“Wir recherchieren so gut wie der Spiegel”

Publishing Wahnsinn, Blasphemie oder eine pfiffige Print-Idee? Am 3. Dezember erscheint Bauers das Neue zusammen mit einem erstaunlichen Sonderheft: Passend zur Weihnachtszeit legt die Redaktion um Chefredakteur Jörg Mandt das neue Testament erstmalig als Zeitschrift auf. "Die Bibel ist als das erfolgreichste und spannendste Buch der Welt auch zugleich der erfolgreichste Yellow der Welt", deutelt Mandt die heilige Schrift neu. Die Aktion ist ein weiterer Schritt von Mandt, dem Heft mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen.

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"Wie würde unser Weihnachtsheft aussehen, wenn es uns vor zwei Jahrtausenden schon gegeben hätte?", fragt Mandt in seinem Editorial zur Bibel-Ausgabe. "Mit welchen Worten hätten wir die größte Geschichte aller Zeiten erzählt, welche Fotos vom Kind in der Krippe gezeigt, welche Schlagzeilen für das wunderbare Geschehen gefunden?"

Die Antworten auf diese Fragen liefert dann das 72-seitige Sonderheft. Als Headlines finden sich Zeilen wie „Am See Genezareth ist Gott der Erde ganz nah“ oder „Maria besucht Tante Elisabeth: ‚In meinem Gartenparadies erlebte ich ein Wunder’“. Für die Bebilderung  entschieden sich die Hamburger überwiegend für Auszüge aus Filmszenen. Bei den Worten mit denen die Geschichte erzählt wird, hat sich Mandt diesmal viel Hilfe von anderen Autoren geholt. So schreiben unter anderem die Ex-Bischöfin Margot Käßmann, Peter Hahne, Bärbel Schäfer und Kardinal Karl Lehmann für das Sonderheft.

Für den Chefredakteur passt die Weihnachtsgeschichte hervorragend in ein Yellow: "Alle emotionalen Themen der heutigen Zeit, wie Baby-Glück, Liebe und Nächstenliebe, Mord und Tragödien, Missgunst und Neid etc. sind in der Bibel enthalten und genau das wollen wir mit unserem Projekt, dass es so noch nie in der deutschen Zeitschriftenlandschaft gegeben hat, projizieren."
Von der Story-Abfolge orientiert sich das Bibel-Heft streng an einer normalen Ausgabe von das Neue. So befinden sich im Hefteinstieg die bunten Themen, wie eine Meldung über den Streitwagen-Rennfahrer ("Die Formel 1 der Antike") Sciruts. Später gibt es den romantischen Bericht "So fanden Maria und Joseph ihr Glück" oder einen Artikel über die drei Heiligen Könige, in dem das Sonderheft beudeutungsschwanger säuselt: "Sie brachten Gold, Respekt und Liebe". Selbst die Rätsel und Rezepte halten sich an das biblische Thema.

Das Sonderheft, so sonderbar es daherkommt, ist Teil der Strategie des ehemaligen Bild-Mannes Mandt sein Yellow breiter aufzustellen, die Qualität zu steigern und die Auflagenverluste zu stoppen. Sein Ziel erklärt der 53-Jährige gegenüber MEEDIA mit einem plakativen PS-Gleichnis: „Wenn man People-Zeitschriften mit Autos vergleichen will, dann ist Bunte mit ihren 3,20 Euro ein Mercedes. Wir wollen zum Audi des Segments werden. Top-Qualität zu erschwinglichen Preisen.“

Dazu verfügen die Hamburger – laut eigener Aussage – über die jüngste Yellow-Redaktion Deutschlands. Bezüglich der Qualität seiner Mannschaft versteigt sich der Blattmacher zu einem gewagten Vergleich: „Wir recherchieren so gut wie der Spiegel. Bei uns finden sie keine einzige erfundene Geschichte. Unser Ziel ist es bei Schlager und Soaps zum Agenda Setter zu werden.“ Schon heute kooperiert das Neue deshalb mit allen wichtigen Schlager-Stars.

Damit setzen sich die Hamburger klar von der meisten Konkurrenz ab, die überwiegend wesentlich billiger produziert und demnach viel weniger wirklich eigene Stücke drucken. Trotzdem kämpft das Neue seit Jahren gegen sinkende Auflagen. Im Gesamtverkauf kommt das wöchentliche Magazin im dritten Quartal auf 185.750 Exemplare. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies ein Minus von zwei Prozent. Als Mandt im August 2010 allerdings den Titel von Jörg Schumacher übernahm, lag das Minus noch bei 13,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Innerhalb der vergangenen fünf Jahren büßte das Yellow 35 Prozent seiner Gesamtauflage ein.

Aller lautsprecherei des Chefredakteurs zum Trotz ist das Neue im breiten Yellow-Segment noch ein Junior. „Ich glaube sehr wohl, dass man die Auflagenverluste noch stoppen kann“, sagt Mandt dennoch gegenüber MEEDIA. „Es muss uns nur gelingen neue Zielgruppen zu erschließen. Ich bin davon überzeugt, dass wir auch für Frauen zwischen 35 und 50-Jahre attraktiv sind.“ Um diese neuen Leserinnen zu erreichen, braucht es nach Meinung des Chefredakteurs keinen neuen Titel: „Wir können diese Leserinnen mit nur einigen kleineren Korrekturen erreichen“ und einiger Kreativität. Darunter fällt wohl auch das Bibel-Bundel, für das Mandt möglicherweise sehr viel Häme einstecken, aber auch einiges an Aufmerksamkeit für das Neue erzeugen könnte.
Trotzdem gilt für die Bibel-Ausgabe dieselbe Regel wie für normale Sonderhefte. „Wenn wir 50 Prozent verkaufen, können wir sehr zufrieden sein.“

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