Baku: Journalist stirbt nach Messerattacke

Schockierende Nachricht aus Aserbaidschan: Der Zeitungsjournalist Rafik Tagi ist an den Folgen eines Messerangriffes gestorben. Ein Unbekannter hatte Tagi am 19. November auf dem Heimweg in den Rücken und Unterleib gestochen. Der Reporter, der als Regimekritiker galt, wurde bereits vor Jahren wegen seiner Artikel bedroht. Nach zwei Operationen verstarb er gestern in einem Krankenhaus in Baku. Die Ermittlungen in dem Mordfall liegen beim Generalstaatsanwaltschaft und dem Innenministerium.

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Die Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen hat zu Sorgfalt in dem Fall ermahnt: "In Anbetracht jüngster Artikel des Zeitungsjournalisten und früherer juristischer Verfahren gegen Tagi fordern wir die Ermittler auf, Hinweisen zu einem möglichen Zusammenhang zwischen dem Angriff und der journalistischen Arbeit des Opfers ernsthaft nachzugehen."
Auch der Sprecher des aserbaidschanischen Presserates zog in Erwägung, dass die Attacke eine Reaktion auf Publikationen von Tagis sein könnte. Zuletzt kritisierte Tagi in einem Artikel für eine lokale Website am 10. November das Regime im Iran. Er warf Präsident Mahmud Ahmadinedschad vor, den Islam zu diskreditieren und eine Bedrohung für die zivilisierte Welt zu sein.
Im Jahr 2006 hatte Tagis einen Artikel mit dem Titel "Europa und wir" veröffentlicht. Darin vertrat der Ehemann und Vater von drei Kindern unter anderem die Meinung, dass Aserbaidschan sich eher nach Europa als nach Asien hin ausrichten solle. Der Fortschritt des Landes sei dem Einfluss humanistischer und universeller Werte zu verdanken, wie sie in Europa verbreitet seien. Der Islam habe auf diesem Kontinent deswegen nicht Fuß fassen können, so sein Argument. Tagi hatte zudem einige Äußerungen des Propheten Mohammed als aggressiv bezeichnet. In Folge der Berichterstattung hatte ein iranischer Ajatollah wegen "Beleidigung des Islams und des Propheten Mohammed" eine so genannte Fatwa, eine islamisches Rechtsgutachten, anfertigte, worin die Todesstrafe für Tagi verlangt wurde.
Der Iran hat jede Beteiligung an Tagis Tod laut Deutschlandradio zurückgewiesen und Gerüchte darüber als "zionistische Provokationen" bezeichnet.
In Aserbaidschan hatte der Artikel für den Reporter juristische Folgen: Im November 2006 wurde er festgenommen, im darauf folgenden Mai 2007  wurde Tagi zu drei Jahren Gefängnis wegen "Anstachelung religiösen Hasses" verurteilt. Nach der Begnadigung durch den Präsidenten wurde er im Dezember 2007 entlassen.

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