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Die E-Book Verhinderungssteuer

Die New York Times hat in einem Artikel auf einen interessanten Umstand hingewiesen, der mit dafür verantwortlich sein könnte, dass sich das E-Book Geschäft in Europa langsamer entwickelt als in den USA: die gute, alte Mehrwertsteuer. In fast allen europäischen Ländern muss auf E-Books der volle Mehrwertsteuersatz entrichtet werden, auf gedruckte Bücher aber nur ein reduzierter. So wird die Mehrwertsteuer zu einer Art Innovations Verhinderungssteuer.

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Die New York Times hat in einem Artikel auf einen interessanten Umstand hingewiesen, der mit dafür verantwortlich sein könnte, dass sich das E-Book Geschäft in Europa langsamer entwickelt als in den USA: die gute, alte Mehrwertsteuer. In fast allen europäischen Ländern muss auf E-Books der volle Mehrwertsteuersatz entrichtet werden, auf gedruckte Bücher aber nur ein reduzierter. So wird die Mehrwertsteuer zu einer Art Innovations Verhinderungssteuer.

In Deutschland liegt der normale Mehrwertsteuersatz bei 19 Prozent. Für Druckerzeugnisse wie Bücher, Zeitungen oder Zeitschriften wird aber nur ein reduzierter Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent fällig. Das bedeutet: Bei gleichem Endpreis verdient ein Verlag beim Verkauf des gedruckten Buches netto deutlich mehr. Die New York Times zitiert den britischen Autoren Damien Seaman mit den Worten: “Die Spanne bei der Mehrwertsteuer sorgt effektiv dafür, dass traditionelle Verleger nicht innovativ sind. Sie werden subventioniert, es nicht zu sein.” Da ist was dran.

In anderen europäischen Ländern sieht es ähnlich aus, wie in Deutschland. Spitzenreiter in Sachen Mehrwertsteuer sind Schweden, Dänemark und Ungarn mit satten 25 Prozent. Auch dort werden Druckerzeugnisse weit geringer besteuert. In Frankreich beträgt der normale Mehrwertsteuersatz 19,6 Prozent, der auf Druckerzeugnisse 5,5 Prozent. In Italien und Spanien liegt die Spanne zwischen 4 Prozent Steuer für Druckerzeugnisse und 20, beziehungsweise 18 Prozent für E-Books und alles andere. In England und Irland ist der Unterschied am größten. Die Mehrwertsteuer dort beträgt 20 Prozent, auf gedruckte Bücher jedoch Null.

Es gibt etwas Bewegung an der Steuerfront in Europa. Frankreich will die Mehrwertsteuer auf E-Books zum Jahresbeginn ebenfalls auf 5,5 Prozent senken. Ähnliche Bestrebungen, die Mehrwertsteuer auf E-Books an die geringe Steuer für gedruckte Bücher anzugleichen, gibt es in Spanien und England. Es kann aber gut sein, dass die EU-Bürokraten diese Bestrebungen unterbinden.

Europäische Gesetze verbieten nämlich einen reduzierten Mehrwertsteuersatz für E-Books, weil diese juristisch nicht als Ware behandelt werden, sondern als Dienstleistung.

Doch obwohl der Brüsseler Amtsschimmel so laut und vernehmlich wiehert, steigen die Verkaufszahlen von E-Books auch in Europa. Der Verband Federation of European Publishers schätzt dass die Umsätze mit E-Books 2011 um 20 Prozent steigen – von insgesamt rund 350 Millionen Euro in 2010. Das ist freilich immer noch ein mickriger Anteil an den Buchverkäufen insgesamt, die sich 2010 auf 23,5 Mrd. Euro aufsummierten. Aber: die Buchverkäufe Print stagnieren und gehen europaweit teilweise sogar zurück, die E-Book-Verkäufe steigen.

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