darbietet. Im Test stürzte die App zudem häufig ab. 2/5

Inhalt
Man erhält die gedruckte Gala in einem suboptimal aufbereiteten Format. 2/5

Preis/Leistung
Ein Einzelheft als App kostet 2,99 Euro. Das ist ein bisschen teurer, als die Kiosk-Variante, die 2,80 kostet. Lustigerweise steht der billigere Kiosk-Preis auch auf der Titelseite der digitalen Gala, da offensichtlich das Print-Produkt eins zu eins ins iPad verwurstelt wurde. 2/5

Cicero

Interaktivität
Hier und da finden sich Links zu weiterführenden Artikeln bei Cicero Online. Das war es dann mit der Interaktivität. 0/5

Multimedia
Chefredakteur Michael Naumann spricht ein Video-Editorial – immerhin. Ansonsten besteht die Cicero App aus einem aufbereiteten PDF. Von angekündigten, eigens produzierten Bewegtbild-Inhalten (außer dem Video-Editorial) und Bilder-Galerien haben wir leider nichts gefunden. 1/5

Optik
Man sieht das Heft. Das ist nicht immer günstig, da das Print-Heft natürlich nicht für das iPad optimiert produziert wurde. Insofern ergeben sich hier und da Layout-Ungereimtheiten, vor allem bei Doppelseiten. 2/5

Nutzerfreundlichkeit
Man kann zwei Übersichten aufrufen, über die sich die Seiten der Ausgabe einzeln ansteuern lassen. Die Möglichkeit, Lesezeichen zu setzen, fehlt. Es gibt eine Hilfe-Seite, die die Funktion der App erklärt, aber die ist nur auf Englisch. In unserem Test stürzte die Cicero-App zudem häufig ab und musste neu gestartet werden. Aufgrund der fehlenden Multimedia-Inhalte ist die digitale Cicero-Ausgabe aber wenigstens schnell geladen. 2/5

Inhalt
Das gedruckte Cicero plus dem Video-Editorial des Chefredakteurs. Das war’s. 2/5

Preis/Leistung
Derzeit ist die Cicero-App kostenfrei im App-Store zu haben. Ursprünglich musste man mal seine Adressdaten hinterlegen, um eine Ausgabe runterladen zu können. Bei unserem Test war der Download diverser Ausgaben gratis ohne Adresseingabe möglich. Da es keinen Preis gibt, entfällt die Wertung in dieser Kategorie.

Geo Selection
Interaktivität
Man kann zu Artikeln eigene Memos anlegen und abspeichern. Das war es mit der Interaktivität. Ach so: Es gibt zu den Artikeln noch jeweils ein paar Links. 1/5

Multimedia
Die Fotos der einzelnen Reportagen lassen sich immer auch als Bilder-Galerie anzeigen. 2/5

Optik
Die Reportagen werden im Original-Layout der Print-Ausgaben gezeigt. Nicht mehr, nicht weniger. 2/5

Nutzerfreundlichkeit
Hält man das iPad horizontal sieht man eine Doppelseite und kann die Anzeige mit einem Klick vergrößern. Hält man das iPad vertikal, bekommt man nur eine Einzelseite angezeigt. Man kann zwischen den Modi “nur Text”, “Layout” und “nur Bilder” hin und herschalten sowie eine Übersicht der einzelnen Seiten der jeweiligen Ausgabe einblenden. 4/5

Inhalt
Jede Ausgabe von Geo Selection enthält drei (ausführliche) Reportagen aus der Print-Geo. Geo Selection erscheint allerdings nicht regelmäßig, sondern nur sporadisch. Die nächste wird laut Verlagsangaben im Januar 2012 erscheinen. Drei – wenn auch ausführliche – Reportagen pro Ausgabe: Das ist ein bisschen mager. 2/5

Preis/Leistung
Eine Ausgabe Geo Selection kostet 2,39 Euro. Abos oder Kombis mit der Print-Geo gibt es nicht. Für den aufgerufenen Preis erscheinen drei lange Artikel, die eins zu eins aus den Print-Ausgaben übernommen wurden, etwas überteuert. Da hilft es auch nicht, dass die Weblinks vom Chefredakteur der internationalen Geo-Ausgaben “persönlich ausgewählt” wurden, wie es in der App-Beschreibung heißt. 2/5

Fazit
Viel Licht und viel Schatten gibt es bei diesem App-Vergleich von Magazinen und Wochenzeitungen. Positiver Ausreißer waren die Apps von Stern und Rolling Stone. Das gute, alte Wundertüten-Konzept des Stern passt prima zum iPad und wurde von den Machern professionell und technisch super aufwändig umgesetzt. Den Stern auf dem iPad zu konsumieren, das macht einfach Spaß. Gleiches gilt für den Rolling Stone – wenn man ihn mal geladen hat.

Die Download-Zeit ist wegen der üppigen Multimedia-Inhalte selbst bei guter WLAN-Verbindung viel zu lang. Hier sollte man Kompromisse eingehen und einige Videos direkt online streamen. Aber kommen wir nun zum Schatten: Die App der Gala ist schlicht eine Frechheit. Schlampig programmiert, lieblos umgesetzt. Hier wurde augenscheinlich das PDF genommen und in mieser Qualität ins iPad gekippt. Lieber auf eine App verzichten, als so etwas veröffentlichen. Erstaunlich, dass sowohl der Stern als auch die Gala bei aus dem Hause Gruner + Jahr kommen. Ebenfalls eine Enttäuschung ist die Geo Selection App.

Nur drei Reportagen, eine unregelmäßige Erscheinungsweise und ein überhöhter Preis – was soll das? Wenn man offenkundig so wenig Lust auf das iPad hat, könnte man es konsequenterweise gleich lassen. Aber wenigstens ist die Geo-App im Vergleich zur Gala ordentlich programmiert und lief einigermaßen reibungslos. Positiv aufgefallen ist außerdem, dass auch eine regionale Sonntagszeitung wie die Rheinische Post eine sehr respektable App auf die Beine stellen kann. Bei der FAS fällt auf, dass die App im Vergleich zur iPad-Version der Tageszeitung wesentlich durchdachter ist.

Und die Zeit? Einerseits, andererseits. Einerseits ist bei der Zeit alles professionell gemacht und man schafft es, den Zeit-typischen Stil aufs iPad rüberzuziehen. Andererseits klebt die Zeit-App noch viel zu sehr an der Print-Denke. Dass sich die Weblinks innerhalb der App nicht anklicken lassen, ist ein ärgerliches Detail. Ansonsten gilt: beim nächsten Update wird hoffentlich alles besser!

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