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Der Maffay-Bushido-Bild-Bambi-Komplex

Peter Maffay will auf einmal nicht mehr der Buddy von “Rüpel Rapper” Bushido sein und verkündet das in der Bild. Obwohl der ihm doch sein Bambi in die Hand gedrückt hatte. Die Nachrichtenagentur dapd war beim Castor-Transport der Zeit ein bisschen zu sehr voraus und meldete das Einrollen der Behälter eine geschlagene Stunde zu früh. Den Bulo gibt es jetzt auch als Buch und dann war noch die Fortsetzung des großen di-Lorenzo-zu-Guttenberg Interview-Spektakulums.

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Was ist denn da wieder los!? Erst lässt sich Altrocker Peter Maffay dazu hinreißen Bushido den Bambi für Integration zu überreichen, von dem Pöbel-Rapper das “Du” (ehemaliger Maffay-Hit) aufdrücken und nimmt mit ihm auch gleich noch eine Tabaluga-artige Single auf (“Ich wollte nie erwachsen sein”). Und jetzt verkündet Maffay holterdiepolter via Bild, dass er mit dem “Rüpel-Rapper” gebrochen habe. Und zwar, weil “auf Worte keine Taten folgten”. Welche “Taten” denn? Maffay wörtlich in Bild: “So lange er immer noch seine Inhalte, wie etwa gewaltverherrlichende Videos transportiert, kollidieren unsere Standpunkte extrem. Bushido hätte zwei wesentliche Dinge klipp und klar sagen müssen: 1. Ich werde so etwas in Zukunft nicht mehr wiederholen. 2. Ich werde dafür sorgen, dass diese diskriminierenden Inhalte vom Markt kommen. Wenn das passiert wäre, hätten wir beide wirklich eine tolle Chance gehabt, positive Zeichen in unserer Gesellschaft zu setzen.” Das ist ähnlich wirres Geschwafel wie die Dankesrede von Bushido bei der Bambi-Verleihung. Die Bild hatte ja auch schon die Gaga-Geschichte groß gefahren, dass Heino sein Bambi aus Protest gegen das Bushido Bambi in einen Karton packt. Dass die Bild bei Axel Springer erscheint, jenem Medienhaus, das u.a. auch die Goldene Kamera verleiht, was eine Konkurrenz-Veranstaltung zu Burdas Bambi-Gedöns ist, hat mit diesen Berichten ganz sicher rein gar nix zu tun. Das ist bestimmt alles nur Zufall. Oder?

109 Stunden benötigte der Castor-Transport diese Woche, um die Strecke zwischen La Hague in Frankreich und Dannenberg in Niedersachsen zurückzulegen. Zahlreiche Medien begleiteten die Fahrt per Liveticker. Bis zum Ziel lief dann medial auch eigentlich alles glatt, es gab die üblichen Szenen von den Protesten entlang des Weges, aufgebrachte Bauern im Wendland und nächtliche Bilder vom dahinschleichenden Atommülltransport. Nur am Ziel konnte es der Nachrichtenagentur dapd dann auf einmal nicht schnell genug gehen. Am Montag morgen um 4 Uhr in der Frühe vermeldeten die Kollegen, dass der Zug an der Umladestation in Dannenberg angekommen sei, und die Castor-Behälter nun auf Tieflader verfrachtet würden, um den Atommüll schließlich nach Gorleben zu fahren. Wörtlich hieß es in einer Zusammenfassung von 4.22 Uhr: "Der Zug mit den elf Atommüll-Behälter rollte gegen 4.00 Uhr in das mit hohem Zaun umgebene Areal, wie ein dapd-Reporter vor Ort berichtete." Tatsächlich hatte der Zug um 4 Uhr den Verladebahnhof in Dannenberg erreicht, dies bestätigt auch ein Sprecher der Gesellschaft für Nuklearservice (GNS) in Essen, die das Zwischenlager in Gorleben betreibt. Nur hinter den "hohen Zaun", in die Verladestation hinein, war der Zug um 4 Uhr noch nicht gerollt. Dies geschah erst um 5 Uhr, also eine Stunde später. Der GNS-Sprecher bestätigt auch das, nennt die Uhrzeit von 5.01 und merkt an, die Einfahrt zur Umladestation liege direkt am Medienzentrum mit Tribünen für TV-Kameras: "Die Einfahrt liegt also praktisch direkt vor den Kamera-Teams. Daher wird dieser Arbeitsschritt immer besonders gut wahrgenommen und auch bildlich dokumentiert." Verladebahnhof hin, Verladestation her – bei 109 Stunden Fahrt macht eine Stunde kaum einen Unterschied. Und um 4 Uhr schlafen auch die meisten Leute noch. Und dennoch wäre es gut gewesen, wenn die dapd den Zug vor lauter Zäunen im Auge behalten hätte.

Peter Böhling kennen die meisten vor allem als “der Bulo”. Er ist nicht nur Chefredakteur des Medien-People-Magazins Clap, sondern auch Cartoonist und Twitterer aus Leidenschaft. Auf Twitter entstand auch die Idee, die beliebtesten Cartoons seiner Follower zu einem Buch zu machen. Bulo fand und findet das fein. Und so veröffentlicht der jmb Verlag das “#BuloBuch” mit 50 Cartoons und 100 Seiten zum Preis von 9,95 Euro. Einen ähnlichen Weg von Twitter zum gedruckten Buch gab s schon mal mit den superkurzen TinyTales-Geschichten, von denen die besten zum Buch “Auf die Länge kommt es an” verarbeitet wurden. Social media ist fein, aber so ein echtes Buch hat immer noch eine gewisse Anziehungskraft.

Einer der Cartoons aus dem Bulo-Buch
Die Medien und zu Guttenberg. Das ist eine On-Off-Beziehung wie Richard Burton und Liz Taylor. Anne Will und Maybrit Illner widmeten dem Interview-gebenden Ex-Minister diese Woche ihre Sendungen. Bei Anne Will kam es dabei sogar zum Dampfplauderer-Gipfel der Profi-Meinungsinhaber Hans-Ulrich Jörges und Michael Spreng. Der Stern hob zu Guttenberg auf den Titel (schnoddrige Zeile: “Ich schon wieder”) und die Zeit dokumentierte den Leser-Zorn wegen der angeblichen Steigbügel-Halterei ihres Chefredakteurs. Und di Lorenzo himself verfasste einen Text mit dem Titel "Warum dieses Interview?". Wenn Giovanni di Lorenzo dem zu Guttenberg tatsächlich die Steigbügel gehalten hat, dann hat sich der Freiherr beim Herumreiten auf seinen alten Abschreibe-Ausreden aber ganz schön vergaloppiert. Wirklich schlauer sind wir nach dem Guttenberg-Gelaber dieser Woche zwar nicht. Aber man fühlte sich ganz gut unterhalten. Und das ist ja auch was wert.

Schönes Wochenende!

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