Medien sitzen Bigpoints „Umsatzrakete“ auf

Eine Falschmeldung und ihre Mediengeschichte: Der Browsergames-Entwickler Bigpoint hat angeblich mit einer 1.000 Euro teuren virtuellen Drohne in seinem Spiel "Dark Orbit" zwei Millionen Euro in vier Tagen umgesetzt. Diese Meldung übernahmen viele Medien ungeprüft - trotz der unglaublichen Zahlen. Gegenüber MEEDIA dementierte nun ein Konzernsprecher das Gerücht und sprach von einem Planspiel, das so nicht real sei. Nicht einmal die 1.000 Euro teure Drohne existiert.

Anzeige

Eine Falschmeldung und ihre Mediengeschichte: Der Browsergames-Entwickler Bigpoint hat angeblich mit einer 1.000 Euro teuren virtuellen Drohne in seinem Spiel Dark Orbit zwei Millionen Euro in vier Tagen umgesetzt. Diese Meldung übernahmen viele Medien ungeprüft – trotz der unglaublichen Zahlen . Gegenüber MEEDIA dementierte nun ein Konzernsprecher das Gerücht und sprach von einem Planspiel, das so nicht real sei. Nicht einmal die 1.000 Euro teure Drohne existiert.
Das Gerücht streute die britische (hier stand zuvor fälschlicherweise "amerikanische") Spieleseite Gamesbrief.com. Als Quelle für die Geschichte dienten Bigpoint-CEO Heiko Hubertz und ein „Dark Orbit“-Entwickler – die völlig unterschiedliche Zahlen nannten. Gamesbrief wollte von Hubertz, der in San Francisco lebt, erfahren haben, dass 1.000 dieser Raumschiff-Drohnen verkauft worden seien, was einen Umsatz von einer Million Euro ergeben hätte. Dann interviewten die Redakteure den „Dark Orbit“-Producer Simon Davis. Dieser habe von 2.000 abgesetzten Drohnen gesprochen. Bei einem Preis von 1.000 Euro kämen so zwei Millionen Euro Einnahmen zusammen.
Bei anderen virtuellen Gegenständen, die üblicherweise zwischen 50 Cent und wenigen Euro kosten, fiele das nicht sonderlich ins Gewicht, ob 1.000 Nutzer mehr oder weniger Geld ausgeben. Hier liegt jedoch ein erheblicher Unterschied zwischen den Zahlen. Es stellten sich die Fragen: Wie realistisch sind die Angaben? Ist es wahrscheinlich, dass Heiko Hubertz sämtliche Verkaufszahlen von virtuellen Gegenständen in seinen Spielen kennt und absichtlich tief stapelt? Und welcher Nutzer ist bereit, 1.000 Euro für eine Spielzeugdrohne auszugeben?
Klar war, dass „Dark Orbit“ mit – nach Herstellerangaben – knapp 66 Millionen registrierten Spielern durchaus eine der Cashcows von Bigpoint sein könnte. Da der Titel aber schon seit rund fünf Jahren online ist, wird nur noch ein Bruchteil der Nutzer aktiv sein. Auf den Websites vieler Bigpoint-Spiele findet sich zudem die Angabe „Jetzt online“ mit einer ständig schwankenden Ziffer daneben. Diese Zahl bezieht sich laut dem Konzernsprecher auf die aktuell eingeloggten Benutzer. Durch Wartezeiten bei der Datenübertragung an die Server kann der Wert zwar nie ganz konkret sein, doch er lässt ungefähr auf die Nutzerzahlen schließen. Das Unternehmen hält diese geheim.
2.000 Käufer für eine 1.000 Euro teure virtuelle Drohne zu finden, wäre in jedem Fall schwierig gewesen. Der Bigpoint-Sprecher klärte gegenüber MEEDIA auf: Es gab zehn Drohnen, die durchschnittlich rund 100 Euro kosteten. Hubertz’ Rechnung im Gamesbrief-Bericht sei lediglich ein Planspiel gewesen, das falsch wiedergegeben worden sei.
Trotz der äußerst erstaunlichen Zahlen sprangen viele Medien sofort auf den Zug der Berichterstattung auf. Als erstes griff das Technologieportal Techcrunch die Meldung auf. Darüber verbreitete sie sich heute auch im deutschsprachigen Raum, darunter auch auf News-Portalen von namhaften Verlagen wie Gruner + Jahr.
Hier nur einige der Portale, welche die Ente übernahmen:

Letztlich bleiben dennoch zwei Fragen offen: Haben sich die Bigpoint-Verantwortlichen missverständlich ausgedrückt? Oder hat der Gamesbrief-Journalist die Geschichte wissentlich überspitzt aufgeschrieben?

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige