Die Autoliebe der „Tatort“-Kommissare

Die fast schon symbiotische Beziehung zwischen “Tatort”-Ermittlern und Neuwagen deutscher Fabrikation wurde diese Woche am Beispiel des jüngsten Furtwängler-"Tatorts" eindrucksvoll bei YouTube im Stil eines VW-Werbefilms dokumentiert. Und sonst: Frank Elstner twittert, Spiegel-Chef Mascolo will sich von der Bild in Sachen Kredit-Affäre des Bundespräsidenten nicht die Wurst vom Teller ziehen lassen und der Stern versucht mit einem homoerotischen Foto-Klassiker zu punkten.

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Schicke Neuwagen deutscher Hersteller gehören zum typischen “Tatort” genauso wie verworrene Handlungsstränge, deprimierte Blicke und hängende Mundwinkel. Schleichwerbung ist das nach öffentlich-rechtlicher Lesart nicht, höchstens “Produktionskostenhilfe”. Der jüngste “Tatort” mit Burda-Gattin Maria Furtwängler in der Hauptrolle war wieder ein Paradebeispiel für diese ganz spezielle Beziehung zwischen “Tatort”-Kommissar(in) und Auto. Diverse VW-Modelle wurden da, wie aus dem Hochglanz-Prospekt entsprungen, ins milde Licht gerückt. Das Panorama-Glasdach! Der Regen-Sensor! Wie sich das Auto von alleine abschließt (Keyless Access)! Der Spießer Alfons hat mich im Off the Record Blog auf einen kleinen YouTube-Film aufmerksam gemacht, der in gut sechs Minuten die ganzen VW-Szenen des jüngsten “Tatort” sehr schön zusammenfasst. So geballt hat das schon eine gewisse Werbe-Wirkung. Es ist ja auch der “Tatort” aus dem VW-Land Niedersachsen gewesen. Also: Es lebe der Föderalismus. Auch bei der Produktionskostenhilfe.
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Noch so ein Niedersachsen-Original ist unser Bundespräsident Christian Wulff. Die beim Spiegel haben sich mutmaßlich geärgert, dass die Bild die Kredit-Affäre des notorisch gut gelaunten Bundespräsidenten in dieser Woche enthüllte. Immerhin notierte FAZ-Mann Frank Schirrmacher, dass auch der Spiegel schon seit August von dem ominösen Privatkredit eines niedersächsischen Unternehmers an den früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten Wulff wusste. Aufgeschrieben hat es jetzt aber die Bild. Spiegel-Chef Georg Mascolo hielt es in der “Beckmann”-Sendung am Donnerstag dann kaum noch aus und kündigte an, dass der Spiegel in der Causa Wulff nachlegen werde: “Wir sind vom Kern dessen, was die Geschichte ausmacht, noch weit entfernt”, sagte Mascolo zu Beckmann und weiter: “Ich halte für den Kern der Frage, ob es tatsächlich Frau Geerkens ist, von der er das Geld bekommen hat – oder ob es nicht in Wirklichkeit ein Kredit von Herrn Geerkens ist. Wenn das der Fall ist – und ich glaube, sehr viel spricht dafür –, dann hat Christian Wulff gegenüber dem Parlament nicht die Wahrheit gesagt.“ Da dürfen wir ja mal gespannt sein, was der Spiegel am nächsten Montag auf dem Titel hat. Vorher gewusst, dass da was Übelriechendes auf den Wulff zurollt, hat übrigens auch Jörg Kachelmann. Der Wetter-Experte twitterte Mitte der Woche: “Jetzt weiß ich, was Bild-Heidemanns vor gut nem Jahr meinte, als er zu mir sagte, dass er ‘gegen Wulff noch Einiges in der Schublade’ hätte.” Martin Heidemanns war einer der Autoren des ersten Bild-Stücks über die Wulff’sche Kredit-Affäre. Es macht sich das Gefühl breit, dass in den Schubladen von Heidemanns und dem Spiegel noch mehr übelriechendes Zeug rumliegen könnte.

A propos Twitter: Wer noch einen Beweis gebraucht hat, dass Twitter in der Mitte der (Medien)gesellschaft angekommen ist, bittesehr: Frank Elstner, der freundliche Buchhalter unter Deutschlands Showmastern, twittert. Er fragt, was so ein “häschtag” ist, lässt die Nutzer über die Krawatten-Wahl zu seiner SWR-Talkshow “Menschen der Woche” (Häschtag: #mdw) abstimmen, fragt nach Meinungen zu den Themen seiner Talkshow und hat mit seinen freundlichen Twittereien schon knapp 4.000 Follower eingesammelt. Laut Elstners Tweet Number one handelt es sich um ein 100 Tage Twitter Experiment. Bitte lieber Herr Elstner, machen sie auf weiter! Das Netz braucht auch freundliche Herren in graubraunen Anzügen!

Der Stern hat diese Woche einen echten Klassiker aufs Cover gehievt. Der kernige Bursche mit nackigem Oberkörper, der ein paar ganz dicke Reifen schleppt ist “Fred with tires”. Das Foto stammt aus einer ganzen Reihe dieses Namens und ist vom berühmten Fotografen Herb Ritts. Die Aufnahme hat schon einige Jahre auf dem Buckel (stammt  ca. von 1984) und gilt als Fotografie-Klassiker. Den Blattmachern vom Baumwall diente es zur Illustration der Geschichte “Arbeit ist der neue Sex”. Ist ja auch mal was anderes als immer nur nackte Weiber beim Arzt. Bleibt für die Stern-Macher zu hoffen, dass der fesche Fred mit seinen Reifen keine Bremsspuren am Kiosk hinterlässt.

Schönes Wochenende!

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