Zeitungen auf dem iPad: Tops und Flops

Tablet PCs und vor allem das iPad faszinieren Medienmacher und Verlage nach wie vor. MEEDIA hat zehn Tageszeitungs-Apps für das iPad herausgesucht, nach verschiedenen Kriterien ausführlich getestet und bewertet - von FAZ bis Bild. Dabei zeigt sich: Die meisten iPad-Zeitungen kleben noch sehr nah an der Print-Ausgabe. Das muss aber auch nicht unbedingt ein Fehler sein - wenn man es richtig macht. Und: Preis und technische Zuverlässigkeit sind wichtige Punkte, bei denen es hier und da noch kräftig hapert.

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Zunächst einmal: Warum haben wir nur Apps für das iPad getestet? Nach wie vor ist das iPad bei den Tablet-Computern das Maß der Dinge. Mittlerweile gibt es zwar einige Konkurrenzprodukte, die technisch ähnlich ausgereift sind. Aber das iPad steht technisch und in Sachen Marktanteile nach wie vor an der Spitze. Außerdem steht das iPad exemplarisch für die gesamte Gattung der Tablet-Computer. Die Funktionalitäten der Tageszeitungs-Apps sind im wesentlichen gleich, egal ob auf dem iPad, einem Galaxy Tab oder einem anderen Gerät.

Für unseren Test haben wir aus dem App-Store zehn der beliebtesten Apps von Tageszeitungen herausgesucht. Dabei haben wir auf einen Mix geachtet: Es sind Tageszeitung-Apps dabei, die sich darauf beschränken, möglichst nur ein Abbild der gedruckten Zeitung zu sein. Andere sind speziell fürs iPad entwickelte Digital-Magazine. Jede App wurde von uns an jeweils einem Tag anhand von sechs Kriterien ausführlich getestet. Am Ende steht für jedes Kriterium eine Zahlenwertung mit fünf maximal möglichen Punkten. In einem Fazit fassen wir die Eindrücke nochmals kurz zusammen. In weiteren App-Tests wollen wir demnächst auf gleiche Weise Apps von Magazinen und Wochenzeitungen sowie Apps von Special-Interest-Titeln testen.

Süddeutsche Zeitung

Interaktivität: Man kann Artikel favorisieren, es gibt einige (wenige) interaktive Grafiken. 1/5

Multimedia: Die tägliche Streiflicht-Glosse kann man sich vorlesen lassen. Es gibt auch die Möglichkeit, “Videos” zu laden. Welche Videos das sind, erfährt man leider nicht, ebensowenig wie weit die Videos geladen sind. Wir haben nach 20 Minuten das Laden der Videos ohne Ergebnis abgebrochen. 1/5

Optik: Die Ressorts und die Aufteilung der Print-Zeitung werden exakt in die App übernommen, aber iPad-freundlich aufbereitet. Die App sieht hochwertig aus und lässt sich gut lesen. 4/5

Nutzerfreundlichkeit: Hält man das iPad horizontal, ändert sich an der Artikel-Ansicht nichts, außer dass an der Seite ein Inhaltsverzeichnis eingeblendet wird. Ein bisschen verwirrend ist es, dass man auf die Aufmacher-Bilder klicken muss, um einen Artikel lesen zu können. Nach ein paar Minuten des Herumprobierens kommt man mit der SZ-App aber gut zurecht. Eine Ausgabe kommt auf rund 60 MB und lässt sich schnell und problemlos laden. Die aktuelle Ausgabe steht jeweils ab 19 Uhr am Vortag bereit. 3/5

Inhalt: Es gibt die Inhalte der Süddeutschen Zeitung von jeweiligen Tag plus nicht näher bezeichnete “Videos”, die wir in unserem Test leider nicht laden konnten. 3/5

Preis/Leistung: Eine Einzelausgabe der Süddeutschen als App kostet 1,59 Euro., Ein Monatsabo der App inklusive dem SZ Magazin kostet 29,99 Euro. Für Print-Abonnenten ist die App ohne Mehrkosten inklusive. 3/5

Handelsblatt

Interaktivität: Praktisch nicht vorhanden. 0/5

Multimedia: dito 0/5

Optik: Es wird ein Abbild der Print-Zeitung geboten sowie ein Lese-Modus. 1/5

Nutzerfreundlichkeit: Es gibt ein Inhaltsverzeichnis und ein Seitenverzeichnis, das man einblenden kann. Die Orientierung fällt hier leicht. Verwirrend: Manche Artikel der Zeitungsseite werden im Lesemodus nicht angezeigt. Teils wird bei Artikeln auf weitergehende Berichte auf einer anderen Seite verwiesen. Manchmal fehlen diese Artikel dann im Lesemodus, manchmal sind sie da, aber ohne den Verweis auf die weitergehenden Artikel. 2/5

