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Wirrwarr um Facebook-Börsengang

Die Aufregung war groß: Ein Gang an die Wall Street doch noch dieses Jahr – damit kokettierte das gewöhnlich gut informierte US-Blogkonglomerat Business Insider vor einigen Tagen. Seitdem kochen die Spekulationen über. Klar ist jedoch: Schon technisch wäre ein IPO des weltgrößten sozialen Netzwerks in diesem Jahr so gut wie nicht mehr möglich. Dafür stehen die Aussichten im ersten Quartal 2012 umso besser: Angesichts des sich verschlechternden Wirtschaftsumfelds muss Facebook handeln.

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Die Aufregung war groß: Ein Gang an die Wall Street doch noch dieses Jahr – damit kokettierte das gewöhnlich gut informierte US-Blogkonglomerat Business Insider vor einigen Tagen. Seitdem kochen die Spekulationen über. Klar ist jedoch: Schon technisch wäre ein IPO des weltgrößten sozialen Netzwerks in diesem Jahr so gut wie nicht mehr möglich. Dafür stehen die Aussichten im ersten Quartal 2012 umso besser: Angesichts des sich verschlechternden Wirtschaftsumfeld muss Facebook handeln.

Geht nun doch alles viel schneller als bisher gedacht? Am Wochenende gelang Business Insider der Scoop, auf die baldigen Börsenpläne des weltgrößten Social Networks hinzuweisen. Dass Facebook "bald" an die Wall Street geht, ist nicht die neueste Erkenntnis. Wie Frage ist: Wie bald ist "bald"?

"In den letzten sechs Wochen wurde bei Facebook immer öfter über den Börsengang gesprochen", zitiert Henry Blodgets Internetportal eine Quelle, die mit Mitarbeitern des Social Networks in Kontakt steht. Mark Zuckerberg habe demnach wiederholt erklärt, "das IPO kommt" – eine Aussage, die der 27-Jährige in dieser Deutlichkeit bisher nie getroffen hat.

Börsengang käme 2011 zu spät für Fonds

Entsprechend verbreitete sich die Kunde eines schnellen Börsengangs wie ein Lauffeuer – sogar dieses Jahr wurde noch als möglicher Zweitpunkt genannt. Dagegen spricht indes die Praxis. Zunächst muss Facebook bei der US-Börsenaufsicht SEC den Antrag auf Börsenzulassung beantragen – das dauert gewöhnlich ein paar Wochen.

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Gleichzeitig ist die offizielle Ernennung der begleitenden Banken nötig – dass es sich hierbei federführend um Goldman Sachs handeln dürfte, erscheint absehbar. Danach wird die Roadshow bei potenziellen Investoren durchgeführt, die gewöhnlich zwei Wochen dauert. Im Anschluss erfolgt dann die Bekanntgabe des Ausgabekurses und dann der Gang an die Börse.

Allerdings gibt es noch die ungeschriebenen Gesetze der Wall Street zu berücksichtigen. Etwa das, nachdem ein Börsengang bis allerspätestens Mitte Dezember erfolgen müsste – danach schließen Fonds und Großinvestoren ihre Bücher. Für einen Schnellschuss scheint es damit bereits zu spät. Ähnlich verhält es sich im Januar: Es dauert gewöhnlich einige Wochen, bis Fonds und Analysten ihre  Handelsaktivität und Coverage in vollem Umfang aufnehmen – dazu kommt die Berichtssaison in Januar. Vor Februar oder sogar März erscheint ein Facebook-IPO daher wenig realistisch.

"Nuklearer Winter 2008" als abschreckendes Beispiel

Dann jedoch macht das Timing umso mehr Sinn: Nach Überschreiten der Grenze von 500 Aktionären muss Facebook seine Finanzen bis April ohnehin veröffentlichen. Das Engagement der Wall Street-Ikone Goldman Sachs Anfang, die die Aktionärsstruktur mit dem Verkauf von Facebook-Aktien an wohlhabende Kunden erst ausdehnte, wurde ohnehin bereits als Fingerzeig gedeutet.
   
Tatsächlich sind die Voraussetzungen aktuell nahezu ideal: Groupon hat Facebook mit seinem 20 Milliarden-Börsengang gerade erst quasi den Freifahrtsschein beschert. Der Markt ist weiter hungrig auf die Stars der Web 2.0-Generation, auch wenn die Realwirtschaft wackelt. Die Weltbörsen sind im Zuge der europäischen Schuldenkrise seit Sommer auf eine beunruhigende Berg- und Talfahrt gegangen, die fatal an die Vorboten des Crash-Jahres 2008 erinnert.     

Jene Zeit hat Facebook indes nicht in bester Erinnerung: Während Netscape-Gründer Marc Andreesen seinzeit vor einem "nuklearen Winter an den Kapitalmärkten" warnte, schrumpfte die Bewertung des aufstrebenden Netzwerks von 15 auf 5 Milliarden Dollar zusammen. Auch wenn Facebook ein ähnlicher Bewertungseinbruch erspart bleiben wird – Krisenzeiten sind nicht gerade der richtige Zeitpunkt für turmhohe Bewertungen. Und die will Facebook schließlich erzielen.  

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