Zu nah dran: GQ und Daimler-Chef Zetsche

Die aktuelle GQ hat ein Interview mit Daimler-Chef Dieter Zetsche im Blatt, das ein Gschmäckle hat. Der oberste Hüter der Automarke Mercedes darf erläutern, warum das Auto mit dem Stern bald cool sein wird. Praktisch, dass sein Gesprächspartner David Pfeifer vom Mercedes Magazin kommt. Und sonst: Markus Schächter verrät immer noch nicht, wer "Wetten dass..?" bekommt, Wired bekommt zwei neue Ausgaben und Franz Josef Wagner bekommt Schaum vor dem Mund, denkt er an Richard David Precht.

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Die aktuelle GQ aus dem Hause Condé Nast hat es geschafft, ein großes Interview mit Daimler-Chef Dieter Zetsche zu bekommen. Der Auto-Manager darf im ausführlichen Gespräch mit David Pfeifer verraten, wie Mercedes bald ganz cool wird. Wäre Mercedes eine Person, so verrät Zetsche, wäre er zwar der Klassenprimus, aber nicht jeder gehe gern ein Bier mit ihm trinken. Künftig komme es darauf an, Autos zu bauen, die "Genuss ohne Reue" bieten. Alles sehr geschmeidig. Aber das auf dem Titel der Zeitschrift angepriesene Gespräch hat ein Gschmäckle. Interviewer David Pfeifer ist nämlich verantwortlicher Redakteur des Mercedes Magazins. Und jetzt raten Sie mal, welcher Verlag die Kundenzeitschrift Mercedes Magazin rausbringt: Condé Nast. Das ist dann vielleicht ein bisschen zuviel Dienst am Kunden.

Nochmal GQ – wenn auch nur als Huckepackträger: Condé Nast hat in dieser Woche bekanntgegeben, dass die deutsche Wired im nächsten Jahr wiederkommt. Das ist zunächst einmal erfreulich. Aber nur zweimal und wieder im Doppel mit GQ. Von der ersten deutschen Wired-Ausgabe seien im Bundle mit GQ 110.000 Stück verkauft worden. Darüber, wie viele Wired-Exemplare zu einem späteren Zeitpunkt solo über die Theke gingen, schweigt der Verlag. Es ist anzunehmen, dass es nicht allzu viele waren. Die Neugier auf das Heft war wohl so groß, dass sich die allermeisten Interessierten die deutsche Wired gleich zusammen mit der GQ holten. Aber über die Akzeptanz der Marke Wired in Deutschland sagt die unselige Koppelung an die GQ nach wie vor wenig aus. Aussagekräftiger ist da schon eher die Zahl von 14.000 verkauften Wired-Apps fürs iPad. Das ist in der Tat eine lupenreine Erfolgsmeldung.

Das Meinungs- und Debattenportal The European macht ab und zu auch Interviews. Diesmal hat European-Chef Alexander Görlach den noch amtierenden ZDF-Intendanten Markus Schächter befragt. Aber, oh weh, auch in diesem Gespräch keine neuen Informationen zur "Wetten dass..?"-Nachfolge. "Ich habe mir fest vorgenommen, Ihnen heute alle Namen zu nennen, die wir nicht wollen", sagt Schächter lediglich und tut es dann doch nicht. Schade. Aber das ZDF werde an "Wetten dass..?" festhalten, bekräftigt Schächter ein weiteres Mal. Es klingt fast wie eine Drohung. Das ganze Hickhack um die Nachfolge von Thomas Gottschalk ist mittlerweile zu einem unwürdigen Spektakel für den abgetakelten alten Show-Dampfer verkommen. Das wird für die Sendung kein gutes Ende nehmen.

Kann man sich vorstellen, dass Bild-Briefe-Onkel Franz-Josef Wagner und der In-Philosoph Richard David Precht in einer Berliner Kneipe zusammen ein Bier trinken? Wohl kaum. Eher würde der eine dem anderen aufs Maul hauen. Precht hat im Stern und in dieser Woche auch bei Anne Will die ein bisschen krude These vertreten, dass Rentner zu sozialen Diensten verpflichtet werden sollten. Da hat FJW zum Ausklang der Woche aber richtig Schaum vor dem Mund bekommen. "Geistiger Müll" sei das, was Precht fordert. Wagner schimpft: "Sie geschniegelter, hübscher Klugscheißer-Philosoph, glaube ich, haben niemals gearbeitet. Man muss nur Ihre Hände anschauen, elegante, Klavier spielende Hände. Ihr aufgeknöpftes, weißes Hemd. Ihr gepflegtes, auf die Schultern gefallenes Haar. Die Art, wie Sie die Beine übereinander verschränken. Ich denke, Sie haben kein Recht, über Rentner zu sprechen." Keine Frage – Franz Josef Wagner hasst Richard David Precht. Dabei ist das Formulieren kruder Thesen dem guten FJW ja auch nicht, sagen wir mal, ganz fremd. Vielleicht will er ja auch nur verbal sein Revier markieren.

Schönes Wochenende!

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