Inhalt: Es gibt exakt die Inhalte des gedruckten Handelsblatts.Zur Verfügung steht die Ausgabe ab 23 Uhr des Vortages. Da es sich um ein “reines” PDF handelt sind die Ausgaben sehr schnell geladen. 3/5

Preis/Leistung: Eine Ausgabe kostet 1,59 Euro, ein Monatsabo der App 29,99 Euro. Angesichts dessen, dass es sich “nur” um ein PDF handelt, erscheint das als zu teuer. Immerhin: Für Print-Abonnenten ist die App gratis. 2/5

FAZ

Interaktivität: Man kann bis zu 80 Artikel auf einem “Merkzettel” speichern. Wer ein Abo hat, darf Suchworte definieren, nach denen die jeweils aktuelle FAZ-Ausgabe durchforstet wird, “Themen Monitor” nennt sich das dann. 2/5

Multimedia: Fehlanzeige 0/5

Optik: Edle, lederartige Optik. Die Zeitung sieht auch auf dem iPad gut aus, beschränkt sich aber auf das Abbilden der Original-Zeitungsseiten. 3/5

Nutzerfreundlichkeit: Man kann frei auf der Zeitungsseite lesen. Tippt man Artikel an, wechselt die App in einen Lese-Modus, der unverständlicherweise ohne Bilder auskommt. Sehr schlecht: Artikel mit Fortsetzung auf einer anderen Seite werden auch im Lesemodus nicht vollständig angezeigt. Features wie das Kreuzworträtsel sind in der App nicht nutzbar, da es sich um eine reine Übertragung der Zeitung in App-Form handelt. 2/5

Inhalt: Die FAZ ist eine tolle Zeitung. Als App bietet sie exakt das gleiche wie gedruckt, mit leichten Abstrichen (siehe oben). Zur Verfügung steht die Ausgabe am Vortag um 21.30 Uhr. 3/5

Preis/Leistung: Eine Ausgabe kostet 1,59 Euro, ein Wochenabo der App 8,99 Euro. Beim E-Paper-Abo für 17,99 Euro ist die App inklusive. Print-Abonnenten müssen für E-Paper und App unverständlicherweise 6,90 Euro zusätzlich zahlen. Dafür gibt’s Abzüge. 2/5

Tagesspiegel

Interaktivität: Der Tagesspiegel bietet auf der Startseite seiner App einen Mix aus Web-Inhalten und der Zeitung. Die Artikel der Website sind auch in der App gratis, wer das PDF der Zeitung will, muss zahlen. 1/5

Multimedia: Es gibt gesammelte Fotogalerien. 1/5

Optik: Die Optik der Startseite ist ein wenig kleinteilig geraten aber übersichtlich. Die Zeitung selbst präsentiert sich als reines Print-Abbild mit Seitenverzeichnis und Inhaltsleiste. 3/5

Nutzerfreundlichkeit: Navigiert man in der Zeitung kann man mit dem bewährten Doppeltipp auf die Seite Inhalte vergrößern und verkleinern. Man kann auch einen so genannten "Blue Frame"-Modus beim E-Paper aktivieren. Dann erscheint um die meisten (seltsamerweise nicht alle) Artikel ein dünner blauer Rahmen. Klickt man nun auf die Artikel öffnen sich diese in einem Lesemodus, man kann die Schriftgröße verstellen und hat auch einen Druck-Button. Warum der Umweg über die blauen Rahmen gewählt wurde, erschließt sich freilich nicht so recht und es verkompliziert die Sache unnötig. 3/5

Inhalt: Die Tagesspiegel-App bietet die gesamte Zeitung plus Inhalte aus dem Web. Das ist ein recht umfassendes Paket. Das E-Paper der Zeitung steht am Vortag ab 19 Uhr zur Verfügung 4/5

Preis/Leistung: Eine Einzelausgabe der Zeitung kostet 79 Cent, ein Monatsabo der App 14,99 Euro. Das E-Paper der App ist beim Print-Abo inklusive. 4/5

Frankfurter Rundschau

Interaktivität: Es gibt Links zu den Diskussionsforen der Website und interaktive Info-Grafiken sowie ein interaktives Zahlenrätsel. 4/5

