Topmanager Breid: Analytiker und Auto-Narr

Er war der Wunschkandidat in Hamburg wie in Stuttgart: Mit dem Wechsel von Volker Breid an die Spitze der Motorpresse verlässt eine der erfahrensten und im G+J-Vorstand hochgeschätzten Verlagsgeschäftsführer den Baumwall, um in der Unternehmenstochter die Schlüsselrolle zu übernehmen. Dabei verkörpert der 49-Jährige einen seltenen Typ von Medienmanager - er selbst sieht sich als "angestellter Verleger und Unternehmer", zugleich als einer, der akribisch abwägt, bevor er entscheidet und handelt.

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In den Management-Zirkeln der Gruner-Zentrale hat der bislang Hauptverantwortliche für den Verlagsbereich G+J Frauen/Familie/People den Ruf, auch dann ein zweites Mal nachzufragen und zu insistieren, wenn die Entscheidung auf den ersten Blick so naheliegend scheint. Unter den Top-Führungskräften gilt er als Analytiker und einer der Nachdenklichsten. In der Praxis bedeutet dies Genauigkeit bis an die Grenze der Penibilität: Breid liebt es, die Zügel fest in der Hand zu halten. Sich nur auf das Berichtswesen zu verlassen, ist seine Sache nicht, enge Führung und den Hang, selbst Hand anzulegen, schon eher.
Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass die Vokabeln Pflichtbewusstsein und Loyalität besonders oft genannt werden, wenn nach Tugenden des Managers gefragt wird, der nach einem Studium der Betriebswirtschaftslehre und Stationen bei Siemens eine Promotion im Bereich Strategisches Management und Finanztheorie in München ablegte, wo seine Familie bis heute lebt. Breid pendelte über Jahre zwischen Isar und Elbe, einer der praktischen Gründe, warum der neue Job nicht ungelegen kam.
Nicht alles, was Gruner + Jahr im Frauensegment in den vergangenen Jahre startete, war ein Erfolg – man denke nur an den Flop mit der Adaption der österreichischen Woman. Dennoch bescheinigen ihm Weggefährten, er habe das wettbewerbsintensive Feld kontinuierlich entwickelt und geformt. Dabei ging Breid neue, für Gruner ungewohnte Wege, etwa mit der Klambt-Kooperation bei In oder dem Zukauf von Grazia. Die Stärken der Anderen nutzen, ohne das eigene Verlagsprofil aus den Augen zu verlieren, sei stets seine strategische Devise gewesen. Dies galt auch für die zahl- wie ertragsreichen Line Extensions der Markenfamilien Gala, P.M., Brigitte oder Eltern. Und auch der prestigeträchtige wie rentable Zukauf von 11 Freunde geht auf sein Konto.
Bei Gruner + Jahr hat er wohl auch deshalb eine eindrucksvolle Karriere vorzuweisen, weil er nach innen und außen Zurückhaltung ausstrahlt: Breid ist keiner, der den großen Auftritt liebt und vor allem keiner, der diesen braucht. Das überlässt er anderen. Im Vergleich zu seinem CEO Bernd Buchholz ist das ein Kontrast, allerdings, so sagen Eingeweihte, ein höchst produktiver. Buchholz schätze an ihm seinen hohen Sachverstand, das verlegerische Gespür, den Mut zum unternehmerischen Risiko. Die Wertschätzung ist beiderseitig: Breid, so heißt es, lobe Buchholz für dessen Standfestigkeit, das "offene Visier" in Konfliktsituationen und den unternehmerischen Freiraum, den der Vorstandschef und zugleich Zeitschriftenvorstand ihm lasse.
Diese Freiräume will Breid auch in seiner neuen Aufgabe nutzen. Mit der Motorpresse übernimmt er den Special Interest Verlag Europas, der trotz vieler Stärken gerade durch seine internationale Aufstellung in einigen Bereichen auch in Turbulenzen ist. Die hohe Affinität des Autonarren Breid zum Stuttgarter Boliden Auto, Motor und Sport ist bekannt. Mit gleichem Enthusiasmus dürfte sich der 49-Jährige aber auch den vielen Fach- und Nischen-Titeln widmen, die zum Magazin-Portfolio der Motorpresse gehören. Seine exzellente Vernetzung im Norden dürfte dem Manager, der am Baumwall große Fußabdrücke hinterlässt, auch bei den Schwaben helfen – seit Mitte des Jahres ist Breid auch Mitglied im Aufsichtsrat von Gruner + Jahr.

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