„Print bleibt das Herz der Marke Gala“

Seit zehn Jahren ist Peter Lewandowski Chefredakteur der Gala. Für den 54-Jährigen ist dies kein besonderer Grund zum Feiern. "Andere sind noch länger dabei, Frau Riekel ist seit 1997 bei der Bunten", verweist er auf die "geschätzte Konkurrenz" aus München, mit der er sich gegenüber ganz jungen Peopleblättern "wie ein altes Ehepaar" vorkomme. Im MEEDIA-Interview spricht er über die perfekte Themenmischung, wie oft er in der Berichterstattung daneben lag und über welchen Promi er ein Buch schreiben würde.

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Herr Lewandowski, was ist die Rezeptur für die perfekte Abmischung einer Gala-Ausgabe?
Eine überraschende Titelgeschichte mit guten News, gelungene Backstage-Stücke zu interessanten Personen, Geschichten, die Stars hintergründiger und ausführlicher darstellen, Fashion-, Beauty- und Lifestyle-Storys, die für das eigene Leben inspirieren, Berichterstattung von Events, bei denen man gern dabei wäre. Unser Ziel ist es, jede Woche eine neue Faszination von People, Mode, Beauty und Lifestyle abzubilden.

Was ist ausschlaggebend dafür, dass ein Promi auf die Gala-Titelseite kommt?
Ein gutes Bild, Bekanntheit und eine Geschichte, die neugierig macht, ohne reißerisch zu sein.
Welcher Promi war gefühlt am häufigsten auf dem Gala-Titel?
Ich glaube Heidi Klum.
 
Peoplemagazine leben von Gerüchten, Ahnungen, Spekulationen. Es werden Promi-Ehen als gescheitert bezeichnet, obwohl es keine Trennungsabsichten gibt, Fettpölsterchen werden als Babybauch interpretiert. Wie oft haben Sie in den vergangenen zehn Jahren daneben gelegen?
Zwei Mal: Einmal haben wir Franz Beckenbauer zwei Monate zu früh zum Vater erklärt – letztendlich aber dann doch Recht behalten. Und einmal erhielten wir die Bestätigung für Trennungsgerüchte von Gwen Stefanie und Gavin Rossdale, die aber heute noch ein Paar sind.

Was macht ein erfolgreiches Peoplemagazin aus: gute Fotos, gute Stories oder gute Partys?
Gute Fotos, gute Storys UND gute Partys – alle drei Dinge. Aber vielmehr ist es die Erzähltemperatur, dass wir glaubwürdig sind, dass wir den Menschen positiv gegenüber aufgeschlossen sind und dass wir als Botschafter des guten Geschmacks auf eine Wertigkeit des Magazins achten.
 
Im Interview mit V.i.S.d.P. sagten Sie, dass Sie auch andere Protagonisten ins Heft holen wollen, weil der Pool der internationalen Stars zu klein sei. Welche Geschichten darf man bei Ihnen noch erwarten?
Wir suchen nach Menschen, deren Leben und Schicksale auch berühren, wie zum Beispiel in der letzten Ausgabe 48/11 Evelyn Lauder, die vor wenigen Wochen verstorbene Grand Dame der Kosmetikbranche, die das Tabuthema Brustkrebs öffentlich machte. Oder in der aktuellen Ausgabe das Patenkind der verstorbenen Amy Winehouse, Dionne Bromfield, die selbst eine unglaubliche Stimme hat. Oder das schwedische Männermodel Christian Göran (Ausgabe 42/11), der ziemlich untypisch für ein Model, gerade wegen seines Vollbartes zum Star eines TV-Spots wurde. Wir berichten von Menschen, die das Potential zu Helden in der Glamourwelt haben und die nicht nur durch Klatsch, sondern durch Leistung auffallen.

