Tödlich statt heiter: die ARD-Vorabend-Krise

Was für eine Enttäuschung: Monatelang hat die ARD für das neue Vorabend-Konzept mit Krimiserien unter dem Label "Heiter bis tödlich" getrommelt - und nun bestraft das Publikum den Sender mit Missachtung. Keine der in den vergangenen Wochen gestarteten drei Serien konnte bisher auch nur annähernd die Erwartungen erfüllen oder gar die ARD-Normalwerte erreichen. Noch schlimmer: Alle drei fielen in der vergangenen Woche auf neue Zuschauer-Tiefstwerte. Ein Aufschwung ist also nicht in Sicht.

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"Nordisch herb", "Hubert und Staller" und "Henker & Richter" – das sind die drei "Heiter bis tödlich"-Serien, die seit Ende Oktober nach und nach an den Start gebracht wurden. Die vier "Nordisch herb"-Episoden kamen dabei bis jetzt auf durchschnittlich 1,77 Mio. Zuschauer, die drei "Hubert und Staller"-Folgen sahen 2,09 Mio und die beiden "Henker & Richter"-Ausgaben 1,64 Mio. Bei den Marktanteilen lag "Nordisch herb" damit bei 6,9%, "Hubert und Staller" bei 8,2% und "Henker & Richter" bei 6,5%.

Zur Erinnerung: Das Erste erzielte im Durchschnitt der vergangenen 12 Monate einen Marktanteil von 12,5%. "Nordisch herb" und "Henker & Richter" kletterten also nur knapp über die Hälfte dieses Normalwertes. Einzig "Hubert und Staller" steht einen Tick besser da, fiel am vergangenen Mittwoch aber auf 7,4%. Über die Qualität der drei Serien lässt sich sicher streiten, an die Klasse der grandiosen Prime-Time-Serie "Mord mit Aussicht", die immer wieder als eins der Vorbilder genannt wurde, kommen aber alle drei nicht heran.

Allerdings liegt die Vermutung nahe, dass derzeit selbst das interessanteste, beste Programm am Vorabend des Ersten kein Erfolg werden würde, denn auch an den beiden anderen Werktagen sieht es in der Zeit von 18.50 Uhr bis 19.45 Uhr mau aus: Die neue Quizshow "Drei bei Kai" versagt freitags mit 1,55 Mio. Zuschauern und einem Marktanteil von 6,7% und selbst der ehemalige Megahit "Großstadtrevier" kommt mit den aktuellen neuen Folgen am Montag nur noch auf 2,81 Mio. Seher und 10,9%, bleibt also ebenfalls unter den ARD-Normalwerten. Mit anderen Worten: Das Publikum meidet den ARD-Vorabend derzeit massiv – egal, was dort zu sehen ist.

Ausgerechnet am Vorabend, wo die ARD noch die eine oder andere Werbe-Million abgreifen will, sind die Quoten also miserabel. Und das auch bei den 14- bis 49-Jährigen, die am Vorabend auch für die Öffentlich-Rechtlichen relevant sind: 3,9% bis 5,2% erzielten die drei neuen Krimiserien hier bisher, 3,8% "Drei bei Kai" und 5,7% das "Großstadtrevier". Normal waren für Das Erste in den vergangenen 12 Monaten 6,6%.

Will der Sender also das Minimal-Ziel von 10% noch erreichen, muss er wohl sehr viel Geduld mitbringen. Den Serien – auch den weiteren "Heiter bis tödlich"-Vertretern, die bereits produziert werden – wäre es zu wünschen. Natürlich gibt es genügend Beispiele für Entwicklungen, bei denen aus Premieren-Flops noch Hits geworden sind. Derzeit sieht es im Fall des ARD-Vorabends aber nicht danach aus. Einen kleinen Profiteur der Quoten-Tristesse könnte es aber durchaus geben: Thomas Gottschalk. Denn: Wenn er 2012 seine neue Vorabend-Show startet, wird er kaum noch schlechtere Zahlen erreichen können.

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