iKiosk: Das PDF-Büdchen wird ausgebaut

Nutzer der Springer'schen iKiosk-App werden ab Montag ein runderneuertes digitales Büdchen vorfinden. Das Erscheinungsbild im Retro-Design (erinnert vage an einen American Diner) kommt ohne Springer-Logo aus. Grund: Künftig gibt es im iKiosk auch Zeitungen und Zeitschriften anderer Verlage. Das Springer-Angebot tritt damit in den Wettbewerb zu PagePlace von der Telekom und Pubbles von Bertelsmann. Georg Konjovic, Springers Director Premium Content, erklärt MEEDIA, wohin die Reise geht.

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Über 100 Titel sind ab Montag im iKiosk im digitalen Aggregatszustand zu haben. Der Relaunch betrifft zunächst die iPad-App des Angebots, eine neue Version der Website iKiosk.de ist für das erste Quartal 2012 in Arbeit, ebenso wie eine Android-Version. Und: Im "Testbetrieb" stellt Springer die Kiosk-App auch bei Facebook ein – allerdings zunächst beschränkt auf die verlagseigenen Titel. Der iKiosk sei sogar "das erste titelübergreifende Kiosksystem" in dem Social Network, heißt es im Verlag.

Die Startseite des neuen iKiosk

Im Gesamtportfolio sind künftig neben Springer-Titeln auch Angebote anderer Verlage, etwa Süddeutsche Zeitung, Handelsblatt, taz (ja, auch die), Die Zeit, WirtschaftsWoche, Rheinische Post, Abendzeitung München. Alle angebotenen Titel sind PDF-Formate. "Der iKiosk bleibt auf absehbare Zeit ein reiner PDF-Kiosk", sagt Georg Konjovic. "Wir wollen unseren Produktfokus sauber halten und nicht verschiedene Formate miteinander vermengen." Will heißen: Multimedia-Formate haben im iKiosk zunächst nichts verloren. Das Angebot zielt nicht auf Multimedia-Fans, sondern auf eher konservative Leser, die aber technologisch auf der Höhe der Zeit, bzw. im Besitz eines iPad sind. Die dahinter lauernde These: Nicht jeder iPad-Besitzer ist auch auf Multimedia-Zeitungen scharf.

Wird der Kauf eines Abos oder einer Einzelausgabe über die iPad-App des Kiosk abgewickelt, gehen die berühmten 30 Prozent des Umsatzes an Apple und zusätzliche zehn Prozent an Springer. Mit dann insgesamt 40 Prozent liegt Springer auf dem Niveau der Anbieter Pubbles und PagePlace. Offizielle Angaben zu ihrer Preispolitik machen diese Anbieter jedoch nicht. Kauft ein Nutzer allerdings eine Publikation über die iKiosk-Website, liegt der Abgabeanteil bei 20 Prozent, die an Springer gehen, plus knapp acht Prozent, die für den Bezahlvorgang an einen Dienstleister entrichtet werden müssen. Georg Konjovic sagt, die Marke iKiosk dürfe "perspektivisch nicht nur auf die iPad-App reduziert" werden. Kunden könnten die im digitalen Büdchen gekauften Titel "auf jedem Ausspielkanal der Plattform" nutzen. "Vor allem im Web, außerhalb der Apple-Welt, haben wir noch viel vor", sagt Konjovic.

Doch wie bei den Mitbewerbern PagePlace und Pubbles ist das Angebot im Kiosk von Springer alles andere als vollständig. Stern, Spiegel, Focus, Bunte, Brigitte, FAZ – Fehlanzeige. Erst kürzlich hatte Springer angekündigt, die hauseigenen Titel in den Telekom-Kiosk einzuspeisen. Was von Medienmanagern manchmal als selbstverständlich gepriesen wird – alle Inhalte über alle möglichen Vertriebskanäle zum Verkauf anbieten – ist in der Praxis offenbar nicht so leicht umzusetzen. Verlagsübergreifende Kooperationen sind, ob analog oder digital, eher die Ausnahme als die Regel. "Vom Ziel her mag es vielleicht wünschenswert sein, dass alle Verlage ihre Titel bei uns einstellen", sagt Konjovic. "Ich bin auch sicher, dass wir das Portfolio des iKiosks rasch weiter ausbauen können. Wir sind grundsätzlich offen für alle und begegnen ihnen auf Augenhöhe." So der so ähnlich sagen das auch die Chefs der Mitbewerber im Markt. Doch wo die Auslagen nach der Logik der Kiosk-Betreiber vor Angeboten nur so bersten müssten, bleibt es bisher eher übersichtlich.