Im Oktober 2011 holte Gala.de laut IVW 3.921.006 Visits, das ist ein Steigerung von zwei Prozent im Vergleich zum Vormonat. Im Printbereich sieht es nicht so gut aus: Die Gesamtauflage kommt derzeit auf 337.964 Exemplare, in den vergangenen fünf Jahren haben Sie hier 18 Prozent verloren. Besonders der Einzelverkauf schlägt mit minus 38 Prozent zu Buche. Wie erklären Sie sich, dass die Gala weniger am Kiosk verkauft wird?
Der People-Markt ist ein umkämpfter Markt, aber Gala kann eine stabile Gesamtauflage in den letzten beiden IVW-Quartalen im Vergleich zum Vorjahr vorweisen. Im 3. IVW-Quartal 2011 gab es sogar eine sehr leichte Steigerung um rund ein Prozent. Warum grundsätzlich weniger Hefte verkauft werden, ist recht einfach zu erklären: Die wachsende Konkurrenz durch das Internet und weitere mobile Angebote.

Können Sie sich vorstellen, dass die Gala in Zukunft nur noch auf dem iPad gelesen wird?
Nein, Print ist und bleibt das Herz der Marke Gala.

Was außer der Auflage beneiden Sie an der Bunten?
Die Bunte ist ein seit Jahren geschätzter Konkurrent, manchmal kommen wir uns bei der ganzen jungen Konkurrenz wie ein altes Ehepaar vor.

Mit der Extra-Ausgabe zur Hochzeit von William und Kate holten Sie einen Verkaufsrekord. Welche noch nicht angekündigte Promi-Hochzeit könnte dies toppen?
Brad Pitt und Angelina Jolie. Prinz Harry, wenn er seine Zukünftige findet.

Das Blog Klatschkritik von Antje Tiefenthal nimmt das gesamt People-Segment unter die Lupe. Zuletzt kritisierte die Autorin das Bild von Jennifer Lopez und den zwei Model-Kindern, die die Gala allerdings zu ihren Lopez‘ leiblichen machte. Wie ist Ihre Meinung zu dem Blog?
Ich stelle mich gern der Kritik von außen und ärgere mich am meisten, wenn wir nicht fehlerfrei sind.

Kann ein Society-Reporter ernsthaft mit einem Promi befreundet sein oder gibt es Interessenkollisionen?
Nein, kann er nicht und ja, es würde diese Kollisionen geben.
 
Welchen Star zählen Sie zu Ihren Freunden?
Keinen.
Wie werden Sie Ihr Jubiläum feiern und wen laden Sie ein?
Ich freue mich über das Jubiläum, aber es ist kein besonderer Grund zum Feiern, denn bei Gruner + Jahr ist so etwas keine Besonderheit, zum Beispiel sind Thomas Osterkorn und Andreas Petzold seit 1999 Chefredakteure beim Stern. Und andere sind noch länger dabei, Frau Riekel ist es seit 1997 bei der Bunten.

Zum Schluss möchte ich Sie bitten, die folgenden Sätze aus Ihrer Sicht zu ergänzen.
1. Wenn die Gala eine Frau wäre, sähe sie so aus:
Modisch, sie kennt die Trends, folgt aber nicht jedem Fashion-Hype, sie bricht ihn für sich runter.
Und würde hier shoppen gehen:
Von . . . bis. Nehmen wir Hamburg als Beispiel. Sie kauft am Neuen Wall ihre Handtasche bei Bottega Veneta, aber auch genauso gut ihre Jeans auf der Schanze.
2. Wenn ich ein Buch über einen Promi schreiben müsste, dann über ….
… Angelina Jolie, weil ich gerne mit Brad Pitt und den Kindern einen Nachmittag auf dem Spielplatz verbringen würde.

3. Das Peinlichste, was mir in zehn Jahren als Gala-Chefredakteur passiert ist, war…
… die verfrühte Vaterschaft von Franz Beckerbauer und . . .
4. Ich wäre das perfekte Testimonial für…
…einen Friseur, weil es bei mir schnell und günstig geht.

5. Meine größte Schwäche ist…
…immer zu wenig Zeit zu haben.
 
6. Von anderen werde ich gelobt…
… wenn ich mal pünktlich bin.
 
7. In zehn Jahren werde ich…
…immer noch Journalist sein.

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