Multimedia: Foto-Galerien, wie die aufwändigen “Bilder des Tages”, Videos und in jeder Ausgabe eine kleine Foto-Reportage namens “Foto-Reporter” – ein Mix aus Bilderschau und Ton-Aufnahmen. 5/5

Optik: Tolle, magazinige Optik, gute Bildauswahl, große Aufmacher-Fotos. Man sieht der App an, das sie speziell für das iPad konzipiert wurde. 5/5

Nutzerfreundlichkeit: Hält man das iPad horizontal befindet man sich in einer Art Layout-Modus mit Bildern, Grafiken und Text. Hält man das iPad vertikal wechselt die App in einen Lese-Modus, der keine Ablenkung vom Text bietet. Alle Features wie Galerien, Grafiken oder Navigation erklären sich praktisch von selbst. 5/5

Inhalt: Die App der FR bietet eine Art Best-of der Tageszeitung plus exklusive Inhalte für die App, wie die Foto-Reporter Slideshow. Für ein interaktives Tagesmagazin sind das schon sehr viele Inhalte. Auch einige regionale Themen aus Frankfurt und Rhein-Main, vor allem beim Sport, fehlen nicht. 4/5

Preis/Leistung: Eine Einzelausgabe kostet 79 Cent, ein Monatsabo 17,99 Euro. Es gibt zudem diverse Kombi-Modelle inklusive iPad und/oder gedruckter Zeitung. Der Einzelpreis von 79 Cent ist bei dem betriebenen Aufwand mehr als gerechtfertigt. 5/5

Die Welt

Interaktivität: Es gibt ein interaktives Sudoku-Rätsel, man kann einzelne Artikel favorisieren und es gibt eine sehr einfach und gut gelöste Integration von Facebook und Twitter. 3/5

Multimedia: Es gibt die üblichen Bilder-Galerien, u.a. auch eine schöne Bilder-des-Tages Galerie und Videos. 3/5

Optik: Die Optik ist aufgeräumt und “zeitungsmäßig”. Das Layout wurde gut an das iPad angepasst, die App ist nicht nur eine Umsetzung der gedruckten Zeitung. 3/5

Nutzerfreundlichkeit: Man findet sich sehr schnell zurecht, keine Fragen bleiben offen. Fehlbedienung ist praktisch ausgeschlossen. Die App lädt auch extrem schnell im Hintergrund. Während des Ladevorgangs kann man bereits Artikel öffnen und lesen. Technisch sehr ausgereift. 5/5

Inhalt: Man bekommt die Inhalte der gedruckten Welt, plus ein paar Goodies wie die Bilder des Tages. Außerdem gibt es sonntags die deutlich aufwändiger gestaltete App-Ausgabe der Welt am Sonntag dazu. 3/5

Preis/Leistung: Schade: Einzelausgaben kann man nicht kaufen, dafür gibt es Abzüge. Ein iPad-Abo kostet pro Monat 12,99 Euro. Im Print-Abo ist die App inklusive. Gut, dass die WamS im App-Abo enthalten ist. 4/5

Bild

Interaktivität: Kreuzworträtsel, lokales Wetter, Gehirn-Jogging, digitaler Advents-Kalender. In der Bild-App stecken eine Menge interaktiver Gimmicks. 4/5

Multimedia: Es gibt Videos, einzelne Artikel werden vorgelesen, ein “Lachsack” trägt Witze vor. Es gibt eine aktuelle Sport-Datenbank und viele, viele Bilder und Bild-Galerien. 5/5

Optik: Bild-typisch geht es ziemlich grell und absichtlich unübersichtlich zu. Insgesamt findet man sich in der knallbunten Bild-Welt auf dem iPad aber gut zurecht.

Nutzerfreundlichkeit: Die Navigation ist intuitiv, durchdacht und verständlich. Videos und Zusatz-Elemente funktionieren in der Regel reibungslos. Was fehlt, ist ein leicht zugängliches Inhaltsverzeichnis oder eine Übersicht über eine einzelne Ausgabe. 4/5

Inhalt: Alles, was in der aktuellen Bild steht und Einiges mehr. Die vielen interaktiven Elemente und die umfangreiche Sport-Datenbank bekommen die App-Leser obendrauf. Zu der quietschbunten Bild-App gibt es immer auch die PDF-Version, die eine Eins-zu-Eins-Umsetzung der gedruckten Zeitung bietet. 5/5

