Guttenberg-Shitstorm entlädt sich über Kroes

Die Europa-Politikerin Neelie Kroes hat mit der Berufung Karl-Theodor zu Guttenbergs zum Internetberater der EU-Kommission einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Er entlädt sich auf sämtlichen Social-Media-Kanälen, in denen die 70-Jährige aktiv ist: „Die Benennung grenzt an Vetternwirtschaft - weder Qualifikation noch Reputation sind vorhanden“, kritisiert ein Nutzer bei Facebook. Einige Verärgerte haben bereits eine Petition gegen zu Guttenbergs Ernennung gestartet.

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Als Begründung der Petition „zu Guttenberg muss die Europäische Kommission verlassen“ schreiben die Initiatoren: „K.T. zu Guttenberg ist als Person nicht geeignet, die europäische Bevölkerung im Rahmen einer Mitarbeit in der Europäischen Kommission zu vertreten, weil er nicht als genügend vertrauenswürdig gelten kann.“ Weiter heißt es: „Insbesondere wiegt dies schwer, weil Herr zu Guttenberg sich bisher in einer Art und Weise zum Thema ‚Freie Meinungsäußerung im Internet’ positioniert hat, die im direkten Gegensatz zum Gedanken des freien, unzensierten Meinungsaustausches steht.“
Zu Guttenberg hatte sich als aktiver Politiker für Internetsperren und die Vorratsdatenspeicherung eingesetzt. Das brachte ihm bereits am gestrigen Dienstag viel Kritik ein. „Ausgerechnet er soll nun Freiheitskämpfern im Netz helfen. Das ist absurd“, kommentierte Spiegel Online. Sueddeutsche.de bezeichnete die Berufung in die europäische Kommission als „Fortsetzung einer Politsatire“. Und Piratenpartei-Mitglied Claudius Holler hielt Guttenberg für den Job in etwa so geeignet wie „Hugh Hefner als Gleichstellungsbeauftragter“.
Nach der Medienschelte für zu Guttenberg sieht sich nun auch seine Gönnerin Kroes mit hämischen Kommentaren konfrontiert. In einem Blogbeitrag nahm sie Stellung und schrieb, brauche „jemanden mit internationaler Perspektive und Kontakten wie er sie hat, um die Umsetzung der Strategie (Freiheit im Internet, Anm. d. Red.) voranzutreiben“. Ihre Einladung an ihn bedeute nicht, dass sie Plagiate guthieße.
Bei den Nutzern stößt ihre Stellungnahme auf nur wenig Verständnis. Für die Blogbeiträge exemplarisch ist u.a. dieser Kommentar: „Ihre Stellungnahme ist doch wohl der Witz des Jahres.“ Ein anderer Leser kritisiert, Kroes würde zu Guttenberg mit einer noch viel wertvolleren Währung als Geld bezahlen: „mit Medienpräsenz, mit einer seriösen Tätigkeit, mit der Möglichkeit, sich weiter und tiefer zu vernetzen, mit der Möglichkeit, sich öffentlich positiv darzustellen.“
Medienwirksam war die Berufung zu Guttenbergs durch Neelie Kroes auf jeden Fall. Aber sie hat die Politikerin in ein zweifelhaftes Licht gerückt.

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