Zu Pubbles und PagePlace mag sich Konjovic nicht äußern. Aber: "Im Markt wird schon recht genau beobachtet, wo die Unterschiede der einzelnen Kiosk-Angebote liegen. Der iKiosk ist bewusst sehr simpel und klar positioniert. Bei uns gibt es Zeitungen und Zeitschriften, keine Bücher, keine Multimedia-Angebote, keine Musik. Der Kunde weiß also sehr genau, was ihn erwartet." Ebenso einfach, sagt Konjovic, sei das Geschäftsmodell. Der Anteil am Umsatz, der an Springer fließe, sei fair.

Der überholte Kiosk bietet eine Reihe von neuen Services für die Nutzer. Es ist nun möglich, innerhalb der PDFs nach Stichworten zu suchen, komplette Seiten per Mail zu versenden und Teile von Artikeln zu markieren und auf eine digitale Pinnwand zu heften. Auf der Startseite der App sortieren sich die angezeigten Titel nach Verkauf – mit den Top-Titeln am Anfang. Es gehe weit dynamischer zu als auf der statischen Seite des bisherigen iKiosk, sagt Konjovic. Der iKiosk-Shop ist nun auch getrennt von der "Lesezone", in dem die gekauften Titel archiviert werden.

Kleine Historie am Rande: Der bisherige iKiosk öffnete im Mai 2010 ziemlich zeitgleich mit dem Verkaufsstart des iPad in Deutschland. Die Springer-Entwickler hatten das Angebot nahezu im Blindflug auf die Beine gestellt, entsprechend ruckelte und zuckelte es am Anfang noch. Zur Frankfurter Buchmesse 2010 ging dann Pubbles ins Rennen, ein Gemeinschaftskiosk vom Deutschen Presse-Vertrieb (DPV) und Bertelsmann Direct. Vor wenigen Tagen wurde verkündet, dass der Verlagskonzern Weltbild sich mit 50 Prozent an Pubbles beteiligt. Die Plattform war von Beginn an offen für alle interessierten Verlage, die Geschäftsführer warben um weitere Gesellschafter. Die Gesellschafter sagen nun, Pubbles solle als "Plattform für Zeitungs-, Zeitschriften- und Buchinhalte" weiterentwickelt werden. Wobei Zeitungen und Zeitschriften auf dieser Plattform wohl nur noch eine Nebenrolle spielen werden. Im Frühjahr öffnete schließlich die Telekom ihren Kiosk PagePlace im Netz – die dazugehörige App ist nur noch zum Lesen der Titel gedacht. Alle Anbieter müssen schließlich zumindest auf dem iPad mit dem im Oktober gelaunchten Newsstand von Apple konkurrieren – einem auf dem Tablet vorinstallierten Kiosk.

Ein Grundproblem bleibt: Der Sinn und Zweck einer eigenen Lesezone auf dem Tablet, Mobiltelefon oder PC mag theoretisch gegeben sein, hat sich in der Medienwelt der Nutzer aber noch nicht durchgesetzt. Die Axel Springer AG sieht den iKiosk laut Georg Konjovic derweil als "zentrale Medienmarke für den Verkauf digitaler und vielleicht auch irgendwann analoger Medienprodukte". Das Angebot hat aber offenbar nicht nur einen wirtschaftlichen Daseinszweck, sondern soll auch symbolisch wirken: Der Ausbau, sagt Springer-Chef Mathias Döpfner, sei "für unsere Branche eine attraktive Möglichkeit, die Akzeptanz von Bezahlinhalten zu steigern". Ob dazu allein die Existenz eines virtuellen Kiosk ausreicht, scheint bis dato zumindest fraglich, solange die Nutzer vor allem die Preispolitik der Verlage noch nicht akzeptiert haben.

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