Preis/Leistung: Leider hat Bild die Möglichkeit abgeschafft, Einzelausgaben für 79 Cent zu kaufen. Seit dem jüngsten Update der App gibt es die Bild-App fürs iPad nur noch im Abo (dafür darf man wieder gratis vom iPad aus auf die Web-Version Bild.de). Ein Monat Bild App kostet nun 12,99, inklusive der PDF-Ausgabe der Bild Am Sonntag 14,99 Euro. 79 Cent waren ein guter Preis für eine einzelne iPad-Bild. Nun gibt es einen Abzug in der Wertung wegen des fehlenden Einzelverkaufs. 3/5

WAZ

Interaktivität: Keine, es handelt sich um ein reines PDF der gedruckten Zeitung. 0/5

Multimedia: Fehlanzeige. 0/5

Optik: Man sieht das PDF der Zeitung – nicht mehr, nicht weniger. 2/5

Nutzerfreundlichkeit: Startet man die App, kann man wählen welche WAZ-Regionalausgabe man laden möchte. Der Ladevorgang geht dann sehr schnell. Unten gibt es eine Leiste mit farbigen Punkten, die die Ressorts symbolisieren und die Seiten als Mini-Vorschau anzeigen, so dass man direkt dorthin springen kann. Aufgrund des beschränkten Funktionsumfangs findet man sich recht leicht zurecht. 3/5

Inhalt: Man bekommt das PDF der WAZ. Mit einem Button kann man zusätzlich die Website derwesten.de direkt aus der App aufrufen. 2/5

Preis/Leistung: Eine PDF-Ausgabe kostet 79 Cent. Ein Monatsabo des E-Paper kostet 14,99 Euro. 2/5

Kölner Stadt-Anzeiger

Interaktivität: Gleich zu Beginn hat man die Auswahl aus vier Top-Themen der einzelnen Ressorts, die man direkt anwählen kann. Es gibt viele interaktive Grafiken und spielerische Elemente wie einen digitalen Adventskalender, außerdem ein interaktives Sudoku-Spiel. 4/5

Multimedia: Es gibt Bilder des Tages als Galerie, weitere Bilder-Galerien sowie recht viele Videos, die meist direkt aus dem Internet geladen werden. 4/5

Optik: Großzügige, magazinige Optik mit vielen tollen Bildern und Grafiken. Wie bei der Frankfurter Rundschau, die ebenfalls aus dem Kölner Verlag M. DuMont Schauberg kommt, wird hier ein echtes digitales Tagesmagazin geboten.

Nutzerfreundlichkeit: Man findet sich sehr schnell zurecht. Über diverse Navigationsebenen lassen sich die Inhalte der App gut und einfach aufrufen. Anders als bei den meisten anderen Apps, wird der Kölner Stadt-Anzeiger als App ausschließlich horizontal angezeigt, was aber nicht stört. Auf einen reinen Lese-Modus wird verzichtet. 4/5

Inhalt: Geboten wird, wie bei der FR App, ein Best-of der Print-Ausgabe plus zusätzliche iPad-Inhalte. Die App des Kölner Stadt-Anzeigers ist zudem mit regionalen und lokalen Inhalten gespickt. So lassen sich über eine Übersichtskarte gezielt Nachrichten aus Stadtteilen aufrufen, die dann aus dem Internet gespeist werden. 5/5

Preis/Leistung: Eine Einzelausgabe kostet 79 Cent, das Monatsabo 17,90 Euro. Wie bei der FR gibt es diverse Kombi-Angebote mit Print-Zeitung und/oder iPad. 5/5

Saarbrücker Zeitung

Interaktivität: Die Saarbrücker Zeitung bietet bei ihrer App wie der Tagesspiegel eine Art Homepage auf dem iPad (beide Zeitungen gehören zu Holtzbrinck). Man kann lokale Inhalte der Website gratis aufrufen, es gibt Wetter-Infos und einen Terminkalender sowie die PDF-Ausgabe der Tageszeitung. 2/5

Multimedia: Fehlanzeige 0/5

Optik: Die Übersichtsseite der App selbst sieht gut aus. Das E-Paper ist vermutlich ein Abbild der gedruckten Zeitung. Für unseren Test war es aufgrund technischer Probleme der App nicht möglich, eine funktionierende E-Paper-Ausgabe zu laden.

