WAZ-Übernahme weiter in der Schwebe

Ein Treffen von Gesellschaftern der Essener WAZ Mediengruppe am vergangenen Freitag hat nach MEEDIA-Informationen noch nicht den Weg für eine Neuordnung des Konzerns freigegeben. WAZ-Gesellschafterin Petra Grotkamp will die Anteile des Brost-Stamms für 470 Millionen Euro kaufen. Wie zuvor das Manager Magazin berichtet hatte, hakt der Abschluss noch an einer Finanzierungslücke in Höhe von 50 Millionen Euro. Der Verkauf an Frau Grotkamp wird aber vermutlich trotzdem bald möglich sein.

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Das in WAZ-Dingen für gewöhnlich sehr gut informierte Manager Magazin hatte ans Tageslicht gefördert, dass sich die zum Familienstamm Funke gehörende Gesellschafterin Petra Grotkamp 200 Millionen Euro von Banken leihen will, um das Geschäft mit den verkaufswilligen Erben des Familienstamms Brost abzuschließen. Doch da die WAZ-Anteile aller Gesellschafter vinkuliert sind, d.h. ein Verkauf an Dritte von der Zustimmung der anderen Gesellschafter abhängig ist, kann Grotkamp ihre bestehenden Anteile an dem Medienkonzern nicht als Sicherheit bei einer Bank hinterlegen.

Die Vinkulierung soll nun auf Wunsch von Petra Grotkamp gelockert werden. Diesem Begehren müssen die anderen Gesellschafter der Funke Familiengesellschaft (FFG) stattgeben. Auch die beiden Funke-Gesellschaftervertreter Klaus Schubries und Stephan Holthoff-Pförtner könnten durchaus ein Interesse an einer Lockerung haben. Ließen sich doch im Zweifelsfall eigene Anteile bei Bedarf veräußern, ohne auf den guten Willen der anderen Gesellschafter angewiesen zu sein. Doch offenbar wurden am Freitag noch nicht alle notwendigen Abmachungen getroffen. Beobachter gehen davon aus, dass eine Lösung innerhalb der FFG gefunden wird, das zeitweise frostige Klima unter den Gesellschaftern soll sich zwischenzeitlich verbessert haben.

Die Zeit drängt derweil, wie es so schön heißt. Der Testamentsvollstrecker der Brost-Seite, Peter Heinemann, hatte dem Verkauf an Frau Grotkamp in der vergangenen Woche zugestimmt. Im Manager Magazin berichtete Klaus Boldt, die Banken hätten schon am Freitag mit einer Einigung im Funke-Stamm gerechnet, bzw. diese auch von Petra Grotkamp erwartet. Erst wenn der Kredit steht, kann naturgemäß der Verkauf über die Bühne gehen.

Und auch erst dann wird sich zeigen, welche Struktur der WAZ-Konzern in Zukunft haben soll. Denn dann gibt es zwar weiterhin zwei Stämme, denen jeweils 50 Prozent an dem Konzern gehören. Aber der eine Stamm wäre dann im vollständigen Besitz von Frau Grotkamp, und der andere, die Funke-Seite, weiterhin im Besitz der drei Gesellschafter Grotkamp, Schubries und Holthoff. Und auch hier gälte weiterhin das Prinzip, dass Entscheidungen im Konzern nur simultan entschieden werden können. Frau Grotkamp könnte also trotz des Zuwachses ihrer Anteile nicht durchregieren. Außer, auch die Entscheidungsstrukturen ändern sich, nachdem der Verkauf abgeschlossen ist. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

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