Nutzerfreundlichkeit: Die App selbst ist übersichtlich, bietet aber auch nur einen reduzierten Funktionsumfang. Die Nutzerfreundlichkeit des E-Papers können wir nicht bewerten. Schlecht: Bevor man eine E-Paper-Ausgabe kaufen kann, muss man sich erst registrieren. 2/5

Inhalt: Das E-Paper bietet laut den Beschreibungen des Verlages den Inhalt der gedruckten Zeitung. Die Zusatzinhalte der App beschränken sich auf lokale Inhalte des Web-Angebots. 3/5

Preis/Leistung: Eine E-Paper-Ausgabe kostet 79 Cent, ein Monatsabo der App 16,99 Euro. Print-Abonnenten müssen unverständlicherweise 5,99 Euro für die App zusätzlich zahlen, obwohl das E-Paper auf dem PC beim Print-Abo inklusive ist. Wenn alles funktionieren würde: 2/ 5

Fazit

Der Markt der Tageszeitungs-Apps lässt sich in drei Felder unterteilen. Da haben wir jene, die wir mal die Digital-Vorreiter nennen wollen. Dazu gehören Apps wie jene der Frankfurter Rundschau, des Kölner Stadt-Anzeigers und der Bild-Zeitung. Alle drei bieten viel Zusatznutzen im Vergleich zur Zeitung. Bei FR und Stadt-Anzeiger haben die Apps mit den gedruckten Zeitungen nur noch wenig gemein. Die App-Ausgaben sind eigenständige Digital-Magazine, die fast zu viel bieten, um es an einem einzigen Tag konsumieren zu können. Der Aufwand, der hier betrieben wird, ist beträchtlich. Allerdings ist es mehr als fraglich, ob sich ein solcher Aufwand derzeit schon rechnet. Immerhin ist das iPad bei allem Erfolg kein Massenprodukt und FR und Stadt-Anzeiger sind regionale Titel. Seit kurzem bieten beide DuMont-Zeitungen ihre App-Ausgaben aber auch für Android-Tablets an.

Die Bild brennt mit ihrer iPad-Ausgabe ein technisches Feuerwerk ab. Völlig unverständlich allerdings, warum der Verlag die Nutzer nun zu einem Abo zwingt und den Verkauf von Einzelausgaben aufgegeben hat. Vielleicht ist es ja das Herumexperimentieren mit dem Pricing, was die Verlags-Strategen dazu treibt. MEEDIA-Prognose: Die Nutzer wollen gerade bei einem Boulevardtitel wie Bild auch die Möglichkeit zum Einzelkauf haben – erste erboste Kommentare im App-Store gehen auch in diese Richtung. Gut möglich, dass Springer die Möglichkeit des Einzelkaufs über kurz oder lang wieder einführt.

Alle anderen getesteten App-Ausgaben bleiben hinter diesem Top-3-Feld deutlich zurück. Es gibt noch eine Art Mittelfeld mit den Apps von Welt, Tagesspiegel, SZ und FAZ. Diese bieten mehr oder weniger das gleiche, was die Zeitung auch bietet, aber in einer für das iPad optimierten Form. Das ist im Prinzip nicht schlecht und kann, wenn das Pricing stimmt, eine gute und sinnvolle Ergänzung zur gedruckten Zeitung sein. Ärgerlich natürlich, wenn es dann an der Technik hapert (wie beim missglückten Video-Laden der SZ), wenn man den Print-Abonnenten doppelt abkassieren will (wie FAZ und Saarbrücker Zeitung) oder man hier und da einfach zu wenig Hirnschmalz investiert hat. Dass man bei der FAZ-App die Fortsetzung von Artikeln sich händisch zusammensuchen muss, das darf bei einem digitalen Angebot einfach nicht vorkommen. Vor allem wenn dahinter angeblich immer en "kluger Kopf" steckt (Eigenwerbung FAZ).

Und dann gibt es jene Tageszeitungs-Apps, die mehr oder minder unreflektiert und mehr oder minder fehlerhaft ihre PDFs irgendwie in App-Form gebracht haben. Das funktioniert beim Handelsblatt und bei der WAZ technisch ohne Probleme, ist aber auch nicht sehr anspruchsvoll. Man kann dies höchstens noch als Service für Abonnenten durchgehen lassen. Zeitgemäß ist das aber nicht. Wenigstens sind die E-Paper-Ausgaben auch meisten bei den Print-Abos inklusive (Ausnahmen: FAZ und Saarbrücker Zeitung). Beim Handelsblatt muss man hinzufügen, dass es mit Handelsblatt first noch eine eigenständige App gibt, die die Möglichkeiten des iPad besser nutzt. Da es hier aber explizit um einen Vergleich der Tageszeitungs-Apps handelt, haben wir diese nicht mit in den Vergleich aufgenommen. Pech mit der Technik hatten wir bei der App der Saarbrücker Zeitung. Über mehrere Tage hinweg gelang es uns nicht, eine E-Paper-Ausgabe zu laden und anzeigen zu lassen. Erboste Kommentare im App-Store zeigen, dass dies kein Einzelfall ist.

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